Motorradfahrer mit Honda SH 125 Roller  | Bildquelle: picture alliance / imageBROKER

Pläne des Verkehrsministers Ohne Prüfung aufs Motorrad?

Stand: 20.06.2019 14:48 Uhr

Motorradfahren ohne Führerscheinprüfung? Neuen Plänen des Verkehrsministeriums zufolge könnte das für Autofahrer bald möglich sein. Experten sehen vor allem Risiken, doch der Vorschlag ist nicht neu.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer will nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios die Führerscheinregeln ändern. Dann sollen Inhaber der Führerscheinklasse B auch Leichtkrafträder der Klasse A1 führen dürfen. Aus einem Änderungsentwurf der Fahrerlaubnisverordnung geht hervor, dass dafür lediglich fünf praktische Fahrstunden und eine 90-minütige Theorieeinheit nötig sein sollen. Danach würden Autofahrer die Kennzahl "195" in ihren Führerschein der Klasse B vermerkt bekommen.

Autofahrer könnten dann auch Leichkrafträder mit einer Motorleistung von bis zu 11 kW und einem Hubraum von 125 Kubikzentimetern fahren. Entsprechende Modelle haben maximal 15 PS, können aber dennoch über 100 Kilometer pro Stunde fahren. Bisher ist Inhabern der Klasse B nur das Fahren von Kleinkrafträdern bis 45 Kilometer pro Stunde erlaubt.

Voraussetzung soll sein, dass die Fahrer mindestens 25 Jahre alt und seit fünf Jahren im Besitz eines Führerscheins sind. Das Bundesverkehrsministerium schätzt, dass die Erweiterung der Fahrerlaubnis für Fahrer um die 500 Euro kosten wird.

Aus dem Entwurf geht auch hervor, dass in den 90 Minuten theoretischen Fahrunterrichts keine Inhalte wie "Schutz des Fahrers", "Besondere Gefahren" und "Fahrtechnik und Fahrphysik" mehr vermittelt werden sollen.

Als Begründung für die geplanten Änderungen heißt es in dem Entwurf, die EU gebe den Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, Autofahrer auch A1-Motorräder fahren zu lassen - das solle genutzt werden

Kritik an Plänen zur Neuregelung der Motorradfahrerlaubnis
nachtmagazin 00:15 Uhr, 21.06.2019, Kristine Harthauer, ARD Berlin

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Experten weisen auf Unfallrisiko hin

Unfallexperten übten Kritik an den Plänen des Verkehrsministers. Man sehe "keine hinreichenden Gründe, den Zugang zur zweitgefährlichsten Fahrzeugklasse auf deutschen Straßen zu lockern", heißt es vom Deutschen Verkerhssicherheitsrat (DVR).

Im Jahr 2017 starben laut Statistischem Bundesamt 66 Fahrer solcher Leichtkrafträder bei Unfällen. Insgesamt verunglückten 583 Motorradfahrer tödlich.

Der Gesamtverband Deutscher Versicherer hält die Maßnahmen des Entwurfs für nicht ausreichend und verweist auf die Risiken für Fahranfänger.

"Wichtiger ist aber noch, dass auch an erfahrene Autofahrer das sichere Führen eines einspurigen Fahrzeugs völlig andere Herausforderungen stellt, bezogen auf die Fahrphysik und das Erkennen von spezifischen Gefahren."

In Österreich bereits Gesetz

Doch die Änderungspläne des Ministeriums sind nicht neu. Österreichische Autofahrer können bereits ohne weitere Prüfung Leichtkrafträder fahren. Sechs praktische Fahrstunden sind dafür nötig.

Wer in Deutschland seine Fahrprüfung vor 1980 gemacht hat und noch einen Führerschein der "Klasse 3" besitzt, kann bereits nach einer erneuten praktischen Prüfung Motorräder mit bis zu 48 PS fahren.

Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten "mittelfristig" auf null zu senken. Der Verkehrssicherheitsrat schrieb dazu, dass dieses Ziel nur erreicht werden könne, wenn die Fahrer gut ausgebildet seien. Wenn jetzt aber für die besonders verletzliche Gruppe von Motorradfahrern kein eigener Führerschein mehr notwendig sei, werde genau das Gegenteil bewirkt.

Autofahrer sollen ohne Prüfung Motorrad fahren
Matthias Reiche, ARD Berlin
20.06.2019 14:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. Juni 2019 um 14:00 Uhr.

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