Angela Merkel (M) mit Luisa Neubauer (L) und Greta Thunberg (R) im Kanzleramt in Berlin | Bildquelle: via REUTERS

Thunberg trifft Merkel "Die Klimakrise als Krise behandeln"

Stand: 20.08.2020 16:52 Uhr

Klimaaktivistin Thunberg hat nach Führung in der Klimakrise verlangt. Deutschland müsse sich der Verantwortung stellen, sagte sie nach einem Treffen mit Kanzlerin Merkel. Entscheider sollten "sich aus ihrer Komfortzone bewegen".

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg hat nach ihrem Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel mehr Mut und Weitsicht von Politikern und Führungsfiguren eingefordert. Deutschland, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehat, müsse sich seiner Verantwortung stellen und "die Klimakrise als Krise behandeln", sagte die schwedische Klimaaktivistin nach einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin.

"Sie hat eine riesige Verantwortung, aber auch eine riesige Chance, so eine Anführerin zu werden", sagte die 17-Jährige über die Kanzlerin. Politische Entscheider sollten "sich aus ihrer Komfortzone bewegen" und couragiert genug sein, langfristig und an künftige Generationen zu denken. Thunberg sagte, es müsse jetzt darum gehen, "die Priorität auf die Zukunft zu setzen".

"EU muss Emissionsziele verschärfen"

An dem rund 90-minütigen Gespräch im Kanzleramt nahmen auch die deutsche "Fridays for Future"-Vertreterin Luisa Neubauer sowie die Belgierinnen Anuna de Wever und Adélaïde Charlier teil. Thunberg sprach von einer "sehr freundlichen" Begegnung mit Merkel.  

Hintergrund des Treffens war ein Ende Juli veröffentlichter offener Brief der "Fridays for Future"-Bewegung an die internationalen Staats- und Regierungschefs. Unter dem Titel "Face the Climate Emergency" forderten die Aktivistinnen den "unverzüglichen Stopp der Gewinnung und Subventionierung fossiler Brennstoffe". Alle Staaten müssten ab sofort jährliche und verbindliche CO2-Budgets erstellen, die sich auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel stützten. Die EU müsse ihre Emissionsziele verschärfen. Rund 125.000 Menschen sollen den Aufruf unterschrieben haben.

Merkel sichert Bemühungen zu

"Wir waren dankbar für die Gelegenheit und für die Zeit, das war sicherlich eine ziemlich lange Unterhaltung", sagte Neubauer nach dem Treffen. Sie räumte ein, dass deutlich geworden sei, dass die Klimaaktivisten und die Kanzlerin "von unterschiedlichen Perspektiven" auf die anstehende Herausforderung blicken. "Wir haben deutlich gemacht, dass wir nicht mehr und nicht weniger verlangen als dass das Pariser Klimaabkommen in Politik übersetzt wird", stellte die Aktivistin klar.

Merkel habe darauf hingewiesen, dass ihr als Physikerin die von der Wissenschaft vorgetragenen Anforderungen bewusst seien, sie als Politikerin aber "die Komplexität der Lage berücksichtigen" müsse. Die Kanzlerin habe aber zugesichert, dass sie gewillt sei, den Klimaschutz im Rahmen der deutschen EU-Präsidentschaft weiter voranzubringen, sagte Neubauer. 

Das Kanzleramt teilte mit, zentrales Thema des Treffens seien die klimapolitischen Schwerpunkte der laufenden EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands gewesen. Dazu gehöre die angestrebte EU-Klimaneutralität bis 2050 sowie die Konkretisierung eines verschärften Zwischenziels für die Treibhausgas-Emissionen bis 2030. Merkel sagte bei der Begrüßung der Aktivistinnen, sie freue sich, dass diese gekommen seien.

Thunberg bei Merkel - Rebellion trifft auf Realitätspolitik
Angela Ulrich, ARD Berlin
20.08.2020 20:09 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. August 2020 um 17:00 Uhr.

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