Der unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig | dpa

Missbrauchsbeauftragter der Regierung Rörig legt Amt vorzeitig nieder

Stand: 04.12.2020 10:50 Uhr

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Rörig, scheidet im kommenden Jahr vorzeitig aus dem Amt. Der 61-Jährige hatte den Posten 2011 übernommen und wäre regulär noch bis 2024 in der Funktion tätig gewesen.

Der unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, will überraschend sein Amt vorzeitig niederlegen. "Nach mehr als neun Jahren werde ich mich zum Ende dieser Legislaturperiode aus dem Amt des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs zurückziehen, auch um mich neuen Herausforderungen stellen zu können", teilte Rörig in Berlin mit.

Amt von Christine Bergmann übernommen

Bis zu seinem Ausscheiden werde er sich weiterhin "mit voller Kraft und ganzem Herzen für einen konsequenteren Kampf gegen sexuellen Missbrauch und seine Folgen einsetzen", sagte er. Der aus Kassel stammenden Jurist Rörig hatte das Amt 2011 von seiner Vorgängerin Christine Bergmann übernommen. Sie war die erste Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung. Die Stelle wurde unter Rörigs Führung aufgewertet.

Im vergangenen Jahr wurde er für eine neue fünfjährige Amtszeit berufen. Rörig wäre regulär also bis 2024 im Amt. Der 61-Jährige erklärte, es freue ihn, "dass trotz geringer Ressourcen und ohne gesetzlichen Auftrag zukunftsfähige Strukturen der Betroffenenbeteiligung und unabhängigen Aufarbeitung auf Bundesebene etabliert werden konnten".

Rörig hofft, dass Amt fortgeführt wird

Er forderte, das Amt weiter zu stärken und auf gesetzlicher Grundlage dauerhaft fortzuführen. Rörig hat den Angaben zufolge Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesfamilienministerin Franziska Giffey, zu deren Ressort seine Stelle gehört, über seine Entscheidung informiert und gebeten, seine Nachfolge rechtzeitig zu bestimmen.

Rörig hatte am Donnerstag im Familienausschuss des nordrhein-westfälischen Landtags in Düsseldorf gesagt, es gebe bislang "keinen erkennbaren Rückgang der Fallzahlen" bei sexueller Gewalt. Vor allem im Internet sei ein "enormer Anstieg" zu beklagen. Er befürworte Landesmissbrauchsbeauftragte in allen Bundesländern, wie es die Grünen im Düsseldorfer Landtag für Nordrhein-Westfalen fordern. "Wir brauchen abgestimmte Maßnahmen in jedem Bundesland", so Rörig.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. Dezember 2020 um 11:30 Uhr.