Angela Merkel und Markus Söder auf einem Schiff bei Prien am Chiemsee in Bayern. | AFP

Söder empfängt Merkel Rendezvous am Chiemsee

Stand: 14.07.2020 04:31 Uhr

Da treffen sich zwei, die sich verstehen: Bundeskanzlerin Merkel ist heute in Bayern zu Gast bei Landeschef Söder. Da winkt Harmonie in Bild und Ton - was vor gar nicht allzu langer Zeit kaum denkbar schien.

Von Kristin Schwietzer, ARD-Hauptstadtstudio

22 Grad Celsius, Sonnenschein, ein paar Wölkchen, ansonsten Windstille. Die Wetteraussichten für die Kutschfahrt am Chiemsee sind bestens. Das Protokoll verspricht zudem einen schönen Tag: Mit dem Schiff geht es von Prien am Chiemsee rauf auf die Insel Herrenchiemsee und von dort aus mit der Kutsche zum Neuen Schloss - Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder gemeinsam.

Kristin Marie Schwietzer ARD-Hauptstadtstudio

Dort trifft die Kanzlerin die Mitglieder des bayerischen Kabinetts. Noch ein Gruppenbild auf der Treppe. Es folgt die Sitzung in der Spiegelgalerie. Medienvertreter sind wie immer herzlich eingeladen. Dieses Mal gibt es, so viel sei vorweggenommen, besonders schöne Bilder. So pompös wurde die Kanzlerin in Bayern zuletzt selten empfangen.

Heute vor zwei Jahren - heillos zerstritten

Im Wahlkampf 2018 wollte Söder Merkel gar nicht an seiner Seite haben. Merkel durfte nur einmal in die bayerische Provinz reisen, nach Ottobeuren ins Unterallgäu, auf Einladung des Ehrenvorsitzenden Theo Waigel. Da lagen die Unionsschwestern im Clinch, einmal mehr wegen der Flüchtlingspolitik. Seehofer und Merkel waren zu dieser Zeit heillos zerstritten über den Kurs in der Asylpolitik.

Jeder erinnert sich an die Bilder im Kanzleramt. Die Kanzlerin und ihr Innenminister mit versteinerten Mienen. Söder witzelte zudem im Wahlkampf: Er brauche keine Kanzlerin, zu ihm käme schließlich ein Kanzler, der österreichische Sebastian Kurz.

Bundeskanzlerin Merkel und Bundesinnenminister Seehofer sitzen nebeneinander. | AFP

2018 herrschte eisige Stimmung zwischen Kanzlerin Merkel und Innenminister Seehofer. Bild: AFP

Die Schwestern standen kurz vor der Entzweiung

Auch im Bundestag war die Union fast entzweit. Die CSU hatte der CDU mit offenem Bruch gedroht. Das hallt manchmal heute noch nach. Wenn es wieder einmal Unstimmigkeiten gibt, etwa bei der Wahlrechtsreform, dann hört man aus der Fraktion Sätze wie diese: "Man sollte das nicht überbewerten. Nicht zu vergleichen mit 2018. Kein Bruch zwischen den Schwestern."

Was ist also passiert, dass der Kanzlerin in Bayern wieder der rote Teppich ausgerollt wird? Man versteht sich, heißt es aus der Union. Man - heißt Söder und Merkel. Offenbar verstehen sich beide wirklich.

Die Krise belohnt die Macher

Corona wirft zudem ein neues Licht auf die Zweisamkeit der Unionsschwestern. Die Umfragewerte sind wieder oben. Die Krise belohnt die Macher. Immerhin ist Erfolg der beste Kitt für eine politische Beziehung. Merkel glänzt in der Corona-Krise. Ihre Beliebtheitswerte sind top. Söder zollt ihr Respekt, lobt sie öffentlich einmal mehr.

Und die Kanzlerin? Lässt sie hier schon ihren Nachfolger gewähren? Die Machtübergabe in den eigenen Reihen ist gescheitert. Die Konkurrenz, die sich vor Corona warmgelaufen hat, kommt ohne Schwung aus der Krise. Alle Aspiranten auf den CDU-Vorsitz und die Kanzlerschaft dümpeln im Umfragedelta. Nur einer nicht - Markus Söder.

Blasse Konkurrenz bei der K-Frage

Der bayerische Ministerpräsident punktet mit seinem rigorosen Kurs beim Wähler. Klarer Kompass. Das kommt gut an. Söder kommt zudem immer mehr aus der Deckung, auch weil andere Fehler machen. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen wirkt schwer angeschlagen. Vor der Krise sah Armin Laschet schon wie der klare Sieger aus. Das war vor den Problemen in der Fleischindustrie. Das war vor den Problemen mit Tönnies.

Doch im Laschet-Lager will man sich noch nicht geschlagen geben. Dass die große Schwester der kleinen, angesichts bester Umfragewerte den Vortritt bei der K-Frage lässt, will man hier nicht glauben. Ein paar medienwirksame Impulse könnten vielleicht helfen, die Konkurrenz wiederzubeleben. Manch einer etwa fragt sich, warum die Kanzlerin nicht nach Nordrhein-Westfalen fährt. Eine Kutschfahrt zum Aachener Dom wäre doch auch nicht schlecht. Immerhin wurden hier Kaiser gekrönt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Juli 2020 um 08:15 Uhr.