Der französische Präsident Macron und Bundeskanzlerin Merkel bei ihrer gemeinsamen Pressekonferenz. | REUTERS

Merkel und Macron Die Charmeoffensive

Stand: 30.06.2020 03:44 Uhr

Deutschland und Frankreich stehen auch in der Corona-Krise eng zusammen - das ist ein Signal, das Merkel und Macron bei ihrem Treffen in Meseberg gesendet haben. Um Abstand ging es aber auch.

Von Angela Ulrich, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Meseberg

Emmanuel Macron kommt etwas verspätet in Meseberg an - im schmucken Schloss in der brandenburgischen Idylle. Angela Merkel steht schon bereit für ihren ersten Gast von Angesicht zu Angesicht seit der Corona-Pandemie - doch beide halten Distanz, und deswegen ist auch nichts mit Wangenküsschen oder Händeschütteln.

Angela Ulrich ARD-Hauptstadtstudio

Die Kanzlerin und Frankreichs Präsident verneigen sich leicht und freundschaftlich voreinander, dann stehen sie mit weitem Abstand gemeinsam auf der Freitreppe des Gästehauses der Bundesregierung. Im Garten nehmen sie schließlich unter hellen Sonnenschirmen Platz - die Bilder sollen es ausdrücken: Da sind zwei zusammen, die gut miteinander können. Gerade zum Start der deutschen EU-Ratspräsidentschaft ist das der Kanzlerin wichtig:

Wenn Deutschland und Frankreich einig sind, ist nicht Europa sich einig. Aber wenn Deutschland und Frankreich sich uneinig sind, dann ist es mit der Einigkeit Europas nicht besonders gut bestellt.

Positive Impulse

Einen positiven Impuls wolle man gemeinsam geben, sagt Merkel - Macron nickt dazu. Und - legt sogar noch einen drauf:

Wir sind an einem Moment der Wahrheit für Europa angekommen. Mit den deutsch-französischen Plänen für einen Corona Wiederaufbaufonds kann daraus ein Moment des Erfolgs werden.

Der Corona-Hilfsfonds. Der gemeinsame Plan von Merkel und Macron. 500 Milliarden Euro, um die Wirtschaften der EU-Länder aus der Pandemie-Krise herauszubekommen. Um Europa zusammenzuhalten. Die EU-Kommission hat daraus sogar einen 750 Milliarden-Topf gemacht, um den gestritten wird: Zuschüsse, Kredite - sogenannte sparsame Länder wie Österreich oder Dänemark wollen da nicht mitmachen. Frankreichs Präsident drückt hingegen aufs Tempo und will den Fonds schon beim nächsten EU- Gipfel Mitte Juli beschließen lassen.

Macron: Solidarität ist Eigeninteresse

Für Emmanuel Macron wäre weiter Widerstand eine Art Eigentor der Sparfüchse:

Denn diese Länder profitieren ganz klar vom Binnenmarkt. Also kann es nicht in ihrem Interesse liegen, andere Länder leiden zu sehen - das ist genauso Solidarität wie Eigeninteresse.

Macron wirbt bei Merkel auch um einen Klima-Plan, dem die Kanzlerin bisher eher Skepsis entgegenbrachte: Es geht um eine CO2-Grenzsteuer, die Frankreichs Präsident vorantreibt - sie würde Importe aus Drittländern mit niedrigeren Umweltstandards besteuern. Merkel unterstützt Macron, dringt aber darauf, dass diese CO-Zwei-Steuer WTO-Richtlinien entsprechen müsse:

Das ist nicht ganz trivial. Aber wenn wir sehr ambitionierte Klimaschutzziele haben, dann müssen wir uns denen gegenüber auch schützen, die Produkte durch viel mehr CO2-Ausstoß produzieren und zu uns importieren.

Auf Abstand - ohne Maske

Macron - dem in Frankreich bei einer Kommunalwahl die Grünen gerade massive Verluste zugefügt haben - nennt Klimaschutz in Meseberg gar eine "moralische Pflicht". Ach, und dann noch diese Frage einer Journalistin: Warum trägt Macron eigentlich eine Maske, Merkel aber bei offiziellen Treffen wie diesen nie? Die Kanzlerin lächelt:

Wenn ich die Abstandsregeln einhalte, brauche ich die Maske nicht aufzusetzen. Und wenn ich sie nicht einhalte und zum Beispiel einkaufen gehe, dann treffen Sie mich nicht, offensichtlich - sonst hätten Sie mich auch schon mit Maske sehen können.

Wäre das also auch geklärt. Und der Brandenburger Rehrücken mit Schoko-Bisquitrolle zum Dessert schon angerichtet. Eine Charme-Offensive und Demonstration gegenseitigen Verstehens zwischen Berlin und Paris kurz vor Beginn der deutschen EU-Ratspräsidentschaft. Jetzt müssen den großen Worten nur noch Taten folgen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. Juni 2020 um 20:00 Uhr.