Marco Bülow hält eine Rede im Deutschen Bundestag. | Bildquelle: dpa

Bülow tritt Satire-Partei bei Einer fürs Ernste

Stand: 17.11.2020 21:54 Uhr

Der frühere SPD-Politiker Marco Bülow tritt der Satire-Partei um Martin Sonneborn bei - und wird damit ihr erster Vertreter im Bundestag. Dabei ist er gar nicht witzig. 

Von Marcel Heberlein, ARD-Hauptstadtstudio

Pandemie, Klimakrise und dann auch noch Regenwetter - eigentlich reichlich Gründe für trübe Stimmung an diesem Novembertag auf der Wiese vor dem Bundestag. Martin Sonneborn, der Chef der Satire-Partei "Die Partei", ist trotzdem in Feierlaune. Er hält einen überdimensionierten Mitgliedsausweis in die Kameras. "Mitgliedsnummer 50.000", sagt Sonneborn. "Das ist eine Mitgliedsnummer, die wir übrigens freigehalten haben für besondere Anlässe, besondere Eintritte. Das ist glaube ich der spektakulärste Eintritt in diesem Jahr."

Martin Sonnenborn präsentiert den neuen Partei-Mitgliedsausweis von Marco Bülow. | Bildquelle: dpa
galerie

Marco Bülow (li.) wird Mitglied Nummer 50.000 in der Satirepartei von Martin Sonneborn.

Für die Partei ist es ein Coup. Marco Bülow - lange für die SPD im Bundestag, dann ausgetreten und parteilos, wird jetzt der erste Abgeordnete, den die Satirepartei im Bundestag hat. Dabei passt Bülow da eigentlich gar nicht rein. Muss auch nicht sein, findet Parteichef Sonneborn: "Wir erwarten ja nicht, dass Marco Bülow jetzt anfängt, lustige Sachen zu machen."

Bülow will nicht lustig sein

Lustig sein - das will Bülow auch lieber nicht probieren. Wobei er auch sagt: "Ich lache ja eigentlich häufig im Bundestag. Nur ich glaube, dass die Reden vielleicht die Leute gar nicht lustig gemeint haben."

Das sieht Bülow dann auch als die Schnittmenge mit den Satirikern um Sonneborn. Auch er erkennt im Berliner Politikbetrieb oft Real-Satire. Lobbyismus und Finanzskandale, zu wenig Geld für Umweltschutz, zu wenig für Pflegepersonal - absurd sei das alles, sagt Marco Bülow. "Ich glaube mit Satire gewinnt man die Menschen dafür, genau diese Strukturen aufzubrechen - und das brauchen wir. Und da beginnt die Zusammenarbeit."

"Langweiliger Scheiß" gehöre dazu

In der SPD stand Bülow einst weit links, später konnten auch SPD-Linke mit ihm nur noch wenig anfangen. Erst recht als er dann Sahra Wagenknechts Sammlungs-Bewegung "Aufstehen" unterstützt hat. Jetzt könnte Bülow zum Vorreiter des realpolitischen Flügels der Satire-Partei werden - also einer von denen, die ernsthaft an Politik mitarbeiten wollen. "Ich glaube, irgendjemand muss eben auch den langweiligen Scheiß machen. Das gehört eben auch dazu", sagt Bülow. 

Eine Win-Win-Win-Win-Win-Win-Situation

Als Umwelt- und Sozialpolitiker ist Bülow im Bundestag unterwegs. Seiner schwächelnden Polit-Karriere könnte der öffentlichkeitswirksame Eintritt bei den Satirikern vielleicht noch einmal einen Schub geben. Und auch Chef-Satiriker Sonneborn sieht in Bülow etwas, das seine Partei gut gebrauchen kann: "Es ist doch so: Marco stellt wirklich Öffentlichkeit für die Prozesse her, die im Deutschen Bundestag ablaufen und die nicht an die Öffentlichkeit gelangen", sagt Sonnenborn. "Und wenn wir das mit einer Grafik, mit einer Polemik, mit einem Witz in die Öffentlichkeit transportieren helfen können, dann ist das eine Win-Win-Win-Win-Win-Win-Situation."

So sieht also erstmal die Arbeitsteilung aus. Bülow liefert den ernsten Teil. Sonneborn und Co. den Humor. Zumindest bis zum nächsten Jahr. Denn dann will Sonneborn vielleicht selbst für den Bundestag kandidieren.

Ex-SPD-Mitglied Marco Bülow tritt in Satire-Partei ein
Marcel Heberlein, ARD Berlin
17.11.2020 21:58 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 18. November 2020 um 07:30 Uhr.

Darstellung: