Ein Wohnhaus am Juri-Gagarin-Ring im Erfurter Stadtzentrum. | dpa

Wohnungsmarkt in Deutschland Jeder vierte Mieterhaushalt armutsgefährdet

Stand: 30.10.2021 15:57 Uhr

Ein Viertel aller Haushalte, die in Deutschland zur Miete wohnen, gilt laut Bundesregierung als armutsgefährdet. Die Linkspartei dringt angesichts der Zahlen auf höhere Löhne und einen bundesweiten Mietendeckel.

Jedem vierten deutschen Mieterhaushalt droht die Armut: 2019 galten 25,3 Prozent aller Mieterhaushalte in Deutschland als armutsgefährdet. Dies geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, die dem Evangelischen Pressedienst und der "Rheinischen Post" vorliegen.

Die so genannte Armutsrisikoquote unter Mietern ist demnach etwa doppelt so hoch wie bei Eigentümern. Allerdings stieg demnach auch die Quote der von Armut bedrohten Immobilienbesitzer in den vergangenen Jahren deutlich. 2019 lag sie unter Immobilienbesitzern bei 12,5 Prozent.

Als armutsgefährdet werden in Europa Menschen eingestuft, die über weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens der Gesamtbevölkerung verfügen. Das Mittlere Einkommen oder Medianeinkommen in einer Gesellschaft oder Gruppe bezeichnet die Einkommenshöhe, von der aus die Anzahl der Haushalte mit niedrigeren Einkommen gleich groß ist wie die der Haushalte mit höheren Einkommen. In Deutschland lag es 2020 bei 3427 Euro.

Corona-Krise verschärft Armutsrisiko

Die Armutsrisikoquote unter Mietern ist in den vergangenen Jahren gestiegen. 2017 lag sie noch bei 24,6 Prozent. Durch die Corona-Krise seit Anfang 2020 dürfte sich die Armutsgefährdung sowohl bei Mietern als auch Eigentümern noch verschärft haben.

Die Bundesregierung beruft sich in ihrer Antwort auf die letzten verfügbaren Daten. In nahezu allen EU-Mitgliedsstaaten seien Mieter eher armutsgefährdet als Eigentümer, heißt es in der Antwort.

"Die Mieten steigen unaufhörlich"

Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linkspartei im Bundestag, Susanne Ferschl, forderte angesichts der Zahlen einen bundesweiten Mietendeckel. "Während die Löhne stagnieren oder pandemiebedingt sogar gesunken sind, steigen die Mieten unaufhörlich", sagte sie. Ein immer größerer Teil des Einkommens müsse für die Miete gezahlt werden. "Die Menschen brauchen bezahlbaren Wohnraum und Löhne, von denen sie leben können."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 30. Oktober 2021 um 13:00 Uhr.