Meteoritenfund in Blaubeuren: Mit einer Säge wird eine Probe herausgeschnitten | Gabriele Heinlein / DLR
Reportage

Meteoritenfund in Blaubeuren Sensation aus dem All - neben der Garage

Stand: 17.07.2020 09:31 Uhr

Der Stein im Garten lag im Weg und sollte auf den Müll. Zum Glück entschied sich der Gartenbesitzer aus Blaubeuren dann doch anders. Denn der Stein ist aus dem All und eine echte Sensation.

Von Tim Diekmann, SWR

Über Jahrzehnte stand der Stein im Weg. Erst störte er beim Ausheben eines Kabelschachtes, dann wanderte der 30 Kilogramm schwere Brocken im Garten der Besitzer umher - stand mal neben der Garage, dann wieder auf dem Fußweg.

Tim Diekmann

"Der Stein war für uns immer ein Hindernis", erzählt der 69-jährige Gartenbesitzer Hansjörg Bayer. 2015 sollte er gemeinsam mit Gartenabfällen entsorgt werden. "Wir haben ihn schon auf dem Hänger verladen", berichtet er und zeigt mit dem Finger auf die Hofeinfahrt. Im letzten Moment aber lud Bayer den Stein wieder ab und brachte ihn in den Keller.

Meteoritenfund in Blaubeuren | SWR

Ist stolz auf seinen Fund: Hansjörg Bayer steht dort, wo der Meteorit lange unentdeckt lag - in seinem Garten. Bild: SWR

Schwerer schwäbischer Sensationsfund

Der Gartenbesitzer kann es noch nicht fassen, dass der Stein, der jahrzehntelang im Weg rumstand, ein echter Sensationsfund ist. Experten sind sich sicher, dass es sich um einen Steinmeteoriten handelt. Der schwerste dieser Art, der jemals in Deutschland gefunden wurde.

Viele Funde hierzulande wiegen nur ein paar hundert Gramm, international gibt es aber durchaus schwerere Brocken. "Da habe ich schon schlucken müssen", sagt der Finder. Komisch kam ihm der Stein aber schon 1989 vor, als er ihn beim Ausheben eines Kabelschachtes mit einem Pickel an die Oberfläche beförderte.

Weil der braune Stein ungewöhnlich schwer war, setzte sich Bayer Anfang des Jahres mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Verbindung und schickte schließlich ein 20 Gramm schweres Stück zur Analyse nach Augsburg.

Meteoritenfund in Blaubeuren | Gabriele Heinlein / DLR

Diese vom Stein abgeschlagenen Stücke schickte der Finder an das DLR. Bild: Gabriele Heinlein / DLR

Analyse beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Dort nahm der Meteoritenexperte und Astrophysiker Dieter Heinlein den Stein unter die Lupe. "Am Anfang habe ich gedacht, dass es sich um verrostetes Eisenerz handelt", erzählt Heinlein, der in seiner Karriere schon Zehntausende Meteoriten in den Händen hielt. Schließlich fehlte die für Meteoriten charakteristische dunkle Schmelzkruste.

Nachdem er den Stein mit einer Diamantblattsäge durchgeschnitten hatte, gab es aber keine Zweifel mehr: "Ich habe an der Struktur erkannt, dass es sich um einen Meteoriten handeln muss." Weitere Untersuchungen im schweizerischen Bern und sächsischen Rossendorf belegen: Der Meteorit ist tatsächlich in Blaubeuren vom Himmel gekommen, möglicherweise schon vor Hunderten Jahren.  

Milliarden Jahre altes Gestein

Wer durch das nur wenige tausendstel Millimeter dünne Präparat des Meteoriten schaut, muss unweigerlich an ein Kaleidoskop aus der Kindheit denken: Rot, gelb und blau leuchten die mal runden, mal länglichen Einschlüsse des Meteoriten.

Strukturen, die auch den Fachmann Heinlein vom DLR begeistern: "Die Einschlüsse sind rund 4,5 Milliarden Jahre alt und bei der Entstehung des Sonnensystems entstanden."

Milliarden Jahre umkreiste der Meteorit das Sonnensystem, um irgendwann auf die Erde zu fallen. Ein seltenes Spektakel. Nur etwa einmal im Jahr fällt in Deutschland ein Meteorit auf den Boden. Die meisten verglühen in der Atmosphäre.

Meteoritenfund in Blaubeuren | SWR

An der Gartenmauer hängt ein Foto des Steins nebst einigen Informationen. Geht es nach dem Finder, kommt "Blaubeuren" ins Museum. Bild: SWR

Wunsch nach Ausstellung im Museum

In seinem Garten im schwäbischen Blaubeuren hat Bayer den historischen Ausgrabungsort markiert. Auf einem laminierten Blatt stehen die genauen Koordinaten und der offizielle Name des Meteoriten: Blaubeuren.

Heute wird der unschätzbar wertvolle Meteorit im Planetarium Laupheim der Öffentlichkeit vorgestellt. Sein Finder wünscht sich, dass "Blaubeuren" künftig dauerhaft in einem Museum ausgestellt wird. Und dass die Stadt, die für ihre Blautopf-Quelle bekannt ist, künftig auch als Meteoritenstadt gilt.   

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juli 2020 um 14:00 Uhr.