Bundeskanzlerin Angela Merkel | REUTERS

Steigende Infektionszahlen Merkel wegen Corona in "großer Sorge"

Stand: 30.10.2021 12:28 Uhr

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen hat Kanzlerin Merkel erneut zur Vorsicht gemahnt. Dass Millionen der über 60-Jährigen noch nicht geimpft seien, stimme sie "sehr traurig". Auch zum Fall Kimmich äußerte sie sich.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich besorgt über die aktuelle Lage in der Corona-Pandemie geäußert. Die Entwicklung der Hospitalisierungswerte und der Todeszahlen bereite ihr "große Sorgen", sagte die frühere CDU-Chefin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". "Sie sollte uns allen Sorgen bereiten", ergänzte Merkel.

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen warnte die scheidende Bundeskanzlerin zudem vor Leichtfertigkeit im Umgang mit der Pandemie. Dennoch stehe sie weiter dazu, dass es hierzulande keine Impfpflicht gibt. "Aber dass zum Beispiel noch zwei, drei Millionen Deutsche über 60 ungeimpft sind, stimmt mich sehr traurig, weil das einen Unterschied machen könnte für sie persönlich wie für die ganze Gesellschaft."

Merkel verteidigt Beschränkungen der Freiheitsrechte

Zum Fall des ungeimpften Bayern-Profifußballers Joshua Kimmich sagte Merkel, auch dieser habe das Recht, sich nicht impfen zu lassen. Zu Kimmichs Begründung, der unter anderem auf fehlende Langzeitstudien zu den Impfstoffen verwiesen hatte, sagte Merkel, es gebe ja "sehr gute Sachargumente, die allgemein verfügbar sind". Merkel äußerte Hoffnung, dass sich Kimmich darüber ja vielleicht auch noch Gedanken mache. "Er ist ja als sehr reflektierter Fußballer bekannt."

Die teils einschneidenden Beschränkungen der Freiheitsrechte während der Pandemie verteidigte Merkel indes. Sie habe es als Aufgabe des Staates gesehen, die Gesundheit möglichst vieler Menschen zu schützen und zu verhindern, dass die Krankenhäuser überlastet werden. "Natürlich lässt sich trefflich über diese oder jene Maßnahme streiten", so Merkel. Die vielleicht umstrittenste sei die Ausgangsbeschränkung gewesen. "Wer das karikieren wollte, fragte, was so schlimm daran sei, wenn ein Einzelner nach 22 Uhr allein auf der Straße läuft." Es sei aber darum gegangen, Treffen und Kontakte zu verhindern.

Verglichen etwa mit Frankreich seien die Einschränkungen der Bewegungsfreiheit im Übrigen noch zurückhaltend gewesen. "Dort gab es Einschränkungen im Radius, in der Stundenzahl, mit Formularen und vielem mehr."

"Für Kinder und Jugendliche war es besonders bitter"

Zu Vorwürfen, sie habe zu wenig Verständnis für die Belastung für Kinder gehabt, sagte Merkel: "Für die Kinder und Jugendlichen war es besonders bitter - das wusste ich zu jedem Zeitpunkt. Wir haben ihnen viel abverlangt."

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Oktober 2021 um 12:53 Uhr.