Eine Grundschullehrerin einer dritten Klasse unterrichtet mit ihren Schülerinnen und Schülern im Klassenzimmer Deutsch. | dpa

Schulen in Nordrhein-Westfalen Warnung vor Ende der Maskenpflicht

Stand: 26.10.2021 10:29 Uhr

In Nordrhein-Westfalen könnte bald die Maskenpflicht für Schüler fallen - so wie zuletzt in Bayern und Baden-Württemberg. Politiker, Lehrkräfte und Mediziner warnen davor. Der Zeitpunkt hierfür sei denkbar ungünstig.

Politiker, Lehrkräfte, Mediziner, Schüler und Schülerinnen warnen vor einer Aufhebung der Maskenpflicht in nordrhein-westfälischen Schulen. "NRW sollte die Maskenpflicht an Schulen angesichts der steigenden Inzidenzen beibehalten. Masken sind für die vierte Welle von großer Bedeutung, auch in den Schulen", forderte SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der "Rheinischen Post".

Japan zeige mit konsequenter Maskenpflicht, dass die vierte Welle auch ohne Lockdown bekämpft werden könne. Schulschließungen müssten in diesem Winter unbedingt vermieden werden, betonte Lauterbach. "Wenn man auf Masken in der Schule verzichten will, muss dreimal pro Woche vor dem Unterricht getestet werden, sonst droht Schulausfall wegen zu hoher Fallzahlen." Denn die Inzidenzen würden in allen Altersgruppen steigen. "Masken sind die bessere Lösung. Schulschließungen sind für die Kinder und Jugendlichen ein Problem, nicht aber die Masken."

Infektionszahlen steigen

Auch die Landesvorsitzende des Philologenverbands, Sabine Mistler, sagte der Zeitung: Der Maskenverzicht zum jetzigen Zeitpunkt sei "einfach zu früh". "Wir sollten kein unnötiges Risiko eingehen, denn Präsenzunterricht ist weiterhin wichtig und notwendig - und die Infektionszahlen steigen, auch unter Schülerinnen und Schülern."

Frank Bergmann, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, sieht es ebenso. Er mahnte die Landesregierung eindringlich, an der Maskenpflicht festzuhalten: "Wohl wissend, dass Kinder und Jugendliche grundsätzlich ein geringeres Risiko für einen schwereren Krankheitsverlauf aufweisen, erscheint der aktuelle Zeitpunkt für ein Beenden der Schutzmaßnahmen in Schulen denkbar ungünstig, insbesondere vor dem Hintergrund der aktuell deutlich steigenden Inzidenzen und der damit verbundenen Dynamik des Infektionsgeschehens in den Regionen."

Viele Schüler noch ungeimpft

Die betroffenen Schüler äußern sich ebenfalls skeptisch: "Wir sehen den Schritt kritisch, weil wir steigende Inzidenzzahlen haben und die jüngeren Schüler noch ungeimpft sind", sagte Johanna Börgermann, Vorstandsmitglied der Landesschülervertretung, der "Rheinischen Post". Viele Zwölf- bis 17-Jährige hätten sich noch gar nicht impfen lassen können: "Es ist nicht nachvollziehbar, dass ausgerechnet in der Gruppe, in der die Inzidenz besonders hoch ist, nun die Masken fallen sollen."

Maske beeinträchtigt und ist belastend

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat hingegen Verständis. Sie sagte den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland, sie könne es nachvollziehen, dass vielerorts an den Schulen die Maskenpflicht aufgehoben worden sei oder nun aufgehoben werde. Das Tragen von Masken beeinträchtige den normalen Unterricht und sei für die Schüler belastend. "Allerdings sollte bei einer Lockerung der Maskenpflicht weiter oder sogar vermehrt in den Schulen getestet werden", mahnte auch Karliczek. "Das gilt gerade in der Zeit nach den Herbstferien."

Auch danach sollte aus Gründen des Gesundheitsschutzes in den Schulen regelmäßig getestet werden, sagte die Ministerin. "Es ist unangenehm, aber wir dürfen die Infektionsentwicklung nicht außer Acht lassen." Wenn die Inzidenz wieder deutlich steige, "könnte vor Ort über eine Wiedereinführung der Maskenpflicht in den Schulen nachgedacht werden".

Bayern und Baden-Württemberg: Inzidenzen steigen

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hatten vor den Herbstferien angekündigt, noch diese Woche eine Entscheidung zu treffen. Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg hatten die Maskenpflicht vor den Herbstferien aufgehoben - die Inzidenzen unter Schülern stiegen zuletzt stark. Im NRW-Schulministerium hieß es, spätestens am Donnerstag würden die Schulen informiert, wie es weitergehen soll, "im Rahmen einer Gesamtbetrachtung der Infektionslage", wie auch das NRW-Gesundheitsministerium betonte.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 07. Oktober 2021 um 06:37 Uhr und um 09:20 Uhr im "Morgenecho".