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Festnahme in Berlin Al Dschasira will Freiheit für Reporter

Stand: 21.06.2015 12:51 Uhr

Der Journalist Mansur ist in der arabischen Welt bekannt - jetzt wurde er am Flughafen Berlin-Tegel festgenommen. Grund: ein Haftbefehl aus Ägypten, wo er zu 15 Jahren Haft verurteilt worden war. Al Dschasira hält das für absurd - und will seine Freilassung.

Der in Katar ansässige arabische TV-Sender Al Dschasira hat von deutschen Behörden die Freilassung des in der arabischen Welt sehr bekannten Journalisten Ahmed Mansur verlangt. Nach Angaben des Senders wurde er am Samstag auf dem Berliner Flughafen Tegel festgenommen, als er nach Doha fliegen wollte. Mansur gehört zu den bekanntesten TV-Journalisten der arabischen Welt. Für seine Interviewsendung "Bi La Hudud" ("Ohne Grenzen") hatte er in dieser Woche in Berlin ein Interview geführt.

Website von al-Dschasira (Screenshot)
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Al-Dschasira appelliert an Deutschland, sich nicht zum Gehilfen der ägyptischen Regierung zu machen.

Die Bundesregierung dürfe sich nicht zum Komplizen der ägyptischen Behörden bei der Verfolgung von Medienmitarbeitern machen, hieß es auf der Internetseite des Senders.

Al Dschasira veröffentlichte im Internet ein kurzes Video, das Mansur am Flughafen Berlin-Tegel zeigt. Darin erklärt der Journalist, alle Vorwürfe seien erfunden und gefälscht. Nach Angaben des Senders wird ihm unter anderem Vergewaltigung und Raub vorgeworfen.

Ein Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft sagte inzwischen, man prüfe derzeit, ob der Haftbefehl aufrecht erhalten bleibt.

Wegen absurder Vorwürfe verurteilt?

Ein Strafgericht in Kairo hatte Mansur im vergangenen Jahr in Abwesenheit zu 15 Jahren Haft verurteilt. Ihm wurde vorgeworfen, im Frühjahr 2011 während der Proteste gegen den damaligen Langzeitherrscher Hosni Mubarak auf dem Kairoer Tahrir-Platz an der Folter eines Anwalt beteiligt gewesen zu sein. Mansur habe diese "absurden Beschuldigungen" zurückgewiesen.

Angeblich gibt es einen internationalen Haftbefehl gegen Mansur von Interpol. Wenn dem so ist, hätte die Bundespolizei in Berlin diesen zunächst ausgeführt. Mansur selbst bestreitet dies aber. "Die Ermittler haben mich informiert, dass die Anfrage für meine Festnahme aus Deutschland kam und sie keine Reaktion auf eine Anfrage von Interpol war", sagte Mansur in einer Video-Botschaft. Es sei wahrscheinlich, dass es in seinem Fall eine Absprache zwischen deutschen und ägyptischen Behörden gebe, so Mansur weiter. "Wenn das stimmt, wäre es eine Schande für Deutschland".

Al Jazeera - die Stimme Arabiens

Der Nachrichtensender Al Jazeera hat seine Zentrale im Golfstaat Katar. Er gilt als eines der einflussreichsten Medien in der arabischen Welt. Der Sender erreicht mit seinem englischsprachigen Sender nach eigenen Angaben mehr als 220 Millionen Haushalte in über 100 Ländern. Über Satellit werden auch arabische Programme verbreitet. Im "Arabischen Frühling" im Jahr 2011 stand Al Jazeera offen auf der Seite der Revolutionäre in Ägypten und Tunesien. Die jetzige ägyptische Regierung wirft dem Kanal vor, einseitig zugunsten der Muslimbrüder zu berichten, deren Präsident Mohammed Mursi 2013 vom Militär gestürzt wurde.
Gegründet wurde Al Jazeera im Jahr 1996. Für das Netzwerk arbeiten nach Angaben des Senders mehr als 3000 Menschen, darunter über 400 Journalisten aus mehr als 60 Ländern.

Die Regierung in Kairo betrachtet Al-Dschasira mit Sitz in Doha als Unterstützer der in Ägypten mittlerweile verbotenen Muslimbrüder. Der Sender gilt als scharfer Kritiker von Präsident und Ex-General Abdel Fattah al-Sisi. Die Armee hatte noch mit al-Sisi an der Spitze vor fast zwei Jahren nach Massenprotesten den ersten frei gewählten Staatschef Mohammed Mursi abgesetzt, der zu den Muslimbrüdern gehört.

Im vergangenen Jahr hatte ein Gericht in Kairo drei Reporter von Al Dschasira zu sieben Jahren Haft verurteilt, darunter den Australier Peter Greste. Den Männern war vorgeworfen worden, die Muslimbrüder unterstützt zu haben. Mittlerweile sind sie wieder frei. Der Fall wird neu verhandelt.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. Juni 2015 um 13:15 Uhr.

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