Eine junge Frau traegt eine FFP2-Atemschutzmaske | picture alliance / Hauke-Christi

Niedersachsen rudert zurück Die Maske bleibt auf

Stand: 21.05.2021 13:44 Uhr

Einkaufen ohne Maske? Das wollte Niedersachsens Regierung vielerorts erlauben. Nach Kritik von mehreren Seiten nimmt sie nun Abstand von dem Vorstoß. Vertreter von Bund und Ländern betonten, wie wichtig Maskentragen nach wie vor ist.

Die Bundesregierung lehnt mögliche Lockerungen der Regeln zum Maskentragen in Deutschland als verfrüht ab. Es gebe Grund genug, "dieses wirksame Mittel der Maske nicht aus der Hand zu geben", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Maskentragen und Abstandhalten seien "die einfachsten und wirksamsten Mittel" zum Schutz vor Ansteckungen.

Es gebe zwar Fortschritte. So habe die Impfkampagne großen Schwung. "Aber es gibt eben auch die Sorge über eine weitere noch ansteckendere Variante des Virus", mahnte Seibert. So sei die erstmals in Indien aufgetauchte Mutante auch in Deutschland aufgetreten. Es spreche vieles dafür, "die Grundregeln Abstand, Hygiene, Maske, Lüftung weiter beizubehalten". Die Pandemie sei noch nicht vorbei.

Niedersachsen rudert zurück

Die Regierung in Niedersachsen hatte zuvor eine Aufhebung der Maskenpflicht im Einzelhandel bei niedrigen Inzidenzwerten erwogen - hält aber nun doch daran fest. Die niedersächsische Gesundheitsministerin Daniela Behrens twitterte, man werde solchen Überlegungen nicht folgen. "Es wird keine Aufhebung der Pflicht zur Mund-Nasen-Bedeckung in Niedersachsen geben. Mund-Nasen-Bedeckung rettet Leben." Zuvor hatte es Kritik an Überlegungen aus der Landesregierungen gegeben, die Maskenpflicht unterhalb eines Wertes von 35 aufzuheben. Landesregierungen mehrerer anderer Bundesländer betonten, dass sie an der Maskenpflicht beim Einkaufen festhalten.

Warnung vor zu schnellen Lockerungen

Zuvor hatten auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und RKI-Chef Lothar Wieler für den weiterhin wichtigen Schutz mit Abstand und Masken geworben. Er habe den Eindruck, "dass im Moment wochenweise in einigen Ländern Lockerungen gemacht werden", sagte Spahn. Zwischen Bund und Ländern sei aber vereinbart, vor möglichen nächsten Schritten zunächst zwei, drei Wochen zu warten und zu sehen, welche Auswirkungen dies auf das Infektionsgeschehen habe.

Vorsicht gelte etwa auch für den Einzelhandel, wo sich leicht Menschentrauben bilden könnten. Wieler sagte, es gebe immer mehr Belege dafür, wie wirksam Masken auch in Alltagssituationen seien.

"Wissenschaftliche Erkenntnis spielt kaum noch eine Rolle"

Scharfe Kritik an den Überlegungen für weitreichende Lockerungen angesichts sinkender Corona-Infektionszahlen in Niedersachsen kam von Patientenschützern. "Nicht ein Produkt wird in Deutschland mehr verkauft, nur weil die Maskenpflicht im Einzelhandel fällt", warnte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Der Schutz von Mund und Nase sei die einfachste Hygieneregel, solange noch nicht genügend Menschen geimpft seien: Wissenschaftliche Erkenntnis spiele für politische Entscheidungen kaum eine Rolle mehr, beklagte er.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 21. Mai 2021 um 12:50 Uhr.