Die Tatwaffe des Münchner Amokläufers David S. wird hochgehalten. | Bildquelle: dpa

Waffe von Münchner Amokläufer Haftstrafe für Darknet-Portal-Betreiber

Stand: 19.12.2018 17:19 Uhr

Vor zweieinhalb Jahren tötete der Amokläufer David S. in München neun Menschen und sich selbst. Die Waffe hatte er über eine Plattform im Darknet gekauft. Deren Betreiber muss nun ins Gefängnis.

Im Juli 2016 erschoss der 18-jährige David S. im Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen und tötete sich anschließend selbst. Die Waffe für seine Tat hatte er im Darknet gekauft, den Teil des Internets der anonyme und teils illegale Geschäfte und Kommunikation ermöglicht. Der Betreiber des Portals "Deutschland im Deep Web", über das David S. und der Waffenhändler in Kontakt kamen, wurde nun vom Landgericht Karlsruhe verurteilt.

"Jedes schlichte Gemüt" hätte Gefahr erkennen müssen

Sechs Jahre muss der 31-Jährige Gründer der Plattform ins Gefängnis - wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung sowie der Beihilfe zu Waffen- und Drogendelikten. Die Staatsanwaltschaft hatte neun Jahre und fünf Monate Haft gefordert.

Das Gericht rechnete dem Angeklagten jedoch an, dass er die Plattform 2013 lediglich in der Absicht gegründet habe, ein Forum für anonyme Kommunikation zu schaffen. Doch jedem "schlichten Gemüt" hätte klar sein müssen, welche Gefahr ein solches Portal birgt, führte der Vorsitzende Richter Holger Radke in der Urteilsbegründung an. Den Amoklauf in München bezeichnete er als eines der schrecklichsten Verbrechen in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Mehrere Angehörige von Opfern des Amoklaufs waren in dem Prozess als Nebenkläger aufgetreten.

Angeklagtem soll Waffenhandel egal gewesen sein

Radke sah es als erwiesen an, dass dem Beschuldigten bewusst war, dass über seine Plattform mit Waffen gehandelt wurde. Es sei ihm jedoch egal gewesen. Der 31-Jährige selbst hatte während der Verhandlung angegeben, er sei überzeugt gewesen, dass in dem Forum nur Betrüger unterwegs gewesen und keine echten Waffen zum Verkauf angeboten worden seien.

Das Gericht sah es anders: "Der Amokläufer hätte die Waffe nicht kaufen können, hätte den Amoklauf nicht begehen können", wenn es "Deutschland im Deep Web" nicht gegeben hätte. Die Plattform war im Juni 2017 abgeschaltet worden.

Händler im Januar 2018 zu Gefängnisstrafe verurteilt

Bereits im August 2017 hatte der eigentliche Waffenhändler vor dem Landgericht Karlsruhe im Prozess um seine Mitschuld ein Geständnis abgelegt. Er hätte David S. die Waffe nie verkauft, wenn er geahnt hätte, dass der junge Mann damit "so etwas grauenhaftes" tun wollte, hatte der Händler damals betont. Im Januar dieses Jahres wurde er zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 19. Dezember 2018 um 16:21 Uhr.

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