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Ukrainischer Botschafter Schwere Waffen und Gas-Moratorium

Stand: 05.04.2022 17:41 Uhr

Der ukrainische Botschafter Melnyk hat auf tagesschau24 die Deutschen zu mehr Unterstützung für sein Land aufgefordert. Die Ukraine brauche schwere Waffen; Gaskäufe aus Russland müssten zumindest ausgesetzt werden.

Der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk, hat von der Bundesregierung erneut die Lieferung schwerer Waffensysteme gefordert. Im Interview mit tagesschau24 sagte er, mit Panzerfäusten und Stinger-Raketen könne man keine Angriffe abwehren. Die Ukraine benötige vor allem Panzer, gepanzerte Wagen, Haubitzen und Artilleriegeschosse.

Die Ukraine habe Verständnis dafür, dass die Deutschen "im Moment keine Truppen schicken" könnten, aber alles andere müsse "auf dem Tisch stehen", so Melnyk.

Zur Diskussion um einen von der EU geplanten Kohle-Importstopp sagte er, er hoffe jetzt auf eine sehr schnelle Entscheidung in Brüssel. "Wir haben seit Monaten darauf gedrängt, dass die Sanktionen in aller Schärfe eingeführt werden. Nicht nur Kohle sollte auf dieser Liste stehen, sondern auch Öl und vor allem Gas, Metalle und andere Rohstoffe aus Russland", so Melnyk. Nur durch eine schnelle Entscheidung könnten die Geldströme für Putins Kriegsmaschinerie trockengelegt und der Krieg sobald wie möglich gestoppt werden.

Moratorium wäre "verständliche Maßnahme"

Da Deutschland in der Frage eines Gas-Importstopps zögere, schlug Melnyk ein Moratorium auch für Gas-Lieferungen von "ein, zwei Monaten" vor - "um ein Zeichen zu setzen, dass Putin diesen Krieg nicht mehr lange führen darf". Das Massaker in Butscha sei eine rote Linie, diese Geschehnisse müssten lückenlos aufgeklärt werden.

Er dankte den Deutschen für die Aufnahme seiner geflüchteten Landsleute. Gleichzeitig forderte er die deutsche Bevölkerung auf, auf die Regierung einzuwirken, damit diese weitere Maßnahmen ergreife. "Schreiben Sie Ihren Abgeordneten, schicken Sie Briefe", so Melnyk. "Jeder kann seine Stimme erheben. Die einzig moralisch richtige Entscheidung sei, "alles zu unternehmen - und dazu gehört mindestens ein Moratorium für die Gaslieferungen. Nur auf diese Weise kann man Putin ins Herz treffen."

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. April 2022 um 16:00 Uhr.