Medikamente und ein Fieberthermometer liegen auf einem Nachttisch | Bildquelle: dpa

2017 starker Anstieg Fast 1000 Masernfälle in Deutschland

Stand: 17.08.2018 11:43 Uhr

In Deutschland hat es 2017 fast dreimal so viele Masernfälle gegeben wie im Jahr zuvor. Noch immer sind viele Kleinkinder nicht ausreichend geimpft. Experten beklagen ein "gefährliches Unwissen".

Im vergangenen Jahr hat es fast dreimal so viele Masernfälle in Deutschland gegeben wie 2016. Insgesamt wurden 929 Masernerkrankungen übermittelt, darunter ein Todesfall. Das teilte das Robert-Koch-Institut (RKI) mit. 2016 wurden hingegen nur 325 Fälle registriert.

Die meisten Erkrankungen mit 520 Fällen gab es im vergangenen Jahr in Nordrhein-Westfalen. Auch Hessen, Berlin, Sachsen, Bayern und Baden-Württemberg waren häufiger betroffen. Sieben Bundesländer übermittelten allerdings auch weniger als zehn Fälle im ganzen Jahr.

Für das laufende Jahr wurden bis Ende Juni laut RKI bislang 387 Masernfälle registriert. Das sind weniger als im Vergleichszeitraum von 2017. Das Jahr 2015 zählte mit fast 2500 Fällen zu einem der masernreichsten Jahre seit Beginn der Meldepflicht.

Deutschland verfehlt weiterhin Impfziel

2001 waren nach Einführung der Meldepflicht die Masernfälle aufgrund steigender Impfquoten zunächst deutlich zurückgegangen. Seit einigen Jahren beobachtet das RKI allerdings eine Stagnation. Jahre mit weniger Erkrankungsfällen würden von Jahren mit zum Teil ausgedehnten Ausbrüchen und vielen Masernfällen abgelöst.

Erst kürzlich hatte die Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), Heidrun Thaiss, ein "gefährliches Unwissen über Masern" in Teilen der Bevölkerung beklagt. Masern seien keine Kinderkrankheit, "die man einfach mal zum Wohle des Immunsystems überstehen muss", sagte Thaiss in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe. Trotzdem gebe es bei Impfungen eine "besorgniserregende Entwicklung".

Mehr zum Thema

Zwei bis vier Prozent verweigern sich Impfung

Laut einer Studie der BZgA weigern sich etwa zwei bis vier Prozent der Bevölkerung, sich oder ihre Kinder impfen zu lassen. Nach wie vor verfehlt Deutschland das Masernimpfziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von mindestens 95 Prozent der Bevölkerung.

Vor allem die zweite Masernimpfung erfolgt häufig zu spät und nicht wie empfohlen vor dem zweiten Geburtstag. Aber auch die großen Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen sind eine Erklärung für größere Masernausbrüche.

Eine Masernerkrankung könne "dramatische Spätfolgen" nach sich ziehen und in wenigen Fällen sogar zum Tod führen, sagte Thaiss. Der BZgA-Studie zufolge haben fast ein Drittel der Deutschen Angst vor Nebenwirkungen von Impfungen. "Andere sehen schlicht keine Notwendigkeit, sich oder die eigenen Kinder impfen zu lassen".

Bei einer kleinen Gruppe handelt es sich für die BZgA-Chefin um "richtig harte Impfgegner, die ideologisch argumentieren". Diese Menschen ließen sich von der Aufklärungsarbeit ihrer Behörde nicht überzeugen. Krankheiten wie die Masern ohne Impfung durchstehen zu wollen, um die Abwehrkräfte zu stärken, hält Thaiss schlicht für "fatal".

Über dieses Thema berichtete am 19. April 2018 Deutschlandfunk um 13:00 Uhr und 14:00 Uhr in den Nachrichten. Am 23. April 2018 berichtete MDR Kultur - Das Radio um 08:05 Uhr darüber.

Darstellung: