Ein Kleinbus auf einer Landstraße | Bildquelle: Matthias Koch, MDR

tagesthemen mittendrin Der letzte Bus nach Amerika

Stand: 31.07.2020 04:33 Uhr

In Amerika, einem Ortsteil von Penig in Sachsen, florierte früher die Wirtschaft. Heute gibt es dort keinen Laden mehr. Und Einkaufen in der Stadt geht künftig nur noch per Auto - denn heute fährt der letzte Bus.

Von Matthias Koch, MDR

Hiltraud Furkmann macht sich Sorgen. Denn sie weiß nicht, wie sie nächste Woche von Amerika in die Stadt kommen soll, um ihre Besorgungen zu machen. Denn die Buslinie 651 der Regiobus Mittelsachsen GmbH wird es dann - vorerst - nicht mehr geben.

tagesthemen mittendrin: Der letzte Bus nach Amerika
tagesthemen 21:46 Uhr, 31.07.2020, Matthias Koch, MDR

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Furkmann lebt seit über 70 Jahren in Amerika, heute ein Ortsteil von Penig, eine Kleinstadt in Sachsen. Bis zur Wende hat sie in der Wollspinnerei gearbeitet, dem weit und breit größten Arbeitgeber. Und die Fabrik war auch der Grund für den Namen Amerika, vor mehr als 150 Jahren.

Nach der Gründung der Fabrik 1836 mussten die Arbeiter aus den umliegenden Dörfern irgendwie über die Zwickauer Mulde kommen, denn die Spinnerei lag am anderen Ufer. Dorthin kam man nur mit einem Kahn, man musste also über das "große Wasser". Und das war für die damalige Zeit eine so große Reise wie nach Übersee - nach Amerika. Um 1900 wurden neben der Fabrik zwei große Häuser gebaut, in der die Familien der Fabrikarbeiter leben konnten, etwa 150 Menschen.

Ein Ortsschild | Bildquelle: Matthias Koch, MDR
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Früher zog eine Fabrik viele Arbeitskräfte an - heute gibt es im Ort nur noch zwei kleinere Firmen.

Einen Laden gibt es längst nicht mehr

Zu DDR-Zeiten florierte die Fabrik, es gab alles, was die Menschen brauchten: Kindergarten, Konsum, Arzt, Zahnarzt, Wäscherei, sogar ein großes Bad. Eine kleine Welt für sich. Doch 1991 wurde die Spinnerei abgewickelt.

Die Stadt kaufte das Gelände für über eine Million D-Mark, aber aus den hochfliegenden Plänen für die Neuansiedlung von Unternehmen, ein Versandhaus, ein Verlag, Gastronomie, wurde nichts. Heute gibt es noch zwei kleinere Firmen, mit weit weniger Arbeitsplätzen, als die etwa 500 in der einstigen Spinnerei. Einen Laden gibt es längst nicht mehr.

Der Bus nach Penig wird kaum genutzt

Nachdem 2002 auch die Eisenbahnstrecke eingestellt worden war, übernahmen Busse die Verbindung in die etwa drei Kilometer entfernte Stadt Penig. Dienstags und Donnerstags konnten die Amerikaner dort das Nötigste erledigen.

2018 richteten die Stadt und der Landkreis sogar tägliche Verbindungen ein. Seitdem fährt der Bus vier Mal werktäglich eine große Schleife von Penig nach Amerika, Arnsdorf und zurück in die Stadt. Doch die Verbindung wird wenig genutzt, manchmal sitzt niemand im Bus, manchmal fahren nur ein oder zwei Leute mit. 2019 wurden, so eine Zählung der Stadt, nur 1941 Fahrgäste transportiert. Das macht im Schnitt 2,1 pro Fahrt.

Die Bushaltestelle "Amerika" | Bildquelle: Matthias Koch, MDR
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Den Bus nach Penig nutzten nur wenige Amerikaner.

Stadtrat lässt Busverkehr einstellen

Da die Stadt für diese Linie und die benachbarte Linie 653 rund 25.000 Euro an das Busunternehmen zahlen musste - und der Landkreis Mittelsachsen eine Summe in etwa doppelter Höhe - beschloss der Peniger Stadtrat, den Betrieb auf beiden Linien am 31.7. einzustellen.

Ein solches Missverhältnis zwischen Nutzen und Kosten sei nicht vertretbar, sagt Bürgermeister Thomas Eulenberger (CDU). Nur in der Stadtratsfraktion der Linken hatte es Widerstand gegeben.

Die letzte Fahrt steht bevor

Man hätte vor Einrichtung der Linien eine Bedarfsanalyse machen und in Penig einige Stadteile besser anbinden müssen, so Ringo Gründel, Fraktionschef der Linkspartei im Stadtrat. Doch das lehnte der Bürgermeister ab, eine andere Linienführung hätte die Fahrzeit verlängert. Und das Busunternehmen mahnte, dass dann die Vertaktung in dem ansonsten dichten Liniennetz in diesem Gebiet nördlich von Chemnitz schwierig würde.

So wird am Freitag, um 15.26 Uhr, mit der Fahrtnummer "7" zum vorerst letzten Mal ein Kleinbus am Peniger Markt abfahren und nach nur elf Minuten Fahrt den Ortsteil Amerika erreichen. Aber es gibt Pläne, den früheren Dienstags- und Donnerstagsverkehr in kleinem Rahmen irgendwann wieder aufzunehmen - sodass vielleicht bald wieder ein Bus Amerika erreicht.

Ein Kleinbus auf einer Landstraße | Bildquelle: Matthias Koch, MDR
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Vielleicht wird es irgendwann - in kleinerem Rahmen - wieder eine Busverbindung geben.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 31. Juli 2020 um 21:45 Uhr.

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