Angela Merkel | EPA

Merkel zur Corona-Pandemie "Lasse mich impfen, wenn ich an der Reihe bin"

Stand: 24.02.2021 19:30 Uhr

Kanzlerin Merkel will sich erst impfen lassen, wenn sie an der Reihe ist. Es gebe Bevölkerungsgruppen, die eine Impfung dringender benötigten. Sie strebt an, dass pro Woche etwa zehn Millionen Menschen in Deutschland geimpft werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht davon aus, dass sich die Impfkampagne in Deutschland beschleunigen wird. "Wir sprechen im Augenblick darüber, wie es logistisch gelingt, in einer Woche 7,5 bis 9,5 Millionen Dosen zu verimpfen", sagte sie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ). Die Impfzentren schafften das nicht allein, dazu würden noch die niedergelassenen Ärzte gebraucht, sagte Merkel. In Deutschland seien bereits mehr als fünf Millionen Impfungen durchgeführt worden, fast zwei Millionen Menschen hätten bereits den vollen Schutz durch die zweite Dosis.

Dafür, dass derzeit eine erhebliche Zahl vorhandener Impfstoffe noch nicht verimpft worden sei, gebe es zwei Gründe, erklärte die Kanzlerin: "Vom BioNTech-Impfstoff werden viele Dosen für die zweite Impfung zurückgelegt. Außerdem gibt es derzeit bei dem AstraZeneca-Impfstoff ein Akzeptanzproblem." Eine Wahlmöglichkeit gebe es aktuell nicht. "Solange die Impfstoffe so knapp sind wie zurzeit, kann man sich nicht aussuchen, womit man geimpft werden will", betonte Merkel.

Sie selbst will sich erst dann impfen lassen, wenn sie nach der von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen Priorisierung an der Reihe ist. "Ich halte es für richtig, neben den besonders vulnerablen und den älteren Menschen erst einmal Bevölkerungsgruppen zum Impfen einzuladen, die in ihrem Beruf keinen Abstand halten können."

Die Bundeskanzlerin machte deutlich, dass ihr selbst das Abstandhalten im Gegensatz zu anderen Berufsgruppen möglich sei. "Eine Erzieherin in der Kita, ein Grundschullehrer kann das nicht", sagte sie. "Das sind die Menschen, die vor jemandem wie mir drankommen sollten."

Keine Lockerungen nur für Geimpfte

Eine unterschiedliche Behandlung von Menschen mit Corona-Impfung gegenüber Nichtgeimpften lehnt Merkel weiterhin ab. Allerdings könne in dieser Frage eine Neubewertung nötig werden, wenn die Impfkampagne weiter vorangeschritten ist. "Wenn wir genügend Menschen ein Impfangebot gemacht haben werden und sich einige partout nicht impfen lassen wollen, wird man überlegen müssen, ob es in bestimmten Bereichen Öffnungen und Zugänge nur für Geimpfte geben soll", sagte Merkel. "Aber da sind wir noch nicht." Zudem müsse erst eindeutig geklärt sein, dass Geimpfte nicht mehr ansteckend seien.

"Impfbereitschaft nimmt noch zu"

Bei der Impfbereitschaft der Deutschen zeigte sich Merkel zuversichtlich. "Sie ist gar nicht schlecht - und nimmt noch zu. Jedenfalls kein Grund, pessimistisch zu sein." Sie bekräftigte, dass sie gegen eine Impfpflicht sei: "Davon rate ich ab. Wir haben zugesagt, dass es keine Impfpflicht geben wird. Ich halte das bei der insgesamt hohen Impfbereitschaft auch nicht für notwendig."

Die Impfreihenfolge könne hingegen noch einmal angepasst werden. Merkel sagte, je mehr Impfstoff vorhanden sei, desto flexibler werde mit den Priorisierungen umgegangen werden müssen. Die Reihenfolge sei nicht in Stein gemeißelt, sagte auch Regierungssprecher Steffen Seibert. Dass Kita-Beschäftigte und Lehrkräfte an Grundschulen nun in der Priorität nach oben gerückt seien, zeige, dass es da, wo es notwendig sei, eine Flexibilität gebe.

Schnelltest-Strategie für Öffnungen

Die Kanzlerin kündigte zudem für den kommenden Monat die Einführung eines Systems umfassender Schnelltests an, das weitere Öffnungsschritte aus dem Corona-Lockdown ermöglichen soll. "Eine intelligente Öffnungsstrategie ist mit umfassenden Schnelltests, gleichsam als Freitesten, untrennbar verbunden", sagte sie der FAZ. Dieses System zum Freitesten solle bereits im März funktionsfähig sein. Damit dies gelinge, müssten noch offene Fragen geklärt und das ganze Vorgehen am 3. März mit den Ministerpräsidenten beraten werden, sagte die Kanzlerin. "Wie lange es dann dauert, bis ein solches System installiert ist, kann ich auf den Tag genau noch nicht sagen. Es wird aber im März sein."

Grundsätzlich könne ein Schnelltest zeigen, "dass jemand an genau dem Tag nicht infiziert ist, oder umgekehrt dass jemand, obwohl noch symptomlos, bereits infiziert und auch ansteckend ist". Alle Menschen mit Symptomen sollten ohnehin mit einem PCR-Test getestet werden.

Über dieses Thema berichtete das nachtmagazin am 24. Februar 2021 um 00:05 Uhr.