Angela Merkels Hände | Bildquelle: dpa

Kandidaten für CDU-Vorsitz Wer folgt auf Merkel?

Stand: 29.10.2018 18:05 Uhr

Angela Merkel will nicht mehr für das Amt der CDU-Parteivorsitzenden kandidieren. Nach 18 Jahren geht in der Partei eine Ära zu Ende. Mögliche Nachfolger gibt es einige.

Von Tanja Oppelt, ARD-Hauptstadtstudio

Die Nachricht über Merkels Rückzug war erst einige Minuten alt, da machte ein Name die Runde, den zuvor niemand zum engen Kreis der Merkel-Nachfolger gezählt hatte:

Friedrich Merz

Nach Informationen des ARD-Hauptstadtstudios erwägt Merz ernsthaft, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Er war vor gut neun Jahren, im Sommer 2009, in eine selbst gewählte "Polit-Pause" gegangen. Jetzt will er sie offenbar beenden. Mit dem wirtschaftsliberalen und konservativen Merz an der Parteispitze würde die CDU wieder näher an die FDP heranrücken.

FDP-Chef Christian Lindner bezeichnet Merz als einen "Freund" und "eine starke Persönlichkeit mit viel wirtschaftlichem Sachverstand". Merz setzt sich unter anderem für den Fortbestand der Kernenergie ein und ist - nicht nur da - weit von Merkels Positionen entfernt. Die Unterstützung der Noch-Parteivorsitzenden dürfte eine andere haben…

Annegret Kramp-Karrenbauer

"AKK" war im Februar auf Bitten Merkels CDU-Generalsekretärin geworden und hatte dafür ihr Ministerpräsidentenamt im Saarland aufgegeben. Eine ungewöhnliche Entscheidung, die zeigt, wie sehr Kramp-Karrenbauer dazu bereit ist, zusammen mit Merkel für die CDU zu kämpfen.

Kramp-Karrenbauer gehört zum linken Sozialflügel der CDU und setzte sich früh für die Einführung eines Mindestlohnes ein. Andererseits lehnt sie zum Beispiel die Ehe für alle ab und befindet sich damit auf Merkel-Kurs.

Möglicherweise wird aber ein inhaltliches "Weiter so" der CDU nicht helfen - denn die Union verliert sowohl an die AfD als auch an die Grünen Wähler. Mindestens in eine Richtung muss die CDU diesen Aderlass stoppen. Ein weiterer Kandidat für den Parteivorsitz richtet den Blick daher nach rechts…

Jens Spahn

Der Bundesgesundheitsminister ist Merkels schärfster parteiinterner Kritiker. Er setzt sich unter anderem für ein Burka-Verbot ein. In der Flüchtlingspolitik steht er eher an der Seite der CSU. Spahn ist mit 38 Jahren deutlich jünger als die anderen Kandidaten und stünde für einen echten Generationenwechsel. Er ist ehrgeizig und karriereorientiert.

"Wenn man wie ich nicht nur reden will, sondern verändern, dann braucht es das Vermögen, was zu verändern. Und das wird gemeinhin mit Macht umschrieben", sagt Spahn ganz offen.  Als Parteivorsitzender würde Spahn versuchen, am rechtskonservativen Rand, Wähler zurück zur CDU zu bringen.

Die Christdemokraten könnten aber auch versuchen, das liberal-bürgerliche Lager zu stärken. Das wäre möglich mit…

Armin Laschet

Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident hat klar vor Augen, wo die CDU seiner Ansicht nach hin muss. Nach der Bayernwahl vor zwei Wochen sagte Laschet: "Man kann keine Wahlen mit einem Rechtsruck oder pointierter Polemik gewinnen. Wir müssen für uns darauf achten, dass wir eine Partei der Mitte bleiben, dass wir christlich-liberale Wähler und pro-europäische Wähler ansprechen. Dass wir auch in den Städten stärkste Partei sein wollen."

Laschet konkurriert so vor allem mit den Grünen um Wählerstimmen. Auch die Grünen setzen auf eine pro-europäische, anti-populistische Politik.

Ob er als Kandidat um den Parteivorsitz antritt, hat Laschet vorerst offen gelassen. Es besteht kein Grund zur Eile. Noch auf dem Parteitag selbst können Delegierte ein Parteimitglied oder sich selbst als Kandidat nominieren.

Nach Merkel-Rückzug: Kandidaten für CDU-Parteivorsitz
T. Oppelt, ARD Berlin
29.10.2018 17:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Oktober 2018 um 20:00 Uhr.

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