Bundespolizisten stehen an einem Polizeifahrzeug vor Geflüchteten in Guben, Brandenburg. | dpa

Migration über Belarus-Route Mehr als 4200 illegale Einreisen im Oktober

Stand: 25.10.2021 19:20 Uhr

Auf der Route über Belarus und Polen gelangen immer mehr Migranten illegal nach Deutschland. Laut Bundespolizei waren es allein im Oktober schon mehr als 4200. Sie sollen nun schnell innerhalb Deutschlands verteilt werden.

Die Zahl der über Polen aus Belarus ankommenden Migranten in Deutschland hat stark zugenommen. Wie die Bundespolizei mitteilte, wurden allein vom 1. bis zum 24. Oktober 4246 unerlaubte Einreisen über die neue Route festgestellt. Seit Jahresbeginn wurden demnach bereits 6657 unerlaubte Grenzübertritte mit Belarus-Bezug registriert. Die Menschen stammen meist aus Krisengebieten wie Syrien und dem Irak.

Eine Entspannung der Lage zeichne sich nicht ab. Die Flüchtlinge sollen innerhalb Deutschlands nun schneller verteilt werden, um die Grenzregion zu entlasten. Dieses Vorhaben soll voraussichtlich in der ersten Novemberwoche starten. Ein Sprecher der Bundespolizeidirektion Berlin sagte, dies sei derzeit in Vorbereitung. Geplant sei außerdem, für die Erstregistrierung durch die Bundespolizei beheizte Räume vorzuhalten.

Polen erhöht Zahl der Soldaten an der Grenze

Polen will seine Grenze zum Nachbarland Belarus künftig besser schützen. Der polnische Verteidigungsminister Mariusz Blaszczak kündigte via Twitter an, dort weitere 2500 Soldaten einzusetzen. Insgesamt wären dann 10.000 Soldatinnen und Soldaten in polnisch-belarusischen Grenzgebiet im Einsatz.

Bereits jetzt hat Polen einen Stacheldrahtverhau entlang der Grenze zu Belarus errichtet. Der Bau einer dauerhaften Befestigung ist geplant. Nach Angaben des polnischen Grenzschutzes gab es zuletzt erneut zwei Versuche eines gewaltsamen Grenzdurchbruchs. In beiden Fällen hätten aggressive Gruppen von 60 bis 70 Migranten die polnischen Grenzer mit Ästen und Steinen beworfen, twitterte die Behörde. Beide Versuche seien gescheitert.

Derweil sei das Lager einer weiteren Migrantengruppe, die über Wochen in einem Wald campierte, mittlerweile verlassen, gab der Grenzschutz bekannt. Das Schicksal dieser Migrantengruppe hatte die polnische Öffentlichkeit stark bewegt. Die Angaben des Grenzschutzes lassen sich nicht unabhängig überprüfen, da Polen in der Grenzregion den Ausnahmezustand verhängt hat. Journalisten und Helfer dürfen nicht hinein.

"Staatlicher Menschenhandel"

Der belarusische Machthaber Alexander Lukaschenko hatte im Frühjahr als Reaktion auf westliche Sanktionen erklärt, er werde Migranten auf dem Weg in die Europäische Union nicht mehr aufhalten. Seitdem nimmt die Zahl irregulärer Grenzübertritte an den EU-Außengrenzen zu Belarus sowie an der deutsch-polnischen Grenze zu.

Die EU wirft Lukaschenko vor, die Menschen organisiert einzuschleusen. Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere deutsche Politiker sprachen von "staatlichem Menschenhandel".

Über dieses Thema berichtete der Bericht aus Berlin am 24. Oktober 2021 um 18:05 Uhr.