PK Kanzlerin Merkel | REUTERS

Merkel zu Corona-Impfungen "Wir sehen Licht am Ende des Tunnels"

Stand: 05.12.2020 17:12 Uhr

Noch ist unklar, wann in Deutschland die ersten Corona-Impfungen kommen. Doch Kanzlerin Merkel und Gesundheitsminister Spahn machen Hoffnung: Massenimpfungen werde es wohl bis zum Sommer geben.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft auf einen Sieg über das Coronavirus durch die bald erwarteten Impfungen. Eine Sache von wenigen Monaten sei das allerdings nicht, sagte sie in ihrem Video-Podcast. "Nach mehr als einem Dreivierteljahr der Pandemie sehen wir mittlerweile ja Licht am Ende des Tunnels", sagte die Kanzlerin. Es bestehe die Hoffnung, dass schon sehr bald ein oder mehrere Impfstoffe zur Verfügung stünden. "Dann können wir Schritt für Schritt das Virus besiegen."

Wegen Verzögerungen beim Aufbau der Lieferkette beim Impfstoff des deutschen Unternehmens Biontech und des US-Pharmakonzerns Pfizer gibt es in den ersten Wochen weniger Impfdosen als gedacht. Wenn die Zulassung erfolge, sei aber mit ersten Impfungen in Deutschland mit dem Jahreswechsel zu rechnen, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Spahn fürchtet Verteilungskonflikte

Zum Start fürchtet er Verteilungskonflikte. Nach aktuellem Stand werde es im Januar in Deutschland für eine zweistellige Millionenzahl an Impfwilligen nur drei Millionen Impfdosen geben. Deshalb werde es eine "sehr harte Priorisierung" geben, sagte Spahn bei einer Online-Diskussion in Berlin. Er rechne mit emotionalen Diskussionen. "Es wird ja nicht umsonst an Konzepten gearbeitet, bis hin zu polizeilichem Schutz der Impfzentren."

Möglicherweise werde es Situationen geben, in denen Leute sagten: "Ich will jetzt aber", aber noch nicht an der Reihe seien. Dann rechne er aber mit einer Entspannung. "Wir reden hier nicht über Jahre, sondern wir reden hier über Monate, in denen wir eine absolute Priorisierung brauchen." Er sei zuversichtlich, dass die Pandemie im Herbst oder Winter 2021 unter Kontrolle sein werde, weil dann ausreichend Impfstoffe zur Verfügung stünden.

Impfungen bald auch in Arztpraxen

Spahn geht davon aus, dass spätestens im Sommer auch in Arztpraxen "flächendeckend" geimpft werden kann, sagte er dem Nachrichtenportal t-online. Insgesamt gebe es bei den Impfstoff-Entwicklungen fünf Kandidaten, die mit einer "gewissen Wahrscheinlichkeit" bis zur Jahresmitte zugelassen würden.

Dazu zählte Spahn neben den Entwicklungen von Biontech/Pfizer und Moderna auch die Produkte von Curevac, Astra Zeneca sowie Johnson & Johnson. Millionen Bundesbürger könnten schon im Frühjahr durch Impfungen immun sein. Bis Ende März seien "für Deutschland 11 Millionen Dosen allein von Biontech realistisch".

Patientenschützer warnen vor trügerischer Hoffnung

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte vor trügerischen Hoffnungen auf einen Sieg über das Virus durch die Impfungen. "Es ist wichtig, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen", sagte Vorstand Eugen Brysch. "Damit gelingt es besser, mit dem Virus zu leben." Chancen und Ziele der Impfungen seien klar: Deutlich weniger schwere Krankheitsverläufe und weniger Menschen, die an und mit dem Virus sterben.

"Vereinfachungen werden uns nicht bei der öffentlichen Diskussion in der Impfkampagne weiterbringen", sagte Brysch. Die Bundesregierung solle sich davor hüten. "Denn schon die Botschaft 'Wer geimpft ist, kann nicht an Covid-19 erkranken und ist immun' stimmt nicht", sagte Brysch.

Die Koalition hatte per Gesetz festgelegt, dass die Bundesregierung durch Verordnung die Regeln für die Corona-Impfung aufstellen kann. Risikogruppen, also Ältere und Kranke, Beschäftigte im Gesundheitsdienst und in zentralen Bereichen der Daseinsvorsorge werden bereits diesem Gesetz dabei herausgehoben genannt. Eine feinere Bestimmung dieser Priorisierung hatten der Deutschen Ethikrat, die Nationale Wissenschaftsakademie Leopoldina und die Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut (RKI) für die Zeit bis zum Jahresende angekündigt.

Zweifel an Impfen per Verordnung

Laut einer Ausarbeitung der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages ist das Impfen gegen das Coronavirus per Verordnung nicht der richtige Weg. In dem Dokument, das der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, heißt es: "Der überwiegend vertretenen Auffassung, wonach die Priorisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen beim Zugang zu Impfstoffen eines förmlichen Gesetzes bedarf, das zumindest die wesentlichen Kriterien für die Verteilung eines knappen Impfstoffes regelt, ist zuzustimmen."

Schließlich habe das Bundesverfassungsgericht festgehalten, dass insbesondere die Grundrechtsrelevanz einer Maßnahme dafür entscheidend sei, ob diese durch ein formelles Gesetz zu regeln sei. Die Möglichkeit, Impfschutz gegen den Auslöser der Krankheit Covid-19 erlangen zu können, sei für die gesamte Bevölkerung von enormer Relevanz, da alle gleichermaßen von der Ansteckungsgefahr und den daraus folgenden Einschränkungen im Alltag betroffen sind, heißt es in der Ausarbeitung, die der FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae angefordert hatte.

Über dieses Thema berichtete am 05. Dezember NDR Info 2020 um 16:50 Uhr und Deutschlandfunk um 16:50 Uhr.

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