Unterricht in einer vierten Klasse einer Grundschule. (Archivbild: 22.02.2021)  | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Corona-Pandemie Amtsärzte gegen Maskenpflicht an Schulen

Stand: 07.09.2022 07:10 Uhr

Der Verband der Amtsärzte hält eine Maskenpflicht an Schulen bei den aktuellen Corona-Varianten für unnötig. Die Hausärzte warnten unterdessen vor "detailverliebten Debatten" - dadurch sinke die Akzeptanz von Maßnahmen.

Die deutschen Amtsärzte halten eine Maskenpflicht an Schulen nur für gerechtfertigt, wenn eine gefährlichere Virusvariante auftritt. "Bei den aktuellen Varianten ist eine Maskenpflicht im Unterricht nicht nötig", sagte Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, der Funke Mediengruppe.

Masken beeinträchtigen das Lernen erheblich, sagte Nießen. "Sie haben Einfluss auf die Sprachentwicklung, erschweren den Fremdsprachenunterricht und stören die Kommunikation, weil sie das halbe Gesichtsfeld bedecken." Masken im Unterricht sollten deshalb erst dann zum Einsatz kommen, wenn es eine infektiösere und gleichzeitig schwerer krank machende Variante als die bekannten Omikron-Varianten gebe. Die Länder sollten deshalb "so lange wie möglich Unterricht ohne Maske erlauben".

Hausärzte: Mehr Absprache mit Nachbarländern

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Hausärzteverbandes, Ulrich Weigeldt, riet in der Debatte um Maskenpflichten unterdessen zu mehr Absprache mit den Nachbarländern. "Für den Entscheidungsprozess wie auch für die Resonanz in der Bevölkerung wäre es sicherlich von Vorteil, wenn häufiger ein Blick über die Grenzen geworfen und sich enger mit unseren europäischen Partnerländern abgestimmt werden würde", sagte Weigeldt der "Rheinischen Post".

"Wir haben es schon mehrfach gesehen: Statt die wirklich entscheidenden Themen anzupacken, verrennen wir uns in detailverliebte Debatten", sagte Weigeldt. "Dieses Hin und Her rüttelt heftig an der Akzeptanz in der Bevölkerung. Viele wissen schlichtweg nicht mehr, aus welchen Gründen welche Entscheidungen getroffen werden."

Weigeldt äußerte sich nach Bekanntwerden der Pläne für eine Aufhebung der FFP2-Maskenpflicht in Flugzeugen. In der Ampelkoalition hatte die FDP Druck für ein Ende der gesetzlichen Vorgabe an Bord gemacht.

Ein Wegfall der Maskenpflicht für Bahnreisende ist nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach aber keine Option. "Selbstverständlich ist es so, dass das Risiko, sich zu infizieren, in Bussen und im Bahnverkehr sehr viel höher ist als im Flugverkehr", sagte der SPD-Politiker - wegen der besseren Durchlüftung im Flugzeug.

Patientenschützer: Pandemie-Strategie immer absurder

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Tino Sorge, sagte der "Rheinischen Post": "Die Ampel wird nun auch Stellung zur Frage beziehen müssen, welche Maskenpflichten sie in Bussen und Bahnen plant. Eine pauschale FFP2-Pflicht über viele Monate hinweg lässt sich auch im ÖPNV nicht rechtfertigen."

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz warnte davor, den gesellschaftlichen Konsens zu gefährden. "In der Bahn mit Maske, später im Flieger aber ohne Mund- und Nasenschutz" - so werde die Pandemiestrategie der Bundesregierung immer absurder, kritisierte Vorstand Eugen Brysch. "Um durch diesen Winter zu kommen, braucht es eine einheitliche, verständliche Strategie und nicht Parteipolitik", sagte er.

Der Bundestag will am Donnerstag abschließend über die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes beraten. Vorgesehen ist, dass die Länder in Schulen ab der fünften Klasse eine Maskenpflicht einführen können, wenn dadurch ein geregelter Präsenz-Unterrichtsbetrieb aufrecht erhalten werden kann.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. September 2022 um 09:00 Uhr.