Jörg Meuthen (re.)  und Christian Otte | dpa

Ex-AfD-Chef Meuthen tritt in Zentrumspartei ein

Stand: 10.06.2022 14:45 Uhr

Im Januar hatte sein Austritt aus der AfD Aufsehen erregt. Nun hat sich der Europaabgeordnete und frühere AfD-Chef Meuthen der Deutschen Zentrumspartei angeschlossen. Damit hat die Kleinpartei erstmals einen Vertreter im EU-Parlament.

Der Ende Januar aus der AfD ausgetretene langjährige Parteichef Jörg Meuthen hat sich der Deutschen Zentrumspartei angeschlossen. Die Partei stehe für das, was in der deutschen Politik derzeit schmerzlich fehle: Für Aufklärung, ein klares Wertefundament und eine unideologische bürgerliche Vernunft, sagte der 60-Jährige in Berlin.

Er versicherte: "Für radikales oder extremistisches Gedankengut gab es in der Zentrumspartei noch nie einen Platz. Und das wird auch bis in alle Zukunft so bleiben." Meuthen betonte: "Das Zentrum wird definitiv nicht zu einem Sammelbecken ehemaliger AfD-Mitglieder werden. Eine AfD 2.0 wird es mit mir nicht geben."

Offen gegen Rechtsaußen-Kräfte gestellt

Meuthen hatte die AfD Ende Januar verlassen und das mit einem aus seiner Sicht zu radikalen Kurs vieler AfD-Spitzenfunktionäre begründet. Die AfD stehe nicht mehr "auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung". Er war mehr als sechs Jahre lang Co-Vorsitzender. In dieser Zeit hatte er zunächst die Nähe der Rechtsaußen-Kräfte in der Partei gesucht, bevor er sich offen gegen sie stellte.

Heute ist er fraktionsloser Europaabgeordneter. Er habe sich gegen die Gründung einer neuen Partei entschieden, weil er die Erfolgsaussichten eines solchen Projektes für wenig erfolgversprechend halte, sagte Meuthen.

Wichtige Rolle in Weimarer Republik

Die 1870 gegründete Zentrumspartei hatte im Kaiserreich und in der Weimarer Republik als Vertreterin des politischen Katholizismus eine wichtige Rolle gespielt. In der Weimarer Republik stellte sie mehrfach den Reichskanzler.

Seit Januar ist sie erstmals seit 1957 wieder mit einem Abgeordneten im Bundestag vertreten: Der Parlamentarier Uwe Witt wechselte nach seinem AfD-Austritt zur Deutschen Zentrumspartei.

Bundesgeschäftsführer Hans-Joachim Woitzik gab die aktuelle Mitgliederzahl der Partei mit gut 500 an. Anfang des Jahres habe sie noch bei 300 gelegen, sagte er. Durch den Beitritt Meuthens "dürfte sich die dynamische Entwicklung weiter fortsetzen", so Woitzik.

Radikale Abtreibungskampagnen

Aufgefallen war die Zentrumspartei vor einigen Jahren mit radikalen Abtreibungskampagnen. Meuthen sagte dem ZDF, die Partei habe die Abtreibungskritik hinter sich gelassen. Er persönlich sehe keinen Änderungsbedarf beim Abtreibungsrecht.

Zentrums-Vorsitzender Christian Otte sagte, seine Partei habe eine konservative, aber durchaus liberal geprägte Ausrichtung. Die Orientierung an der politischen Mitte könne auch zur Versöhnung einer vielfach gespaltenen Bevölkerung beitragen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 10. Juni 2022 um 14:00 Uhr.