Ein junger Mann trägt in einer Stadtbahn eine Atemschutzmaske der Kategorie FFP2 (gestellte Aufnahme). | Bildquelle: dpa

Masken und Coronavirus Zwischen Muss und Empfehlung

Stand: 21.04.2020 10:44 Uhr

Maske auf in Bus, Bahn und im Einzelhandel - das wird in immer mehr Bundesländern Pflicht. Der Ärztepräsident hält dies für sinnvoll - aber nur für einen begrenzten Zeitraum. Die Grünen fordern eine gemeinsame Linie von Bund und Ländern.

Zur Eindämmung des Coronavirus setzen immer mehr Bundesländer auf eine Maskenpflicht beim Einkaufen und im öffentlichen Nahverkehr. Mehrere Landesregierungen wollen dies heute besiegeln oder darüber beraten. Eine bundesweit einheitliche Linie gibt es bislang nicht: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten hatten sich vergangene Woche nur darauf verständigt, das Tragen von "Alltagsmasken" in Bussen und Bahnen sowie im Einzelhandel "dringend zu empfehlen".

Die Grünen fordern nun "eine klare, gemeinsame Linie" von Bund und Ländern, wie Parteichefin Annalena Baerbock der Deutschen Presse-Agentur sagte. "Ich halte ein Gebot für einen Mund-Nasen-Schutz im öffentlichen Nahverkehr und beim Einkaufen in Geschäften für richtig", sagte Baerbock. "Es muss klar sein, da, wo man, wie im ÖPNV, direkt auf Menschen trifft, muss ein Mund-Nasenschutz getragen werden." Eine solche Maskenpflicht wird häufig auch als eine Art Gegenpart zu den ersten Lockerungen von Anti-Corona-Maßnahmen gesehen, die am Montag in Kraft getreten waren.

Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt wollen nachziehen

Sachsen war das erster Bundesland, das das Tragen einer Maske zur Pflicht machte. Dort gilt das Gebot bereits seit Montag in Geschäften und im Nahverkehr. Thüringen will ab Freitag nachziehen, Bayern kommende Woche. In Mecklenburg-Vorpommern sind Masken ab kommendem Montag Pflicht, aber nur im Nahverkehr.

In Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt deutet sich ebenfalls eine Maskenpflicht für Einzelhandel und ÖPNV an, in beiden Ländern berät heute die Landesregierung darüber. Einer zuvor ausgesprochenen Empfehlung seien die wenigsten Menschen gefolgt, sagte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) am Montagabend im MDR. Der Berliner Senat spricht ebenfalls über das Thema - wobei es hier in der Koalition zuvor noch unterschiedliche Positionen gab.

Warum nicht gleich eine bundesweite Maskenpflicht?

Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) sagte am Montagabend auf die Frage nach einer bundesweiten Maskenpflicht in den tagesthemen, man habe sich bei der Konferenz der Kanzlerin mit den Ministerpräsidenten an Empfehlungen des Robert Koch-Instituts orientiert.

Solche einfachen Masken - die keine medizinischen Schutzmasken sind - könnten demnach bei richtiger Anwendung einen Zusatznutzen bringen - wenn man sich trotzdem an Kontakt- und Abstandsregeln hält. Deshalb seien sie gerade in geschlossenen Räumen zu empfehlen, sagte Braun. "Aber von einer Verpflichtung war da keine Rede."

Ärztepräsident: Maskenpflicht "für gewissen Zeitraum sinnvoll"

Bundesärztekammerpräsident Klaus Reinhardt reagiert ebenfalls zurückhaltend auf eine Maskenpflicht. "Wenn die Masken im öffentlichen Leben, im Nahverkehr und beim Einkaufen dazu dienen können, den Infektionsgrad zu reduzieren, ist das für einen gewissen Zeitraum sinnvoll", sagte Reinhardt der "Passauer Neuen Presse".

"Ich bin aber kein ausgesprochener Verfechter der Maskenpflicht, denn die Maske wird feucht und kneift. Der Träger fasst sich dann unter Umständen häufiger ins Gesicht." Professionelle Masken, die zuverlässig zu einer Infektionsreduktion führten, seien indes nicht ausreichend für die gesamte Bevölkerung vorhanden.

Fahrgastverband Pro Bahn fordert bundesweite Masken-Regelung
Markus Sambale, ARD Berlin
21.04.2020 07:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. April 2020 um 09:00 Uhr.

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