Söder empfängt Merkel am Chiemsee. | Frank Hoermann/POOL/EPA-EFE/Shut

Merkel, Söder und die K-Frage Nichts sagen, nichts ausschließen

Stand: 14.07.2020 17:39 Uhr

Bilderbuchwetter, Bootsfahrt, Bundeskanzlerin - Markus Söder hat die maximale Punktzahl aus dem heutigen Tag herausgeholt. Offiziell ging es bei Merkels Bayern-Besuch zwar um Europa - doch das wollte eigentlich keiner wissen.

Egal, wo Markus Söder in diesen Tagen auch hinkommt, die Frage nach seiner politischen Zukunft ist schon da. So auch heute beim Kanzlerinnenbesuch in Prien am Chiemsee. "Markus Söder Kanzlerkanditat" ist dort auf einem Plakat etwas fehlerhaft zu lesen. Unterschreiben will der das Plakat aber nicht - "das gibt nur Ärger".

Heute kein Ärger

Ärger passt Söder heute nicht ins Konzept. Zu schön sind die Bilder: Bootsfahrt bei Bilderbuchwetter mit der Bundeskanzlerin, Kutschfahrt zum Schloss, Besuch einer Ausstellung zum Grundgesetz und Mittagessen im großen Spiegelsaal - alles perfekt inszeniert.

Der eigentliche Anlass des Merkel-Besuchs ist nebensächlich. Söder hatte Merkel eingeladen, um der bayerischen Staatsregierung die Ziele der EU-Ratspräsidentschaft darzulegen. Daraufhin habe sie dann recht spontan zugesagt. Merkel macht also eigens einen Bayern-Tag - würde sie wohl auch einen NRW-Tag einlegen? Sie würde derartige Einladungen auch von anderen Ministerpräsidenten annehmen - "unabhängig davon, ob sie sich für den CDU-Vorsitz bewerben oder nicht", sagte die Kanzlerin auf Nachfrage eines Journalisten. 

Söder und Merkel am Herrenchiemsee. | REUTERS

Lächeln und wortreich schweigen: Söder und Merkel in Herrenchiemsee. Bild: REUTERS

"Bayern hat einen guten Ministerpräsidenten"

Merkel dürfte gewusst haben, welche Bilder sie mit Söder produziert und welches Echo ihr Besuch hervorruft. Die K-Debatte in der Union wabert. Söder begleitet sie seit Langem. Und sie wird schriller, je mehr der CSU-Chef in den Umfragen allen CDU-Kandidaten davon eilt. Auch Armin Laschet und Friedrich Merz sind weit abgeschlagen, Norbert Röttgen sowieso. Merkel aber sagt heute dazu wortreich nichts. In der Frage ihrer Nachfolge lege sie sich "eine besondere Zurückhaltung" auf. "Ich kann nur sagen: Bayern hat einen guten Ministerpräsidenten, und der hat mich heute eingeladen. Mehr können Sie da von mir nicht hören."

Und Söder? Sprach von einem "Zeichen des Wiederzusammenfindens über einige schwierige Jahre", wertete Merkels Besuch als "Symbol", weil die Schwesterparteien CDU und CSU in den vergangenen Jahren einige Schwierigkeiten miteinander gehabt hätten. "Das ist das Entscheidende - nicht die anderen Fragen", sagte Söder.

Söder wartet ab

Nichts sagen, nichts ausschließen, alle Optionen offenhalten - Söders Strategie ist nachvollziehbar. So bleibt er im Gespräch, festigt seine Machtposition in Berlin - und wartet ab. Wer weiß schon, wie sich die Corona-Krise weiterentwickelt, was im Dezember ist, wenn die Parteitage von CDU und wenig später CSU sind?

Heute hat Söder auf jeden Fall die maximale Punktzahl aus dem Tag herausgeholt. Das Fernduell mit Laschet dürfte er wohl gewonnen haben. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident nahm auf Einladung von Präsident Emmanuel Macron an einer Feier zum Nationalfeiertag in Paris teil - zusammen mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, seinem Teampartner im Ringen um den CDU-Vorsitz.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 14. Juli 2020 um 17:09 Uhr.