Merkel in Goslar mit Jugendlichen | Bildquelle: dpa

Umgang mit Rezo-Video "Zu abwehrend" - Merkel kritisiert CDU

Stand: 19.06.2019 21:26 Uhr

Kanzlerin Merkel hat sich erstmals ausführlich zum Rezo-Video geäußert. Besonders gut kam ihre Partei dabei nicht weg. In einem Gespräch mit Schülern in Goslar wurde sie ungewohnt deutlich.

200 Jugendliche waren zur Diskussion mit Angela Merkel in den großen Saal der Kaiserpfalz in Goslar gekommen. Für die Kanzlerin eher ein kleines Publikum. Doch davon ließ sich Merkel nicht abhalten. Denn was die Schüler zu hören bekamen, waren ungewöhnlich deutliche Worte.

Merkel und die Jugend - da war doch was. Man denke an das Video des YouTubers Rezo, der die CDU und damit Merkel vor der Europawahl heftig angegangen war. Besonders jüngere Wähler dürfte er mit seinem fast einstündigen Video über die "Zerstörung der CDU" erreicht haben. Man sei etwas geschockt gewesen, als das Video aufgetaucht sei, gab Merkel zu. Mit Blick auf die Reaktion ihrer Partei beklagte sie, dass man sich "nicht einfach mal drauf eingelassen hat und gesagt hat: Damit gehe ich jetzt mal locker um."

Merkel in Goslar mit Jugendlichen | Bildquelle: JENS SCHLUETER/EPA-EFE/REX
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Umringt von Jugendlichen - die Kanzlerin bei einer Diskussion in Goslar.

"Nicht gleich abwehren"

Ohne den Namen Annegret Kramp-Karrenbauer genannt zu haben, dürfte den Zuschauern klar gewesen sein, wen Merkel da kritisierte. Derart deutliche Worte an die Adresse ihrer Nachfolgerin als Parteichefin sind selten von Merkel zu hören. Das Wichtigste sei, "dass man erstmal offen darauf reagiert und nicht gleich abwehrt und sagt, ist alles nichts". Die CDU habe zu abwehrend reagiert, das müsse die Partei lernen.

Auch sie habe sich das Video angeschaut, sagte Merkel. Darin gebe es Dinge, über die man reden müsse. Auf die Frage eines Zuhörers, in welchem Punkt Rezo denn Recht habe, antwortete Merkel: "Na, beim Klimaschutz, dass wir unsere Verpflichtungen nicht eingehalten haben."

"Uns fehlt im Augenblick etwas"

Gleichzeitig warb Merkel für ein selbstbewusstes Auftreten der CDU. Sie selbst sei ja auch "nicht gleich eingeschüchtert, wenn mir einer sagt, das war aber jetzt alles nix". Sie habe Gegenargumente, "und da muss man sich austauschen", forderte die Kanzlerin. Die vom Konrad-Adenauer-Haus veröffentlichte elfseitige Antwort auf das Video nannte Merkel nicht gerade unterhaltsam.

Als eine Schülerin die Kanzlerin auf die schlechten Ergebnisse bei der Europawahl ansprach, wurde Merkel deutlich: "Ich glaube, dass im Augenblick uns etwas fehlt, und daran müssen wir arbeiten: Dass wir nicht positiv genug in die Zukunft schauen." Die Grünen würden das derzeit vormachen. "Das muss die CDU auch wieder machen: Sie muss die Themen aufnehmen der Menschen. Sie darf nicht irgendwie den Eindruck erwecken, als würden wir uns mit den Themen nicht auseinandersetzen."

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde das Youtube-Video von Rezo fälschlicherweise mit "Die Vernichtung der CDU" benannt. Dies wurde von uns korrigiert.

Merkel: CDU hätte offener auf Rezos Kritik reagieren müssen
Alex Krämer, ARD Berlin
20.06.2019 06:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 19. Juni 2019 um 19:30 Uhr.

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