Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht während der Veranstaltung vor dem Brandenburger anlässlich des Mauerfalls vor 30 Jahren. | Bildquelle: REUTERS

Gedenken an den Mauerfall "Reißen wir diese Mauern endlich ein!"

Stand: 09.11.2019 21:26 Uhr

Zehntausende Menschen haben vor dem Brandenburger Tor in Berlin den Fall der Mauer vor 30 Jahren gefeiert. Bundespräsident Steinmeier rief dazu auf, die "neuen Mauern" einzureißen. Kanzlerin Merkel mahnte, Hass entgegenzutreten.

Am 9. November haben die Menschen deutschlandweit des Mauerfalls vor 30 Jahren gedacht. Berlin stand im Zeichen mehrerer Veranstaltungen, bei denen sowohl Freude über das historische Ereignis zum Ausdruck kam als auch mahnende Worte fielen.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier appellierte vor Zehntausenden Menschen am Brandenburger Tor, seit 1989 neu entstandene Mauern in der Gesellschaft wieder einzureißen. "Die große Mauer, dieses unmenschliche Bauwerk, das so viele Opfer gefordert hat, steht nicht mehr. Diese Mauer ist weg, ein für alle Mal", sagte er.

Die Berliner Mauer habe das DDR-Unrechtsregime mit dem SED-Chef und Staatsratsvorsitzenden Walter Ulbricht an der Spitze errichtet. "Aber die neuen Mauern in unserem Land, die haben wir selbst gebaut. Und nur wir selber können sie einreißen", sagte Steinmeier. "Also schauen wir nicht zu, klagen wir nicht drüber: Reißen wir diese Mauern endlich ein!"

Zehntausende feiern Mauerfall-Jubiläum am Brandenburger Tor
tagesthemen 23:15 Uhr, 09.11.2019, Robert Holm, RBB

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Steinmeier: Zusammenhalt nicht von oben zu verordnen

Jeder Mensch im Land könne dafür etwas tun, sagte der Bundespräsident. Zusammenhalt könne man nicht von oben verordnen. "Zusammen hält, wer zusammen tut. Also tun wir was! Ziehen wir uns nicht zurück hinter Mauern und in Echokammern. Sondern streiten wir für diese Demokratie!"

Die Mutigen von 1989 hätten Einheit, Freiheit und Demokratie erkämpft. "Welch ein großartiges, welch ein stolzes Erbe. Machen wir was daraus", sagte Steinmeier.

Die frühere DDR-Bürgerrechtlerin Marianne Birthler erinnerte an die Menschen, deren Leben durch die SED-Diktatur zerstört wurde oder die ums Leben kamen. "Lassen Sie uns einen kleinen Moment inne halten", sagte sie. Stille legte sich kurz über den Platz am Brandenburger Tor.

Rosen für die Maueropfer

Die Feierlichkeiten hatten bereits am Vormittag begonnen - mit einer Gedenkveranstaltung in der Bernauer Straße. Dabei steckten Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere hochrangige Politiker wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble und Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller für die Maueropfer gelbe und orange Rosen in die Hinterlandmauer. Zur Erinnerung an den Mut der DDR-Opposition im Herbst 1989 wurden Kerzen entzündet. Auf Demonstrationen getragene Kerzen waren damals das Symbol des gewaltlosen Widerstands.

Merkel erinnerte in der Kapelle der Versöhnung an die Mauertoten und an die Opfer der SED-Diktatur: "Wir werden sie nicht vergessen." Der Fall der Mauer lehre, dass keine Mauer so hoch und so breit sein könne, dass sie nicht doch durchbrochen werden könne.

Chronologie zum Mauerfall
08.11.2019

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"Schicksalstag der Deutschen"

Den 9. November bezeichnete Merkel als einen Schicksalstag der Deutschen. In ihm spiegelten sich sowohl die glücklichen als auch die fürchterlichen Momente der deutschen Geschichte wider. Der 9. November 1938 mit den gegen die Juden gerichteten Pogromen ermahne, Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten.

Merkel rief dazu auf, sich für Freiheit und Demokratie einzusetzen. "Die Werte, auf sich die EU gründet, Freiheit, Demokratie, Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit, die Wahrung der Menschenrechte, sie sind alles andere als selbstverständlich", sagte die Kanzlerin. Sie müssten "immer wieder neu gelebt und verteidigt" werden.

Interview mit Schauspieler Jan-Josef Liefers zu Mauerfall und Wiedervereinigung
tagesthemen 23:15 Uhr, 09.11.2019

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Symbol der deutschen Teilung

Die Bernauer Straße gilt als Symbol der deutschen Teilung. Als die Mauer 1961 hochgezogen wurde, lag die Häuserfront der Straße im Osten, der Bürgersteig im Westen. 1985 sprengte das DDR-Regime die evangelische Versöhnungskirche, die sich im Todesstreifen befand. An derselben Stelle wurde die Kapelle der Versöhnung aufgebaut und im Jahr 2000 eingeweiht.

Mit dem 9. November 1989 ging die deutsche Teilung nach rund 40 Jahren zu Ende, die Berliner Mauer selbst hatte mehr als 28 Jahre Bestand. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen starben an der etwa 160 Kilometer langen Mauer in der Hauptstadt mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime.

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Die Berliner Mauer

Bilder aus einer geteilten und wieder vereinten Stadt

Volkspolizisten errichten am Potsdamer Platz eine Stacheldrahtbarriere

Volkspolizisten errichten am Potsdamer Platz hinter einer Sperrkette eine Stacheldrahtbarriere. Im Hintergrund ist die menschenleere Leipziger Straße zu sehen. Am frühen Sonntagmorgen des 13. August 1961 wurde mit der Errichtung von Straßensperren und dem Bau einer Mauer begonnen, um den Ostteil Berlins vom Westteil abzusperren. | Bildquelle: picture-alliance / dpa

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. November 2019 um 20:00 Uhr.

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