Ein Mensch wird geimpft.

Medizinertagung in Münster Ärztetag für generelle Impfpflicht

Stand: 31.05.2019 17:40 Uhr

Auch wenn es kurz und kräftig piekst: Kinder und auch Erwachsene profitieren von einer generellen Impfpflicht. Davon ist der Deutsche Ärztetag überzeugt und geht noch einen Schritt weiter als Minister Spahn.

Der Deutsche Ärztetag begrüßt die Pläne von Bundesgesundheitsminister Spahn zur Einführung einer gesetzlichen Impfpflicht gegen Masern. Die Mediziner gehen sogar noch einen Schritt weiter: Um das Ziel eines möglichst lückenlosen Impfschutzes der Bevölkerung zu erreichen, müsse eine generelle Impfpflicht eingeführt werden.

Die 250 Delegierten befürworteten bei ihrem Treffen in Münster außerdem klar Spahns Vorhaben, wonach künftig alle Mediziner Schutzimpfungen durchführen dürfen. Bislang sind Fachärzte dabei an ihre Gebietsgrenzen gebunden.

Spitze, Fieberthermometer und Akte | Bildquelle: imago/Christian Ohde
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Die Zahl der Menschen mit wirksamem Masern-Impfschutz ist in Europa seit Jahren rückläufig.

Spahn plant Masern-Impfpflicht von März 2020 an

Der Gesetzentwurf des Bundesgesundheitsministers sieht eine Impfpflicht gegen Masern von März 2020 an vor. Sie soll für Kinder, Kita- und Schulpersonal sowie für Beschäftigte medizinischer Einrichtungen gelten.

Die klare Position des Ärztetages ist auch unter Medizinern keine Selbstverständlichkeit. Impfexperten des Robert-Koch-Instituts hatten unlängst betont, es gebe gute Gründe für und gegen eine Impfpflicht und forderten eine wissenschaftliche Begleitung einer solchen gesetzlichen Regelung.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache

Eindeutig sind die internationalen Zahlen. So warnt das Europäische Zentrum für Krankheitsprävention und -kontrolle (ECDC) vor einer in Europa weiterhin bestehenden Gefahr von Masernerkrankungen. Zwischen Januar 2016 und März 2019 seien auf dem gesamten Kontinent mehr als 44.000 Fälle gemeldet worden.

Das ECDC spricht von einem "unnötigen Risiko für viereinhalb Millionen Kinder und Teenager, an Masern zu erkranken", weil in Europa nicht die derzeitigen globalen Impfquoten erreicht würden. Seit Jahren nehme die Impfabdeckung ab, so dass die Masern ein Gesundheitsrisiko blieben.

EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andriukaitis beklagt, dass die Masern nach der Zielsetzung der Weltgesundheitsorganisation auf europäischem Gebiet bereits bis zum Jahr 2000 hätte ausgerottet sein sollen. "Trotzdem ist Europa weiter weit davon entfernt, ein masernfreier Kontinent zu sein."

Nur wenig anerkannte Impfschäden

Zu dem von Impfgegnern häufig vorgebrachte Argument, dass durch Impfungen schwere gesundheitliche Schäden entstehen könnten, liegen keine Zahlen vor. Laut Nationalem Impfplan wurden zwischen 2005 und 2009 insgesamt 1036 Anträge auf Anerkennung von Impfschäden gestellt. Davon seien lediglich 169 Anträge erfolgreich gewesen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk24 am 31. Mai 2019 um 19:00 Uhr in den Nachrichten.

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