Ein Herz als Organspende | Bildquelle: dpa

Regelung der Organspende Auch Merkel für Widerspruchslösung

Stand: 06.09.2018 16:49 Uhr

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für die Widerspruchslösung bei der Organspende ausgesprochen. Sie unterstützt damit den Vorstoß von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Bundeskanzlerin Angela Merkel unterstützt den Vorschlag einer Widerspruchslösung bei der Organspende. "Ich persönlich habe große Sympathie für die Widerspruchslösung, also die doppelte Widerspruchslösung, weil ich dann doch aktiv einmal im Leben darüber nachdenken muss, ob ich das möchte oder nicht", sagte sie im RTL-Sommerinterview. Dies schränke niemanden in seiner Freiheit ein, man könne aber für andere Menschen etwas sehr Wichtiges tun.

Mit ihrer Position stellte sich die Bundeskanzlerin hinter einen entsprechenden Vorschlag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Merkel sagte zudem, das Thema solle ohne Fraktionszwang im Bundestag beraten werden.

Derzeit Organspende nur mit ausdrücklicher Zustimmung

Die von Merkel befürwortete doppelte Widerspruchslösung sieht vor, dass einem hirntoten Menschen Organe entnommen werden können, wenn er oder seine Hinterbliebenen sich nicht ausdrücklich dagegen ausgesprochen haben. Bislang ist die Organspende nur bei ausdrücklicher Einwilligung möglich.

Gesundheitsminister Spahn hatte die Widerspruchslösung angeregt, weil die Zahl der Organspender in Deutschland deutlich niedriger ist als die Zahl der von schwerkranken Patienten benötigten Organe. Bei einer entsprechenden Neuregelung könnten etwa Unfallopfern im Todesfall Organe zur Rettung anderer Menschen entnommen werden, wenn es keinen ausdrücklichen Widerspruch gibt.

Spahn will die Zahl der Organspenden zusätzlich durch ein weiteres neues Gesetz erhöhen, das eine bessere Vergütung der entsprechenden medizinischen Leistungen vorsieht.

Zahl der Organspender erreicht Tiefpunkt

In Deutschland warten laut Gesundheitsministerium mehr als 10.000 Menschen auf Spenderorgane. Die Zahl der Spender erreichte 2017 mit 797 Personen einen Tiefpunkt. Organspendeausweise, in denen man Ja oder Nein ankreuzen kann, besitzen laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung inzwischen 36 Prozent der Bevölkerung.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz bekräftigte ihr Nein zur Widerspruchslösung. Diese bringe nichts, solange es kein Vertrauen in das Transplantationssystem gebe, erklärte Stiiftungsvorstand Eugen Brysch. Letzteres sei nur durch klare und einheitliche Regeln zu erreichen. "Dafür ist der Staat verantwortlich. Er muss das Transplantationssystem endlich in seine Hände nehmen."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 03. September 2018 um 05:57 Uhr sowie um 13:13 Uhr und am 04. September 2018 um 10:46 Uhr. Am 06. September 2018 berichtete Inforadio um 16:23 Uhr und 16:43 Uhr.

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