Bundeskanzlerin Angela Merkel sitzt im Kanzleramt und redet bei der digitalen Dialogreihe online mit Studentinnen und Studenten | Bildquelle: dpa

Merkel spricht mit Studierenden "Ein Angriff auf unsere Lebensweise"

Stand: 15.12.2020 15:34 Uhr

Zukunftsängste und finanzielle Sorgen: Studierende haben Kanzlerin Merkel in einer Videokonferenz von ihren Problemen in der Corona-Krise berichtet. Ein weiteres Thema der Runde waren Verschwörungsideologien.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu einem konsequenten Kampf gegen Verschwörungsideologien in Deutschland aufgerufen. "Das ist ja im Grunde ein Angriff auf unsere ganze Lebensweise", sagte Merkel bei einem Online-Gespräch mit Studierenden in Berlin. "Seit der Aufklärung ist Europa den Weg gegangen, sich auf der Basis von Fakten sozusagen ein Weltbild zu verschaffen. Und wenn ein Weltbild plötzlich losgelöst oder antifaktisch ist, dann ist das natürlich mit unserer ganzen Art zu leben sehr schwer vereinbar."

Merkel kritisiert "Diskussionsverweigerung"

Merkel sagte, der Umgang mit dem Phänomen werde "vielleicht auch eine Aufgabe für Psychologen sein." Forschung zur Frage sei nötig: "Wie verabschiedet man sich eigentlich aus der Welt der Fakten und gerät in eine Welt, die sozusagen eine andere Sprache spricht und die wir mit unserer faktenbasierten Sprache gar nicht erreichen können?" Es gebe bei Anhängern solcher Denkmuster "eine richtige Diskussionsverweigerung".

Dennoch sei Deutschland ein tolerantes Land. Auch diese Menschen seien seine Bürgerinnen und Bürger. Doch sie wieder in die Welt des gegenseitigen Zuhörens zu führen, werde sehr schwer. Dazu gehöre auch mehr Verständnis für die Rolle sozialer Medien. Hier gebe es Räume, in denen Betroffene nur bestätigt würden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sitzt im Kanzleramt und redet bei der digitalen Dialogreihe online mit Studentinnen und Studenten | Bildquelle: dpa
galerie

In einer Videokonferenz schilderten die Studierenden der Kanzlerin ihre Anliegen.

Studierende betroffen von Corona-Krise

Ein weiteres wichtiges Thema bei dem Gespräch waren die Sorgen der Studierenden in der Corona-Krise. Als eines der besonders drängenden Probleme nannten viele von ihnen wegen der Pandemie eingeschränkte oder ausgefallene Praxiserfahrungen. Labore, Kunstwerkstätten und Kultureinrichtungen blieben wegen der Pandemie geschlossen; viele Unternehmen stellten derzeit keine Praktikanten ein. Dies werde vor allem für diejenigen zum Problem, bei denen eine praktische Arbeit oder ein Praktikum Voraussetzung für den erfolgreichen Abschluss des Studiums sei.

Hohe finanzielle Belastung

Weiterhin kritisierten Teilnehmer der Konferenz, für viele komme es zu einer Verlängerung der Studienzeiten, was auch eine zusätzliche finanzielle Belastung mit sich bringe. Nebenjobs seien in der Krise weggefallen, Anträge auf Überbrückungshilfen seien aus nicht nachvollziehbaren Gründen abgelehnt worden.

Merkel versprach, sich um die Sorgen zu kümmern - unter anderem im Gespräch mit Bundesbildungsministerin Anja Karliczek. Die Hochschulrektorenkonferenz hatte die Studierenden für die Reihe "Die Bundeskanzlerin im Gespräch" ausgewählt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. Dezember 2020 um 12:38 Uhr.

Darstellung: