Matthias Maurer | dpa

Astronaut Maurer nach ISS-Rückkehr "Wir müssen die Menschen wachrütteln"

Stand: 20.05.2022 20:15 Uhr

Umweltzerstörung und Krieg konnte der deutsche Astronaut Maurer von der ISS aus beobachten. Nach seiner Rückkehr spricht er im tagesschau24-Interview über seine Eindrücke, Erkenntnisse und den schwierigen Außeneinsatz im All.

Der deutsche Astronaut Matthias Maurer hat nach seiner Rückkehr zur Erde zum Schutz des Planeten aufgerufen. "Mit dem Herzen spürt man sofort, wie wir Menschen diesen Planeten verändern", sagte er im Interview mit tagesschau24. "Wir müssen die Menschen wachrütteln und sanfter mit dem Planeten umgehen" - diese Erkenntnis habe er von seiner Mission mitgebracht, berichtete der 52-Jährige, der derzeit im Astronautenzentrum in Köln von Ärzten untersucht wird.

90 Minuten dauert eine Erdumrundung der ISS. Durch das Weltraumfenster haben die Astronauten einen guten Blick auf die Erde. Während seines sechsmonatigen Aufenthalts habe er dabei die Eingriffe des Menschen beobachtet: In Südamerika sei die Grenze zwischen Ackerflächen und Urwald klar zu erkennen gewesen - durch den Rauch der Rodungen. Dort, wo in den Karten noch Gletscher und Seen eingezeichnet seien, habe er diese aus dem Weltall teils nicht mehr wahrnehmen können.

Krieg in der Ukraine aus dem All beobachtet

Auch den Krieg in der Ukraine konnte Maurer aus dem All verfolgen - über Nachrichten-Apps und durch das Weltraumfenster: "Als der Krieg los ging, war auch die Ukraine in der Nacht ganz dunkel", sagte Maurer. Aus Angst vor Angriffen hätten die Menschen die Lichter ausgemacht. Nur kleine Blitze durch einschlagende Geschosse und Rauchsäulen seien zu sehen gewesen.

Maurer appellierte, die internationale Zusammenarbeit trotz des russischen Angriffskrieges nicht aufzugeben: "Man darf nicht alles kaputt machen, was aufgebaut wurde", fordert er. Wegen des Kriegs gibt es erhebliche Spannungen zwischen Moskau und den westlichen Raumfahrtnationen. Russlands Raumfahrtbehörde Roskosmos hatte zuletzt die Zukunft der Station nach Auslaufen des Vertrags 2024 offen gelassen.

Außeneinsatz ein "unglaubliches Erlebnis"

Maurer war der zwölfte Deutsche im Weltall. Auf der ISS wirkte er an mehr als 130 Experimenten mit und absolvierte einen Außeneinsatz. Mit Respekt und Herzklopfen habe er die Raumstation verlassen. "Ein unglaubliches Erlebnis." Es sei faszinierend, dass der Raumanzug es erlaube, im All zu überleben.

Gibt es eine Wiederholung für Maurer im Weltraum? "Ich würde mich freuen", sagte der Saarländer. Er hoffe, noch einen zweiten Flug nachlegen zu können.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 20. Mai 2022 um 14:00 Uhr.