Ein Priester hält einen Rosenkranz und eine bischöfliche Erklärung zu den Missbrauchsfällen durch Jesuiten-Pater in der Hand. | dpa

Missbrauch in Katholischer Kirche "Unverständnis, Verärgerung, Empörung"

Stand: 24.11.2021 11:36 Uhr

Betroffene von sexueller Gewalt in der Katholischen Kirche hatten eine Reform des bisherigen "Anerkennungssystems" gefordert. Die Bischofskonferenz will aber daran festhalten - der Betroffenenbeirat zeigt sich empört.

Der Betroffenenbeirat der katholischen Deutschen Bischofskonferenz hat die Bischöfe für ihr Festhalten am bisherigen Entschädigungssystem bei sexualisierter Gewalt kritisiert. "Statt eine spürbare Nachbesserung auf den Weg zu bringen, bleibt es bei einem problembehafteten und intransparenten System“, heißt es in einer Stellungnahme.

Das Nein der Bischöfe zu höheren Entschädigungsleistungen für Missbrauchsopfer sei "eine Verhöhnung", erklärte das mit Missbrauchsopfern besetzte Gremium. Der Betroffenenbeirat erklärte, die Entscheidung der Bischöfe werde mit "großem Unverständnis, Verärgerung und Empörung" zur Kenntnis genommen.

Neben der Höhe der Anerkennungsleistungen seien die Intransparenz des Verfahrens und die Benachteiligung von Menschen mit kognitiven und seelischen Einschränkungen weitere zentrale Kritikpunkte gewesen. In keinem dieser Kritikpunkte stelle der Beschluss eine Verbesserung dar.

System soll grundsätzlich bestehen bleiben

Der Ständige Rat der Bischofskonferenz, in dem die 27 deutschen Diözesanbischöfe vertreten sind, hatte auf seiner Tagung Anfang der Woche beschlossen, an dem System zur Anerkennung erlittenen Leids festzuhalten. Die von Betroffenen geforderte deutlich höhere finanzielle Leistungen für Missbrauchsopfer von maximal 50.000 Euro lehnte der Rat kategorisch ab.

Das Verfahren soll aber optimiert werden. So soll es in Zukunft eine einmalige Widerspruchsmöglichkeit für Betroffene geben, um sich etwa über die Höhe der Anerkennungsleistung zu beschweren. Um den Antragsstau zu beheben, wurde die für die Anerkennungen zuständige Unabhängige Kommission personell erweitert, die dazugehörige Geschäftsstelle erhält mehr Mitarbeiter.

Der Betroffenenbeirat kritisierte: "In Anbetracht von niedrigen Leistungen, von zahlreichen Retraumatisierungen, unter anderem durch Antragstellung und Bescheide ausgelöst, klingt das erneute Festhalten am bestehenden Anerkennungssystem wie blanker Hohn und Zynismus."

Unklar, ob Gespräche weitergehen

Die Bitte der Bischofskonferenz um eine Fortsetzung der Gespräche werde als "empörende und inhaltsleere Nebelkerze" empfunden. So habe die Bischofskonferenz eine Teilnahme des Betroffenenbeirats an den Beratungen des Ständigen Rats der Bischofskonferenz, in der die Erhöhung der Entschädigungen abgelehnt wurde, explizit abgelehnt.

Ob die Gespräche seitens der Betroffenen mit den Bischöfen fortgesetzt würden, bleibe den weiteren Beratungen im Betroffenenbeirat vorbehalten.