Gläubige beten in einer Ditib-Moschee in Stuttgart | Bildquelle: dpa

Moscheereport Ein Register für Moscheen?

Stand: 05.06.2019 16:40 Uhr

Über die Zahl der Moscheen in Deutschland existieren nur Schätzungen. Wer wo predigt, ist häufig unbekannt. Einige Politiker fordern daher ein Moscheeregister. Doch was würde das bringen?

Von Constantin Schreiber, tagesschau.de

Die Frankenstraße in Hamburg Hammerbrok liegt in einem Gewerbegebiet. In einem Eckhaus befindet sich ein Lebensmittelzulieferer. Gerade werden Kisten voller Obst und Gemüse auf einem Lkw verstaut. Neben dem Gebäudeeingang sitzt ein Mann auf dem Bordstein und raucht. "Die al-Irschad-Moschee? Kommen Sie, die ist hier", sagt er und öffnet zunächst eine Glastür, dann eine weitere Seitentür. Und tatsächlich, dahinter befinden sich mehrere mit Teppichen ausgelegte Räume, eine Gebetsnische. Dazwischen spielen Kinder und Männer vollziehen Rekats, die religiöse Verneigung.

Leicht zu finden ist sie nicht. Aber die al-Irschad Moschee verstecke sich nicht, betont der Imam. Auf der Website der Stadtverwaltung werde sie mitsamt Adresse aufgeführt. Auch werde sie immer wieder von Vertretern der Stadt Hamburg besucht.

Andererseits führt die Moschee keine eigene Website und auf dem Schild neben dem Eingang, auf dem aufgelistet ist, wer sich alles in dem Gebäude eingemietet hat, ist sie nicht aufgeführt. Die al-Irschad-Moschee würde wohl kaum jemand finden, der nicht sehr gezielt nach ihr sucht.

Moscheereport: Moscheeregister - Ja oder Nein?
tagesschau24, 05.06.2019

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Erst auf den zweiten Blick sichtbar

Ein Beispiel, das zeigt: Häufig sind Moscheen in Deutschland kaum auf Anhieb erkennbar. Nur wenige sind in eigenen, repräsentativen Gebäuden untergebracht, die sofort als Moscheen auszumachen sind. Und ebenfalls nur wenige betreiben Internetseiten, auf denen ihre Adresse angegeben ist.

Schätzungen zufolge sollen etwa 2500 Moscheen in Deutschland existieren, diese Zahl etwa nennt der Zentralrat der Muslime in Deutschland. Von denen seien nur etwa 900 auch auf Anhieb als Moscheen erkennbar. Denn anders als etwa christliche Kirchen müssen Moscheen nicht geweiht werden.

Der Islam als Religion ist zudem nicht kirchlich organisiert. Das heißt, es reicht, wenn ein umschlossener Raum von einem Muslim zur Moschee "ernannt" wird und es einen Vorbeter gibt. Der muss auch keine besondere Ausbildung haben, sondern kann einer der Gründer so einer einfachen Moschee sein.

Ein Moslem betet in der Kölner Zentralmoschee | Bildquelle: dpa
galerie

Die Kölner Zentralmoschee ist als Vorzeigebau untypisch für die meisten Moscheen in Deutschland - viele befinden sich in wenig repräsentativen Gebäuden.

CDU-Politiker erheben Forderungen

Um besser zu wissen, wo Moscheen sind und wer sie betreibt, fordern vor allem Politiker der Union ein Moscheeregister, also ein Verzeichnis, in dem sich muslimische Gebeträume in Deutschland registrieren müssen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, haben dafür Offenheit signalisiert.

Besonders deutlich äußert sich hierzu der Unionspolitiker Carsten Linnemann. Er verweist vor allem darauf, dass islamistische Gewalttäter wie etwa der Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, in der Vergangenheit Moscheen als Treffpunkte genutzt hätten. "Nehmen sie nur das Beispiel islamistische Gefährder. Wir sind jetzt bei mehr als 800 in Deutschland. Es reicht nicht aus, wenn Moscheen geschlossen werden, wenn die Tat passiert ist. Sondern es muss vorher gehandelt werden."

Moscheen würden damit auch nicht pauschal verdächtigt. "Im Gegenteil", so Linnemann, "durch die Transparenz schaffen wir es, die Bevölkerung dafür zu sensibilisieren, dass eben nicht alle Moscheen gefährlich sind."

Konflikt mit dem Grundgesetz?

Die Religionsfreiheit ist eines der Grundrechte in Deutschland und in Artikel 4 des Grundgesetzes festgeschrieben. Sie gewährleistet die freie Religionsausübung. Verfassungsrechtlich problematisch könnte es nun sein, wenn speziell für eine Religionsgemeinschaft besondere Vorschriften zur Glaubensausübung gelten. Dass nämlich Gebetsräume zunächst registriert werden müssen. Eine solche Vorschrift gibt es für andere Religionen nicht.

Darüber hinaus sei aber bereits die Diskussion darüber problematisch, sagen Kritiker, so etwa die Politikwissenschaftlerin Karen Schönwälder. Sie forscht am Max-Planck Institut Göttingen zu multireligiösen und multiethnischen Gesellschaften. "Das ist erst einmal eine ganz offensichtliche Diskriminierung einer religiösen Minderheit", sagt sie. "Wenn man Dialog, Transparenz, gegenseitige Offenheit will, wäre das ein fatales Signal. Weil das Signal hier nicht Offenheit ist, sondern Misstrauen und Kontrolle. Und das könnte ganz negative Konsequenzen haben. Es könnte zu Rückzug und einem erhöhten Gefühl der Diskriminierung unter Muslimen führen."

Constantin Schreiber zur Forderung eines Moscheeregisters
05.06.2019

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Muslimische Gemeinden reagieren kritisch

In der Tat stößt die Forderung nach einem Moscheeregister bei muslimischen Gemeinden auf Vorbehalte. Mohammed Nasiruddin hat vor etwa zwanzig Jahren gemeinsam mit weiteren Zuwanderern aus Südasien die bengalische Moschee in Hamburg gegründet. Sie befindet sich im Stadtteil St. Georg nahe dem Hauptbahnhof im Kellergeschoss eines Wohnhauses. Zunächst seien auch nur Migranten aus Bangladesch hierher gekommen, berichtet er. Inzwischen kämen Muslime aus vielen verschiedenen Ländern.

Im Eingangsbereich liegt eine Schneiderei, daneben führt eine einfache Wendeltreppe hinunter in den Gebetsraum. Im hinteren Teil können sich die Gläubigen waschen. In dem kleinen Frauenbereich steht ein Tisch. Frauen können den Imam während der Predigt nicht sehen. Der Raum ist mit Vorhängen verdeckt. Über ein Mikrofon können sie aber der Predigt zuhören

Zum Freitagsgebet ist der kleine Raum voll mit Gläubigen. Ein Teil der Predigt wird auf Deutsch, der übrige Teil auf Bengalisch gehalten. Nasiruddin hat von der Forderung nach einem Moscheeregister schon gehört. Überhaupt verfolge er die politische Diskussion über den Umgang mit Muslimen in Deutschland sehr genau. Er versteht die Forderung nach einem Moscheeregister als einen Schritt zur Kontrolle von muslimischen Gemeinden. "Wozu überwachen?", fragt Nasiruddin, "nur weil wir Muslime sind? Nein, das geht nicht. Wir sind doch ein Teil von Deutschland."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. Juni 2019 um 15:30 Uhr.

Korrespondent

Constantin Schreiber | Bildquelle: dpa Logo ARD-aktuell

Constantin Schreiber, ARD-aktuell

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