Eine Hand hält ein Wattestäbchen, mit dem ein Abstrich für einen Coronatest gemacht wird. | dpa

Verdacht des Betrugs Festnahmen bei Schnelltest-Betreiber

Stand: 04.06.2021 19:05 Uhr

Die Staatsanwaltschaft Bochum hat im Ermittlungsverfahren um den Betrugsverdacht mit Schnelltests mehrere Objekte im Ruhrgebiet durchsucht und dabei einen Verdächtigten festgenommen. Ein weiterer Verdächtiger stellte sich.

Von Markus Grill, Arnd Henze und Palina Milling, NDR/WDR

Die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafsachen in Bochum hat Haftbefehle gegen zwei Verantwortliche der Schnelltest-Firma MediCan im Ruhrgebiet beantragt. Einer der beiden hat sich selbst gestellt, der andere wurde bei einer Razzia festgenommen. Das bestätigte Staatsanwalt Timo Dörffer auf Anfrage. In einem Fall habe das Amtsgericht bereits den Haftbefehl in Vollzug gesetzt, im zweiten Fall stehe die Entscheidung des Gerichts noch aus. Zuerst hatte die WAZ über die Festnahmen berichtet.

Markus Grill

In der vergangenen Woche hatten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" berichtet, dass die Firma MediCan offenbar an mehreren Standorten deutlich mehr Schnelltests an das NRW-Gesundheitsministerium meldete als tatsächlich vor Ort stattgefunden haben. Nur einen Tag später schaltete sich in Bochum die Staatsanwaltschaft für Wirtschaftsstrafrecht ein und startete ein Ermittlungsverfahren wegen Betruges gegen zwei Verantwortliche der Schnelltest-Firma.

Mit den Zählungen konfrontiert, hatte MediCan erklärt, die ans Ministerium gemeldeten Zahlen entsprächen nicht den Zahlen, die die Firma an die Kassenärztliche Vereinigung zur Abrechnung melde. Außerdem schrieb MediCan, dass "die Testungen in einigen Städten mit mehreren Standorten auch zusammengefasst übermittelt werden". Dies erfolge "in Absprache mit den zuständigen Behörden." Die Behörden hatten dies entschieden zurückgewiesen.

Durchsuchungen in mehreren Städten

In diesem Zusammenhang hatten Ermittler bereits am vergangenen Freitag Geschäftsräume und Privatwohnungen im Ruhrgebiet durchsucht und Unterlagen beschlagnahm. Auch am heutigen Freitag gab es nach Angaben von Staatsanwalt Dörffer in mehreren Städten im Ruhrgebiet erneut Durchsuchungen. Dabei sei ein Beschuldigter festgenommen worden, ein weiterer, der bisher nicht auffindbar gewesen sein soll, soll sich den Ermittlern gestellt haben. Um welche Personen es sich dabei handelt, wollte die Staatsanwaltschaft nicht mitteilen. Die Festnahme zeige, so die Staatsanwaltschaft, dass sich der Anfangsverdacht erhärtet habe. 

MediCan wurde in der vergangenen Woche von mehreren Gesundheitsämtern in ganz Deutschland die Zulassung vor Ort als Schnelltestzentrum entzogen. Auf der Website von Medican sind von 54 in der vergangenen Woche aufgelisteten Teststandorten derzeit nur noch fünf übrig. 

In mehreren Städten in Deutschland ermitteln inzwischen Staatsanwälte gegen Betreiber von Schnelltestzentren. In Bayern geht zum Beispiel die Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen bei der Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg ebenfalls gegen mehrere Unternehmen vor.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 04. Juni 2021 um 18:50 Uhr.