Matthias Doll und Sulaymann Aruna  | Bildquelle: SWR

Maskenpflicht in Deutschland "Die meisten halten sich an die Regeln"

Stand: 14.05.2020 02:39 Uhr

Bundesweit gilt seit fast zwei Wochen eine Maskenpflicht beim Einkaufen und Bus- und Bahnfahren. Halten sich die Menschen daran? Unterwegs mit Kontrolleuren vom Ordnungsamt Speyer.

Von Lucretia Gather, SWR

Erwischt. Gemüsehändler Steffen Weiler hat seine Maske nicht auf. Auf dem Speyrer Wochenmarkt verkauft er Gemüse, Pfälzer Kartoffeln und frisch gepflückte Erdbeeren aus der Region.

Sulaymann Aruna und Matthias Doll vom kommunalen Vollzugsdienst sind seit dem Morgen in der Stadt unterwegs. Der Wochenmarkt ist einer ihrer ersten Anlaufpunkte.

Freundlich sprechen die zwei Weiler an. Der erklärt, er habe nur kurz etwas trinken wollen. "Das verstehen wir", antwortet Doll freundlich. Und verzichtet darauf, ein Bußgeld zu verhängen. "Wir sind ja keine Unmenschen."

Die meisten tragen Masken 

Ihre Erfahrung nach mehr als zehn Tagen Maskenpflicht: "Die allermeisten Menschen halten sich daran", sagt Doll. "Und wenn sie mal keine Maske tragen, gibt es fast immer eine plausible Erklärung."

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Matthias Doll und Sulaymann Aruna kontrollieren in einem Supermarkt.

So wie bei Gemüsehändler Weiler. Er findet die Maskenpflicht und auch die Kontrollen in Ordnung. "Ich bin froh, dass ich überhaupt arbeiten kann", sagt er und setzt seine selbstgenähte Maske wieder auf.

In Zweier-Teams auf Streife

Täglich schickt das Ordnungsamt Speyer zwei Mitarbeiter des kommunalen Vollzugsdienstes durch die Stadt, zehn Stunden lang wird kontrolliert. Dafür wurde in der zuständigen Abteilung umgebaut. Doll hat vor Corona vor allem den "ruhenden Verkehr" überwacht, also Knöllchen verteilt.

Ähnlich sein Kollege Aruna: Anstatt sich um Lärmbelästigung oder illegale Müllentsorgung zu kümmern, überprüft er jetzt fast nur noch die Einhaltung der Corona-Hygieneregeln.

Dazu gehört auch, in Geschäfte zu gehen und stichprobenartig zu schauen, ob die Abstände eingehalten werden und genug Desinfektionsmittel für die Kunden da ist.

Ruhig schlendern Doll und Aruna durch die Innenstadt, den Speyrer Dom im Rücken, und schauen von der Straße aus in jeden Laden hinein. "Ich glaube, die Regeln würden viel schlechter umgesetzt, wenn wir nicht kontrollieren würden", sagt Aruna. Sein Kollege nickt zustimmend: "Ohne uns würde es anders aussehen."

In den kleinen Geschäften entlang der Maximilianstraße, einer der Haupteinkaufsstraßen von Speyer, haben sie heute nichts auszusetzen.

Nur im Supermarkt fällt ihnen ein junger Mann auf, der seine Maske nur über den Mund, aber nicht über die Nase gezogen hat. Seine Begründung: Seine Brille beschlage immer wieder. "Das hören wir oft von Brillenträgern", sagt Aruna. "Der junge Mann war einsichtig und freundlich, das ist schon okay." Auch hier verzichtet er auf ein Bußgeld, weist den Mann aber darauf hin, dass er die Maske korrekt tragen müsse.

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Matthias Doll und Sulaymann Aruna vom kommunalen Vollzugsdienst in Speyer unterwegs in den Einkaufsstraßen der Stadt

Unterschiedlich hohe Bußgelder

Grundsätzlich gilt: Wer sich nicht an die Corona-Regeln hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit und muss mit einem Bußgeld rechnen. Die Höhe ist dabei von Bundesland zu Bundesland verschieden.  

In Rheinland-Pfalz zum Beispiel kann ein Verstoß gegen die Maskenpflicht mit zehn Euro bestraft werden.

Wer in Bayern ohne Maske in Geschäften oder öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, zahlt mehr als das Zehnfache: 150 Euro. Trägt das Personal in einem Geschäft in Bayern keine Maske oder stimmt das Hygienekonzept nicht, kann das den Inhaber 5000 Euro Strafe kosten. In Rheinland-Pfalz mit 2500 Euro hingegen nur die Hälfte.

Aruna und Doll laufen weiter durch die Speyrer Innenstadt. Sie wollen in einem Friseurladen vorbeischauen. "Gestern gab es dort Ärger, weil zu viele Kunden gleichzeitig im Laden waren und die Abstände nicht eingehalten wurden", sagt Doll. Außerdem habe der Inhaber noch immer den Aufkleber "ohne Termin" auf seiner Scheibe kleben, der müsse weg.

Heute ist der Laden fast leer. Aber: Ein Kunde sitzt ohne Gesichtsmaske auf dem Frisierstuhl. Und der Friseur, der ihm gerade den Nacken ausrasiert, trägt einen Schal, der nur seinen Mund bedeckt.

"Maske beim Frisieren durchgeschnitten"

"Das geht gar nicht", rügt Aruna ihn. Der Friseur erklärt, er habe beim Haare schneiden die Maske des Kunden aus Versehen kaputt geschnitten. Außerdem sei es sehr heiß im Laden, er müsse zwischendurch durch die Nase Luft holen.  

Die beiden Kontrolleure wirken verärgert, erklären dem Friseur aber ganz ruhig noch einmal die Corona-Hygienevorgaben. Aruna nimmt die Personalien des Angestellten auf. Dessen Chef, der Inhaber des Ladens, drohen nun 2500 Euro Strafe. Und auch der Angestellte selbst könnte bald Post vom Ordnungsamt bekommen. Denn auch den Aufkleber "ohne Termin" hat er bisher nicht abgemacht.

Aruna und Doll nehmen alles auf, was sie beobachten. Nach ihrer Schicht wird ihr Vorgesetzter entscheiden, ob ein Bußgeld gegen den Inhaber des Friseurladens verhängt wird oder nicht. 

"95 Prozent unseres Jobs ist Reden", sagt Aruna. Und zieht mit seinem Kollegen weiter. Ihre Schicht ist noch nicht zu Ende.

Korrespondentin

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Lucretia Gather, SWR

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