Gebärmuttertransplantation Tübingen: Ärztin mit Neugeborenem | Bildquelle: SWR/Screenshot

Gebärmutter eingesetzt Erste Geburten nach Transplantation

Stand: 23.05.2019 11:00 Uhr

Sie wurden ohne Gebärmutter geboren, trotzdem konnten zwei Frauen in Deutschland ein gesundes Kind auf die Welt bringen - dank Transplantationen. Doch diese sind umstritten.

Von Veronika Simon, SWR

Die erste transplantierte Gebärmutter in Deutschland wurde einer Frau eingesetzt, der dieses Organ von Geburt an fehlte. Ihre Mutter spendete der heute 25-Jährigen ihre Gebärmutter. Auch die zweite Gebärmutterempfängerin war zwar mit Eierstöcken, jedoch ohne Uterus zur Welt gekommen.

Bei Gebärmutterspenden handelt es sich meist um Organe von lebenden Spenderinnen, häufig Verwandten der Empfängerin. Erst in einem Fall im Jahr 2018 haben Gynäkologen das Organ einer hirntoten Spenderin verpflanzt.

Nach Gebärmuttertransplantation erstes Kind in Deutschland geboren
tagesschau 12:00 Uhr, 23.05.2019, Dietmar Klumpp, SWR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Geburt zweieinhalb Jahre nach der Transplantation

Den Patientinnen in Tübingen wurden Eizellen aus ihren vorhandenen Eierstöcken entnommen, mit dem Samen des Partners künstlich befruchtet und in den Uterus eingesetzt. So konnten sie schwanger werden. Zweieinhalb Jahre vergingen von der ersten Transplantation bis zur Geburt des Kindes.

Besonders kritisch war die Phase nach der Transplantation. Auch wenn das Organ von einer Verwandten stammte, war die Gefahr einer Abstoßung groß.

Nach dem Eingriff müssen die behandelten Frauen wie bei jeder Organspende Medikamente nehmen, die das Immunsystem unterdrücken. So soll verhindert werden, dass das fremde Organ abgestoßen wird. Diese Medikamente müssen auch während der Schwangerschaft eingenommen werden. Negative Folgen für das Kind soll die Einnahme von Immunsuppressiva jedoch nicht haben. Das zeigen Erfahrungen von Patientinnen mit transplantierten Nieren.

Erster Eingriff in Schweden

Wissenschaftlich etabliert ist der Eingriff noch nicht. Die beteiligten Forschergruppen sammeln und veröffentlichen nun ihre Daten.

Der Erfinder der Technik ist Mats Brändström aus Schweden. 2013 führte er die erste Uterustransplantation bei einer Frau in Schweden durch. Bei zehn der Transplantationen weltweit war er dabei, auch bei denen in Tübingen.

Ethische Bedenken

Ethisch ist der Eingriff bisher kaum diskutiert worden, kritisiert Professor Doktor Sigrid Graumann. Sie ist Mitglied des Ethikrats und beschäftigt sich mit ethischen Fragen der Reproduktionsmedizin und ihren gesellschaftlichen Folgen:

"Ich halte es für problematisch, alles zu tun, was medizinisch möglich ist, um Kinderwünsche zu erfüllen. Es handelt sich dabei nicht um lebensbedrohliche Krankheiten."

Besonders kritisch sieht sie, dass bei diesem Eingriff Dritte gefährdet werden könnten. Die gesunde Spenderin unterziehe sich einer großen Operation und das Kind könne im Falle einer Abstoßung des transplantierten Organs geschädigt werden.

"Kinderwunsch ist ein natürliches Bedürfnis"

Professor Sara Brucker hat die Gebärmuttertransplantationen geleitet. | Bildquelle: picture alliance / Marijan Murat
galerie

Professor Sara Brucker

Professor Sara Brucker von der Frauenklinik Tübingen hat die Transplantationen in Deutschland geleitet und die Kinder später mit ihrem Team per Kaiserschnitt auf die Welt gebracht. Auch sie fordert dazu auf, Gebärmuttertransplantationen öffentlich zu diskutieren. Eine Gebärmutter sei per se kein Organ, das man zum Leben brauche. Aber:

"Ein Kinderwunsch und der Wunsch, Mutter zu werden, ist ein ganz natürliches Bedürfnis. Und da in Deutschland eine Leihmutterschaft nicht möglich ist, blieb uns nur die Möglichkeit der Gebärmuttertransplantation."

Sobald fünf Kinder nach einer solchen Transplantation gesund in Tübingen zur Welt gekommen sind, wollen die Ärzte vorerst keine weitere Gebärmutter transplantieren. Sie wollen dann zunächst ein Uterus-Transplantations-Zentrum beantragen und aufbauen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Mai 2019 um 12:00 Uhr.

Darstellung: