Spitze, Fieberthermometer und Akte | Bildquelle: imago/Christian Ohde

Robert-Koch-Institut Zu wenig Masernschutz bei Schulanfängern

Stand: 02.05.2019 08:07 Uhr

Bis zu sieben Prozent der Schulanfänger in Deutschland haben laut einer neuen Studie keinen ausreichenden Masernschutz. Gesundheitsminister Spahn pocht daher auf eine Impfpflicht.

In Deutschland haben sieben Prozent der Schulanfänger keinen ausreichenden Masernschutz. Das berichten die Zeitungen der Funke Mediengruppe unter Berufung auf die neue Statistik des Robert-Koch-Instituts (RKI) zu Impfquoten. Die Zahlen des Instituts beziehen sich auf das Jahr 2017.

So haben zwar insgesamt 97,1 Prozent der Schulanfänger die erste Impfung bekommen. Bei der zweiten Masernimpfung dagegen gibt es große regionale Unterschiede. Bei Kindern sind nach den neuen Daten des RKI nur gut 93 Prozent zweimal gegen Masern geimpft.

Zweite Impfung keine Auffrischung

Experten gehen davon aus, dass eine Elimination der Krankheit vorliegt, wenn in Deutschland eine endemische Übertragung der Masern über mindestens zwölf Monate nicht mehr zu beobachten ist. Dafür muss bei mindestens 95 Prozent der Bevölkerung eine ausreichende Immunität vorliegen. Die ständige Impfkommission empfiehlt deswegen zwei Impfungen bis zum Ende des zweiten Lebensjahres, damit die Kinder bereits in der Kita geschützt sind.

Es handelt sich bei der zweiten Impfung um keine Auffrischung, sondern um eine Wiederholung. Denn durch die erste Impfung wird bei 90 bis 95 Prozent der Kinder ein Schutz erreicht; die restlichen fünf bis zehn Prozent sollen durch die zweite Impfung geschützt werden.

Impfquote von 95 Prozent nicht erreicht

Die auf Bundesebene gewünschte Impfquote von 95 Prozent sei somit noch immer nicht erreicht, hieß es. Die schlechtesten Quoten für die zweite Masernimpfung von Schulanfängern gibt es demzufolge in Baden-Württemberg (89,1 Prozent) und im Saarland (90,5 Prozent).

Nur in zwei Bundesländern liegt die Quote über der Zielmarke von 95 Prozent: Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern mit jeweils 95,5 Prozent. Insgesamt wurden die Daten der Schuleingangsuntersuchungen von rund 650.000 Kindern ausgewertet.

Spahn pocht auf Impfpflicht

"Die Impfquoten bei Schulanfängern sind gut, aber nicht gut genug", sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn den Funke-Medien. "Denn erst wenn mehr als 95 Prozent gegen Masern geimpft sind, können wir diese gefährliche Infektionskrankheit ausrotten." Deshalb müsse diese Impfung verpflichtend werden.

Jens Spahn am Rednerpult im Bundestag
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Will eine Impfpflicht gegen Masern einführen: Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

Kein Einzel-Impfstoff verfügbar

Kinderärzte weisen unterdessen auf Probleme bei den Impfstoffen hin. "In Deutschland ist derzeit kein Einzelimpfstoff gegen Masern mehr verfügbar", sagte Thomas Fischbach, Präsident des Bundesverbands der Kinder- und Jugendärzte den Funke-Zeitungen. Der Masernimpfstoff sei nur als Dreifach- oder Vierfachimpfstoff erhältlich - zusammen mit den Impfstoffen gegen Mumps, Röteln und zum Teil auch gegen Windpocken.

"Es wäre nicht sinnvoll, im Zuge einer Masern-Impfpflicht wieder zu Einfachimpfstoffen zurückzukehren", warnte Fischbach. "Besser wäre es, gleich die Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln zur Pflicht zu machen."

Angesichts einer Zunahme von Masern-Fällen gibt es in einer Reihe westlicher Staaten eine Debatte über eine Impflicht. Masern können zu schwerem Durchfall, Sehschäden sowie Lungen- und Hirnhautentzündungen führen und tödlich enden. In den Industrienationen geht die Ausbreitung der Masern vornehmlich auf eine zunehmende Impfskepsis zurück.

Mehr Masernausbrüche in 2018

Die Weltgesundheitsorganisation und das UN-Kinderhilfswerk UNICEF schlugen jüngst wegen der Ausbreitung der Masern Alarm. Im ersten Quartal 2018 registrierte die WHO einen drastischen Anstieg der Infektionen: Weltweit wurden demnach mehr als 112.000 Fälle gemeldet, viermal so viel wie im Vorjahreszeitraum.

Im vergangenen Jahr war die Zahl der gemeldeten Infektionen laut WHO im Vergleich zu 2017 um 50 Prozent gestiegen. Weltweit starben 136.000 Menschen an den Masern. Laut Unicef wurden 2018 in 98 Ländern mehr Masern-Fälle registriert als 2017. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 02. Mai 2019 um 08:00 Uhr in den Nachrichten.

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