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Hintergrund

Forscher uneins Impfungen gegen Vogelgrippe: Pro und Contra

Stand: 25.08.2007 20:06 Uhr

Die Debatte ist ein Dauerbrenner. Ist es sinnvoll, Tiere gegen die Vogelgrippe zu impfen? Die Meinungen der Experten gehen seit Jahren auseinander. In einigen Ländern Europas und Asiens wird die Impfung praktiziert, Deutschland verzichtet noch auf sie.

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Impfen statt Keulen? Die Experten sind uneins

Für eine Impfung spricht, dass ein infiziertes und geimpftes Tier deutlich weniger Errger ausscheidet. Allerdings, so das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit auf der Insel Riems, wird die Erregerausscheidung nicht vollständig unterbunden. Dennoch lässt sich die Ausbreitung der Vogelgrippe in Nutzgeflügelbeständen durch eine Impfung verlangsamen.

Unterscheidung schwierig

Gegen eine Impfung spricht, dass sich geimpfte Tiere nicht von infizierten unterscheiden lassen. Beide bilden Antikörper gegen das Virus aus. Zudem schützt die Impfung nicht vor der Infektion an sich. Auch ein geimpftes Tier kann das Virus vermehren. Da aber bei geimpften Tieren die Krankheitssymptome verschleiert werden, ist schwer zu erkennen, ob ein geimpfter Tierbestand von der Krankheit befallen wurde. Damit sind Verzögerungen bei der Bekämpfung der Seuche vorprogrammiert. Problematisch ist auch die Impfung großer Tierbestände: Sie kann oft nicht hundertprozentig sichergestellt werden. Geimpfte Tiere dürfen zudem nicht gehandelt werden.

Bislang fehlen Impfstoffe, die für alle Vogelarten gleichmaßen mit Erfolg angewandt werden können. Das Friedrich-Loeffler-Institut und andere Forscher entwickeln einen Marker-Impfstoff, mit dem sich erkrankte und infizierte Tiere unterscheiden lassen. Dieser Impfstoff ist nach Schätzungen des Instituts allerdings erst in rund drei Jahren marktreif.

Frankreich und Niederlande lassen impfen

Innerhalb der EU ist es nach einer im Dezember 2005 erlassenen Verordnung grundsätzlich erlaubt, Tiere zu impfen. Jede Impfung muss aber von Brüssel genehmigt werden.Frankreich und die Niederlande haben sich als einzige EU-Länder bislang für diesen Weg entschieden.

In Frankreich gilt die Erlaubnis für insgesamt drei Departements mit ausgedehnten Feuchtgebieten, die an den Wanderstrecken von Zugvögeln liegen. Die EU-Genehmigung gilt aber nur für bestimmte Geflügelbestände und ist strengen Auflagen unterworfen. Geimpfte und nicht-geimpfte Tiere müssen klar räumlich getrennt werden. Die Bestände müssen vor der Impfung genau auf einen möglichen Erreger getestet werden. Nachgewiesen werden muss auch, dass der Erreger im jeweiligen Zuchtbetrieb nicht vorkommt. Danach unterliegen die Tiere strengen Transportbeschränkungen. Lebende geimpfte Tiere, deren Eier und die Küken dürfen nicht in andere EU-Staaten ausgeführt werden. Fleisch und Fleischprodukte dürfen indes weiter exportiert werden. Wegen dieser Beschränkungen haben viele Züchter in Frankreich Abstand von der Maßnahme genommen.

Ähnliche Vorschriften gelten auch für die Niederlande. Dort sollen zwischen einer und drei Millionen Haustiere und bis zu fünf Millionen Freilegehennen vorbeugend geimpft werden. Für Züchter soll das Programm aber nur freiwillig als Alternative zur Stallpflicht gelten. Eine EU-weite Impfung gab es bislang nicht. Vor dem Hintergrund von Ausbrüchen der Vogelgrippe im Jahr 2003 wurden auch Impfungen von seltenen und geschützten Vögeln in den Niederlanden, Belgien und Deutschland zugelassen.

Unterschiedliche Erfolge in Asien

In Asien haben sich China und Vietnam für die Impfung entschieden - mit unterschiedlichem Erfolg. Während in China das Virus weiter grassiert, gibt es in Vietnam seit Ende des Jahres keinen neuen H5N1-Fall mehr. Dort hatte die Impfung in September begonnen. "Wenn man sich für Impfung entscheidet, dann muss es im großen Stil sein", schlussfolgert der Länderdirektor der Weltgesundheitsorganisation WHO für Vietnam, Hans Troedsson.