Migrantinnen und Migranten auf Lesbos rufen bei einem Protest Parolen und halten ein Schild mit der Aufschrift "EU, save us, please" (EU, rette uns bitte). | Bildquelle: dpa

Moria-Flüchtlinge UNHCR fordert rasche Hilfe der EU

Stand: 15.09.2020 08:24 Uhr

Das Flüchtlingshilfswerk der UN drängt die EU-Staaten, den Menschen in Moria schnell zu helfen. Das dortige Camp sei eine "Schande für Europa". Deutsche Städte erklärten, bei der Aufnahme von Flüchtlingen nicht zögern zu wollen.

Angesichts der Lage auf der griechischen Insel Lesbos sieht das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) die europäischen Länder in der Pflicht zu helfen. Die gegenwärtige Situation der Migranten dort sei "eine humanitäre Notlage, die ein schnelles und unverzügliches Handeln der europäischen Staaten gemeinsam mit Griechenland erfordern", sagte der Vertreter der UN-Organisation in Deutschland, Frank Remus, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

"Die Verhältnisse in Moria waren skandalös und das Camp selbst eine Schande für Europa, unvereinbar mit den europäischen Werten", sagte Remus. Es gebe aber engagierte Länder, allen voran Deutschland, die das Problem sähen und an Lösungen mitwirken wollten.

Städtetag für "mutige Entscheidung"

Auch der Deutsche Städtetag forderte die Bundesregierung zu einer "mutigen Entscheidung" auf. "Viele deutsche Städte stehen bereit, sofort Menschen aus Moria aufzunehmen. Es geht hier um eine akute Notlage. Deshalb dürfen wir nicht zögern", sagte der Präsident Burkhard Jung der Nachrichtenagentur dpa. Unabhängig von der Debatte um eine faire Verteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU, bräuchten die Menschen jetzt Hilfe.

Am Mittwoch war das Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos vollständig abgebrannt. 12.000 Menschen verloren ihre Unterkunft. Die Schweiz und neun EU-Staaten erklärten sich daraufhin bereit, 400 unbegleitete Minderjährige aufzunehmen. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Freitag mitgeteilt, dass Deutschland zwischen 100 und 150 Kinder und Jugendliche Obdach gewähren wird. Er sprach selbst von einem "ersten Schritt" und stellte eine weitere Aufnahme vor allem von Familien mit Kindern in Aussicht.

"Griechenland mit allen Mittel helfen"

Der Kandidat für den CDU-Vorsitz, Friedrich Merz, sieht die Suche nach einer europäischen Lösung für die Verteilung von Flüchtlingen mit Skepsis. Griechenland habe bisher nicht darum gebeten, Flüchtlinge aus Lesbos in der Europäischen Union aufzunehmen und auf einzelne Länder zu verteilen, sagte Merz der Nachrichtenagentur dpa.

Außer Luxemburg und Deutschland sei dazu ohnehin zum gegenwärtigen Zeitpunkt kein anderes Mitgliedsland der EU bereit. "Es macht daher weder Sinn, weiter nach einer europäischen Lösung zur Verteilung zu suchen, noch in einen Überbietungswettbewerb in Deutschland einzutreten, wie viele Migranten wir denn aufnehmen sollen", sagte der Politiker. Merz argumentierte, Deutschland solle Griechenland mit allen Mitteln helfen, die Flüchtlinge dort menschenwürdig unterzubringen.

Merkel für EU-Lager auf Lesbos

Ähnlich wie Merz sieht das auch Bundeskanzlerin Merkel. Am Montag stellte sie klar, dass Deutschland die europäische Aufgabe der Migrationspolitik nicht allein lösen könne. Zwar will das Bundeskabinett bis Mittwoch über die Aufnahme von weiteren Menschen aus Moria entscheiden, doch Merkel hält die Konzentration auf die reine Anzahl der Flüchtlinge für den "falsche Ansatz".

Dagegen zeigte sie sich offen für den Vorschlag, ein neues Lager unter EU-Führung auf Lesbos zu errichten. Sie hielte das für einen wirklichen wichtigen Schritt bei der Europäisierung der Migrationspolitik, sagte Merkel.

SPD setzte Union Ultimatum

SPD-Chefin Saskia Esken hatte am Sonntag gefordert, dass umgehend eine hohe vierstellige Zahl an Flüchtlingen nach Deutschland geholten werden solle.

SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz setzte der Union am Montag eine Ultimatum, dass sich die Regierungskoalition binnen 48 Stunden auf die Aufnahme weiterer Flüchtlinge aus Moria verständigen müsse. Der Eindruck der SPD sei, "dass das der gemeinsame Wille aller drei Regierungsparteien ist", sagte der Politiker. Deutschland müsse weit mehr tun, als etwa mit dem ersten Schritt verbunden sei.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau im ARD-Morgenmagazin am 15. September 2020 um 05:30 Uhr.

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