Kanzlerin Merkel besucht den Gedenkort für die NSU-Opfer in Zwickau | Bildquelle: AP

Kanzlerin in Zwickau Merkel gedenkt der NSU-Opfer

Stand: 04.11.2019 17:48 Uhr

Kanzlerin Merkel hat in Zwickau eine neue Gedenkstätte für die NSU-Opfer besucht. Rechte Demonstranten störten den Moment mit "Merkel muss weg"-Parolen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat in Zwickau der zehn Mordopfer des "Nationalsozialistischen Untergrunds" (NSU) gedacht. Gemeinsam mit Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) legte sie weiße Rosen vor die Bäume, die an dem neuen Gedenkort an die von der rechtsterroristischen Gruppe ermordeten Menschen erinnern sollen.

Merkel: Angehörige nicht immer als Opfer darstellen

Bei dem Besuch am achten Jahrestag der Selbstenttarnung des NSU betonte Merkel, dass die Bundesregierung "alles tun werde, damit sich solche Dinge nicht wiederholen". Die Kanzlerin war in der Vergangenheit wiederholt für ihren Umgang mit den Angehörigen der NSU-Opfer kritisiert worden.

An dem Gedenkort im Zwickauer Schwanenteichpark erklärte Merkel, die Angehörigen der Ermordeten dürften "nicht immer als Opferfamilien dargestellt" werden, damit sie "wieder ein gutes Leben in Deutschland führen können, so wie wir das alle wollen". Dafür müsse zunächst einmal der Staat sorgen, sagte die Kanzlerin.

Demonstranten stören mit rechten Parolen  

Überschattet wurde Merkels Besuch vom lautstarken Protest mehrerer Dutzend Demonstranten. Vertreter von rechten und rechtsradikalen Organisationen riefen hinter einer abgeriegelten Kreuzung - teilweise per Megafon - Parolen wie "Merkel muss weg" und "Hau ab" in den Park hinüber.

Kretschmer erklärte dazu, man sei zusammengekommen, um Menschen die Ehre zu erweisen, die unschuldig und auf heimtückische Weise umgebracht worden seien. Dass es Menschen gebe, die dagegen demonstrieren, zeige, "welchen Zeitgeist und welche Haltung diese Leute haben", sagte der Ministerpräsident.

"Wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie aus Gedanken Worte und aus Worten Taten geworden sind", sagte Kretschmer weiter. Jeder Einzelne müsse in seinem privaten Umfeld widersprechen, wenn antisemitische und rechtsextremistische Thesen vertreten würden.

Gedenkbaum für NSU-Opfer abgesägt

Eine Eiche zum Gedenken an das erste NSU-Opfer, den Blumenhändler Enver Simsek, war Anfang Oktober nur wenige Wochen nach ihrer Pflanzung abgesägt worden. Auch eine im Anschluss provisorisch aufgestellte Gedenkbank wurde von Unbekannten zerstört. Die neuen Gedenkbäume sollen nachts beleuchtet werden, um sie vor erneuten Übergriffen zu schützen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 04. November 2019 um 18:00 Uhr.

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