Einsatzkräfte nach Anschlag in München

Ermittlungen zu Schießerei in München 18-Jähriger tötet neun Menschen - und sich selbst

Stand: 23.07.2016 09:39 Uhr

Lange war die Zahl der Täter und auch der Opfer unklar, doch nun ist sich die Polizei weitgehend sicher: Die tödlichen Schüsse von München hat ein 18-jähriger Deutsch-Iraner abgegeben. Er handelte demnach allein und tötete neun Menschen - und vermutlich auch sich selbst.

Nach der Schießerei in einem Münchener Einkaufszentrum hat die Polizei Entwarnung gegeben: Der Schütze, ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, habe mit hoher Wahrscheinlichkeit alleine gehandelt, teilte sie mit. Die Leiche des jungen Mannes sei etwa einen Kilometer vom Einkaufszentrum gefunden worden. Er habe sich sehr wahrscheinlich selbst getötet, sagte Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä.

Zuvor hatte er offensichtlich mindestens neun Menschen getötet. Insgesamt 16 Menschen seien verletzt worden, sagte der Polizeipräsident weiter, drei von ihnen schwer.

Laut Andrä hatte der 18-Jährige in einem Schnellrestaurant zu schießen begonnen, anschließend gab er Schüsse beim Einkaufszentrum ab und ergriff die Flucht. Eine Zivilstreife sei schon früh auf den Täter gestoßen und habe auch auf ihn geschossen. Es sei aber noch unklar, ob der Täter dabei auch getroffen wurde. Andrä rief die Bevölkerung noch einmal auf, der Polizei mögliche Handy-Videos vom Tatort zur Verfügung zu stellen. Dies helfe bei der Klärung des Tatablaufs, sagte er.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) rief Augenzeugen auf, solche Videos auf keinen Fall in Sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Auch wenn die Öffentlichkeit wie die Polizei sich daran gewöhnen müsse, "dass wir über die sozialen Netzwerke in Echtzeit an solchen Bluttaten teilnehmen", werfe dies für die Arbeit der Polizei bei Fahndung und Evakuierungsmaßnahmen Probleme auf, sagte der stellvertretende GdP-Vorsitzende Jörg Radek im Deutschlandradio Kultur. Daher sei es besser, solche Informationen der Polizei zu übermitteln. Bedauerlicherweise seien trotz des Appells der Münchner Polizei Foto- und Videomaterial vorschnell im Netz gelandet.

Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä
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Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä: Hintergründe und Motive der Tat sind noch unklar.

Motiv noch unklar

Die Hintergründe der Tat und das Motiv seien noch völlig unklar, sagte Andrä weiter. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass es weitere Täter gegeben hat. Die Polizei hatte zunächst von einer "akuten Terrorlage" gesprochen und nach bis zu drei möglichen Tätern gefahndet. Dies hat sich aber inzwischen geklärt: Zwei Menschen, die in Verdacht gerieten, weil sie schnell mit einem Auto vom Tatort weggefahren waren, hatten offensichtlich nichts mit dem Fall zu tun.

Der 18-Jährige soll bereits seit mehr als zwei Jahren in München gelebt haben. Er sei der Polizei bislang nicht aufgefallen. Er schoss laut ersten Ermittlungen mit einer Pistole.

Das Olympia-Einkaufszentrum liegt mitten in einem Wohngebiet, zwei U-Bahn-Stationen vom Olympiastadion entfernt. Mit 135 Geschäften ist es eine der größten Shopping-Meilen in München. Parallelen des Münchner Falls mit dem Zug-Angriff von Würzburg, bei dem ein 17-Jähriger zahlreiche Menschen mit einer Axt teils schwer verletzt hatte, seien nicht zu erkennen, so die Polizei.

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