Max Mannheimer | Bildquelle: picture alliance / dpa

Trauer um Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer ist gestorben

Stand: 24.09.2016 13:51 Uhr

Der Holocaust-Überlebende Max Mannheimer ist im Alter von 96 Jahren verstorben. Jahrzehntelang machte er es sich zur Aufgabe, die Erinnerung an die Gräuel des NS-Terrors wachzuhalten und den sechs Millionen ermordeten Juden eine Stimme zu geben.

Mehr als 30 Jahre lang hat Max Mannheimer Zeitzeugengespräche geführt und dabei Schüler wie auch Erwachsene über den Holocaust und die anderen Verbrechen des Nationalsozialismus aufgeklärt. Nun starb er am Freitag im Alter von 96 Jahren in einer Münchner Klinik, teilte die Leiterin der KZ-Gedenkstätte Dachau, Gabriele Hammermann, mit. Sie sagte:

"Das ist eine sehr traurige Nachricht. Die Gedenkstätte und ihre Mitarbeiter trauern um einen guten Freund."

Wie kein Zweiter habe er sich mit seiner ganzen Person eingebracht, um gegen das Vergessen anzukämpfen und gleichzeitig als Versöhner aufzutreten. Mannheimer wurde für sein Wirken mit vielen Auszeichnungen geehrt.

Christian Selbherr @Selbherr
"Besser eine fehlerhafte Demokratie als eine starke Diktatur. Denn eine Diktatur wird man so schnell nicht wieder los." RIP Max #Mannheimer

"Mit Max Mannheimer verliert die Bundesrepublik eine tief beeindruckende, herausragende Persönlichkeit", sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. "Als Holocaust-Überlebender und Opfer des Nazi-Terrors hat er die Größe besessen, trotz der Ermordung und Auslöschung seiner Familie Deutschland nicht zu verlassen und sich stattdessen sein Leben lang gegen das Vergessen zu engagieren."

Auch Kanzlerin Angela Merkel würdigte Mannheimer. Regierungssprecher Steffen Seibert twitterte:

Steffen Seibert @RegSprecher
Kanzlerin #Merkel trauert um Max #Mannheimer – Holocaustüberlebender, Mahner gegen das Vergessen + großer Versöhner… https://t.co/6QBo9P1GKz

"Er wird uns allen fehlen", sagte CSU-Chef Horst Seehofer. Die Grünen-Fraktionsvorsitzenden Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter betonten, Mannheimer sei ein wichtiger Zeitzeuge der Nazi-Verbrechen gewesen. "Es ist unsere Aufgabe, diese Erinnerungen an die Grausamkeiten des Nazi-Regimes wach zu halten."

Trauer um Max Mannheimer
tagesschau24 15:00 Uhr, 24.09.2016, Jan Müller-Raith, BR

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Mit dem Bruder Auschwitz überlebt

Mannheimer wurde im Februar 1920 in Neutitschein im heutigen Tschechien geboren. Er war das älteste von fünf Geschwistern. Als die Nationalsozialisten erstarkten, versuchte seine Familie noch zu fliehen. Doch im Alter von 22 Jahren wurde Mannheimer zusammen mit seinen Eltern, seiner Schwester Käthe, zwei seiner Brüder und seiner Ehefrau Eva in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert - später wurde der junge Mann nach Auschwitz gebracht.

Alexander Heintze @AlexHeintze
Mit Max #Mannheimer starb jemand, der sich zeitlebens gegen das Vergessen engagierte. Diese Aufgabe müssen wir jetzt übernehmen.

Max und sein Bruder Edgar waren die beiden einzigen Familienmitglieder, die Auschwitz überlebten. Die Mutter, der Vater, die Schwester und die Ehefrau wurden in dem "Todeslager" vergast, sein Bruder Ernst wurde ermordet.

1944 kamen Max und Edgar in das Lager Dachau bei München. Hier blieben sie bis zum 30. April 1945 - an diesem Tag wurden sie einem Transport Richtung Süden zugeteilt. Sämtliche Juden auf diesem Transport sollten ermordet werden. Doch auf dem Weg befreiten alliierte Truppen die Gefangenen.

Tor des KZ Dachau | Bildquelle: dpa
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1944 kam Mannheimer mit seinem Bruder Edgar in das Konzentrationslager Dachau. Seine Familie war zuvor in Auschwitz ermordet worden.

Mahnmal im ehemaligen Konzentrationslager Dachau | Bildquelle: Zentralbild
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Später übernahm der Zeitzeuge das Amt als Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, um die Erinnerung an die dort begangenen Verbrechen an jüngere Generationen weiterzugeben.

Die Erinnerung in die Schulklassen, die Politik nach Dachau

Mannheimer kehrte zunächst in seinen Heimatort zurück, lernte dann aber seine zweite Frau - eine Deutsche - kennen und zog mit ihr nach München. Er betätigte sich als Künstler und schlug den Berufsweg des Kaufmanns ein. Insgesamt heiratete er nach seiner Befreiung noch zweimal und bekam zwei Kinder: Seine Tochter Eva und seinen Sohn Ernst.

Bundeskanzlerin Angela Merkel an der KZ-Gedenkstätte in Dachau. | Bildquelle: AFP
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2013 folgte Kanzlerin Merkel der Einladung Mannheimers und besuchte das KZ Dachau.

Seit 1986 berichtete Mannheimer immer wieder von seinem Leben und seinen Erfahrungen unter dem Regime der Nationalsozialisten. 1990 übernahm er das Amt als Präsident der Lagergemeinschaft Dachau, fünf Jahre später wurde er Vizepräsident des Internationalen Dachau-Komitees. Und er brachte auch die Politik in das ehemalige Vernichtungslager: Als erste in diesem Amt folgte 2013 Bundeskanzlerin Angela Merkel der Einladung des Zeitzeugen, das KZ bei München zu besuchen. Im vergangenen Jahr kam auch der amerikanische Vizepräsident Joe Biden auf Einladung Mannheimers nach Dachau.

Claudia Stamm @claudiastamm
#Max #Mannheimer sehr traurig &zugleich beglückt,dass ich ihn so nah kennenlernen durfte!Was für ein Mensch!Wirklich #Tränen&Lachen zugleich

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter nannte Mannheimer einen "Mahner und Versöhner". Sein Motto müsse zum Motto aller werden, betonte Reiter weiter: "Wir dürfen nicht vergessen."

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