Kanzlerin Merkel verlässt den Bundestag  | AP

Merkels Umzug Vom Kanzleramt in "Margot Honeckers Büro"

Stand: 07.12.2021 18:19 Uhr

Wenige Stunden noch residiert Angela Merkel im Kanzleramt. Dann zieht sie in Räumlichkeiten mit viel Vergangenheit. Bei ihrem letzten Auftritt vor der Unionsfraktion hat sie ein paar Details ihres Umzugs verraten.

Mehr als 30 Jahre saß sie im Bundestag, 16 Jahre lang im Kanzleramt. Heute ist für Angela Merkel endgültig Schluss. Gestern verabschiedete sie sich schon mal von der Unionsfraktion - und beruhigte zugleich die Gemüter. Sie werde ja nicht einfach verschwinden, sondern ganz in der Nähe von Kanzleramt und Bundestag ihr neues Domizil beziehen: "Margot Honeckers Büro" in der Straße Unter den Linden, berichtete Merkel nach Medieninformationen aus Teilnehmerkreisen in einer Videoschalte der Unionsfraktion.

Nicht nur wegen der damaligen DDR-Volksbildungsministerin Honecker ist Merkels künftiger Arbeitsplatz ein Ort mit Vergangenheit. Es war zudem das Büro von Helmut Kohl während dessen Zeit als Altkanzler - der Mann, der Merkel einst "mein Mädchen" nannte und von dem sie sich im Zuge der Parteispendenaffäre scharf distanzierte. Merkel bekommt das Büro für die "Abwicklung fortwirkender Verpflichtungen". Es steht ihr als ehemalige Regierungschefin auf Lebenszeit zu.

"Seid klug!"

In ihrem neuen Büro seien bereits die ersten Einrichtungsstücke angekommen, berichtete Merkel. Neben dem Adenauer-Bild sei auch eine "Dame"-Schachfigur aus ihrem Büro im Kanzleramt bereits ins "Honecker-Büro" umgezogen, hieß es.

Vor allem eines riet Merkel der Fraktion: "Seid klug!". Sie werde auch weiterhin für Fragen zur Verfügung stehen, aber öffentlich keinen Rat geben. "Die CDU muss sich weiter um die großen Zukunftsaufgaben kümmern", sagte Merkel demnach und verwies auf den Klimaschutz. Für sie selbst gehe nun eine 30-jährige Zugehörigkeit zum Bundestag zu Ende, sagte Merkel. "Ich habe mir die Krisen nicht ausgedacht und in die Fraktion mitgebracht." Die Krisen würden auch bleiben, "wenn ich nicht mehr Kanzlerin bin". Sie freue sich aber, wenn man sich im Frühjahr sehe und den Abschied feiern könne.

Brinkhaus: Merkel "hat eine Epoche geprägt"

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus hatte Merkel vor der Sitzung auch öffentlich für ihre 16 Jahre als Regierungschefin gewürdigt. Merkel "hat eine Epoche geprägt. Sie steht damit in einer Reihe mit Konrad Adenauer und Helmut Kohl", sagte er. Es sei zwar die letzte offizielle Fraktionssitzung der Kanzlerin gewesen - nicht aber der Abschied. Der werde im Frühjahr ausgiebig nachgeholt, wenn man nicht wie jetzt wegen der Corona-Pandemie Masken tragen müsse.

Merkel habe einen weltweit höchst anerkannten Stil geprägt, der nicht darauf angelegt gewesen sei, dass es Sieger und Verlierer gebe, sondern darauf, dass beide Seiten aufrecht aus den Verhandlungen gehen könnten, sagte Brinkhaus. Dieses Verbindende habe der Welt und insbesondere Europa in den vergangenen 16 Jahren gut getan.

Auch Abschied von Altmaier

Brinkhaus verabschiedete auch den geschäftsführenden Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Dieser sei zwar an der einen oder anderen Stelle kritisiert worden, habe aber in vielen Funktionen und insbesondere als Chef des Kanzleramts Unglaubliches geleistet. Der Saarländer sei ein unglaublich beliebter und kollegialer Kollege gewesen. Altmaier hatte zugunsten eines jüngeren Parlamentariers auf sein Mandat verzichtet.

Der Start der Ampel-Regierung aus SPD, Grünen und FDP an diesem Mittwoch sei ein Neuanfang, sagte Brinkhaus. "Wir wünschen der neuen Bundesregierung wirklich von Herzen alles Gute. Wir wünschen, dass sie erfolgreich und gut für das Land ist." Es gehe darum, dass Politik gut für das Land sei und nicht darum, wer es mache. Die Unionsfraktion werde die Regierung kritisch begleiten, aber nicht das Haar in der Suppe suchen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Dezember 2021 um 12:05 Uhr.