Eine FFP2-Maske liegt im Laub. | dpa

Umgang mit Omikron-Variante Politik sucht Strategie

Stand: 21.01.2022 17:25 Uhr

Die rasante Ausbreitung der Omikron-Variante droht immer mehr zur Belastungsprobe für die Infrastruktur zu werden. Wie soll man auf die Lage regieren? In der Politik gibt es unterschiedliche Ansätze.

Von Jonas Pospesch, ARD-Hauptstadtstudio

Eines ist klar: Die Gesundheitsämter sind durch die vielen Infektionen hoffnungslos überlastet. Die Kontakte aller Infizierten zu verfolgen, ist längst unmöglich. Berlins Gesundheitssenatorin Ulrike Gote hält das aber gar nicht für notwendig. Im rbb plädierte sie für einen anderen Ansatz.

Inzwischen gehe es darum, wirklich nur noch bei denjenigen die Verfolgung zu machen, die mit vulnerablen Gruppen arbeiteten, so die Grünen-Politikerin. "Also Personen, die mit Menschen über 60 Jahren arbeiten, mit Menschen in Pflegeheimen, in Krankenhäusern, Menschen mit Vorerkrankungen." Bei ihnen sei es wichtig, die Kontaktpersonen zu verfolgen. "Aber bei vielen anderen Gruppen ist es nicht."

Giffey plädiert für neue Teststrategie

Für Gotes Chefin, Berlins Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey, ist diese Änderung eine von drei Säulen für den Umgang mit der Omikron-Variante. Die anderen beiden sind die bereits geänderten Quarantäneregeln und eine neue Teststrategie, erklärte die SPD-Politikerin in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner".

Das bedeute: Priorisierung der PCR-Tests auf die vulnerablen Bereiche, auf die Krebsstationen oder auf die Alten- und Pflegeheime. "Und ansonsten braucht es verlässliche Antigen-Schnelltests, die dann auch als Genesenennachweis und beim Arbeitgeber anerkannt werden. "Dafür braucht es eine neue Testverordnung", so Giffey. Einen Entwurf für diese Verordnung will Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach am Wochenende vorlegen.

Söder liebäugelt mit Lockerung der Maßnahmen

In der gleichen Talk-Runde wie Giffey saß auch ihr bayerischer Kollege Markus Söder. Er könnte sich vorstellen, die Corona-Maßnahmen trotz hoher Zahlen wieder zu lockern. Denn wenn die Omikron-Variante tatsächlich eine höhere Ansteckung oder mildere Verläufe habe, müsse man sich die Frage stellen, ob es derzeitige Management "mit großen Eingriffen in die Freiheit der Menschen" gerechtfertigt sei. Dann müsse entscheiden werden, "ob es noch wirksam ist und ob wir nicht umgekehrt einen anderen Weg gehen sollen", sagte der CSU-Politiker.

Anders als Söder blickt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil auf die Lage. Er wolle die Maßnahmen weder lockern, noch verschärfen. Denn die Krankenhäuser seien trotz hoher Infektionszahlen noch nicht zu stark belastet, sagte der SPD-Politiker im ARD-Morgenmagazin:

"Wir haben es mit einem neuen Gegner zu tun, deshalb muss man ein Stück weit seine Strategie anpassen. Das heißt für mich: Wir dürfen die Pandemie nicht entgleiten lassen, deswegen brauchen wir weiter Vorsichtsmaßnahmen. Aber wir müssen jetzt auch bei Zahlen, die wir früher nicht gekannt haben, nicht in einen totalen Lockdown zurückkehren. Denn die Situation hat sich erfreulicherweise geändert.

Weil sorgt sich um das Impftempo

Mit großer Sorge blickt Weil dagegen auf das Impftempo. Das Virus werde nach Omikron nicht aus der Welt sein. Möglicherweise bekomme es Deutschland dann mit neuen Virusvarianten zu tun. "Wenn wir uns ernsthaft schützen wollen, dann brauchen wir wirklich eine ganz hohe Impfquote in der ganzen Gesellschaft. Und die werden wir mit dem Tempo, das wir jetzt haben, so nicht schaffen", sagte Weil. Man merke, dass im neuen Jahr die Impfdynamik deutlich nachgelassen habe. "Und das ist wirklich schlecht, da machen wir einen Fehler."

Welche Schritte in der Pandemie jetzt die richtigen sind, darüber werden Giffey, Weil und Söder mit ihren Kollegen und Bundeskanzler Olaf Scholz auf der Ministerpräsidentenkonferenz am Montag diskutieren. Wie kontrovers oder harmonisch das wird, ist laut Weil übrigens genauso unberechenbar wie die Corona-Pandemie selbst.

 

Über dieses Thema berichtete am 21. Januar 2022 die tagesschau um 17:00 Uhr und MDR Aktuell um 17:11 Uhr.