Frankreichs Präsident Macron im Bundestag. | Bildquelle: AFP

Macron im Bundestag "Europa muss stärker werden"

Stand: 18.11.2018 14:56 Uhr

Es war ein leidenschaftliches Plädoyer für Europa: Im Bundestag warb der französische Präsident Macron für mehr gemeinsame Verantwortung. Nur so seien die Herausforderungen zu meistern. Dabei müsse jeder auch etwas abgeben.

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat für ein stärkeres Europa geworben. Gemeinsam müsse man sich neuen Risiken stellen, sagte er in einer Rede zum Volkstrauertag im Deutschen Bundestag. "Wir müssen den Mut finden, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Das schulden wir Europa."

Er forderte, Europa in Zeiten eines neuen Nationalismus krisenfester zu machen. "Wir stehen vor den selben Herausforderungen und Hoffnungen", so Macron. "Wir alle wünschen uns eine geregelte Weltordnung, einen fairen Handel, eine geschützte Umwelt und ausgewogene Verhältnisse." Er sieht besonders Deutschland und Frankreich in der Verantwortung, Europa mit der notwendigen Souveränität auszustatten.

"Das ist mit Angst verbunden", sagte Macron weiter. "Jeder von uns wird im Sinne einer Vergemeinschaftung seine Entscheidungsbefugnisse, seine Außenpolitik, seine Migrations- oder Entwicklungspolitik sowie einen wachsenden Teil seines Haushalts oder sogar seiner Steuereinnahmen teilen müssen."

Angela Merkel und Emmanuel Macron | Bildquelle: REUTERS
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Deutschland und Frankreich hätten eine große gemeinsame Verantwortung, meint der französische Präsident Macron.

Macron fordert mehr Eigenverantwortung

Europa habe die Pflicht, die Welt nicht ins Chaos abgleiten zu lassen. "Es gibt Mächte, die versuchen, uns gegeneinander auszuspielen." Europas wahre Stärke bleibe die Einheit. Wenn die Bürger gegen neue Risiken geschützt werden sollten und Europa selbst über seine Zukunft entscheiden wolle, brauche es mehr Souveränität. "Europa wird seiner Rolle nie gewachsen sein, wenn es nicht mehr Eigenverantwortung übernimmt, sondern sich mit einer untergeordneten Rolle in der Weltpolitik abgibt", so der französische Präsident.

Die Bedeutung dieser Zeit sei "uns noch nicht vollends bewusst." Grenzpolitik, Verteidigung, Digitalisierung und Währungsabhängigkeit seien Bereiche, "die von unseren Gesetzen noch stiefmütterlich behandelt werden". Hier gebe es noch Berührungsängste. Macron will die EU vor allem unabhängiger von der langjährigen Schutzmacht USA machen, er fordert deshalb unter anderem eine europäische Armee.

In Europa müssen sich jede Generation auf ihre Art und Weise einbringen und zwischen den Völkern müssten alle Generationen zusammenhalten. "Wir wissen, was wir zusammen und geeint erreichen können." Dabei müsse man aber auch bereit sein, unterschiedliche Bündnisse zu akzeptieren - "aber immer im Sinne der gegenseitigen Offenheit und unter Berücksichtigung der Interessen eines vereinten Europas".

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Volkstrauertag

Erstmals Volkstrauertag 1925

Jedes Jahr im November - zwei Sonntage vor dem ersten Advent - wird in Deutschland aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Die Ursprünge des Volkstrauertages reichen bis in die Weimarer Zeit hinein: 1919 schlug der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge einen Gedenktag für die gefallenen deutschen Soldaten des Ersten Weltkriegs vor. Eine erste Gedenkstunde fand 1922 im Reichstag statt. Am 1. März 1925 wurde der Volkstrauertag dann erstmals begangen - einen Tag nach dem Tod von Reichspräsident Friedrich Ebert.

"Gemeinsamkeiten größer als Unterschiede"

Macron bedankte sich, dass er an diesem Tag im Bundestag reden dürfe: "Das ist ein großes Signal der Versöhnung." Die Gemeinsamkeiten seien größer als die Unterschiede. "Deutschland habe die "blutrünstigen Dämonen des Nationalismus" überwunden. "Kein Volk hat seine Geschichte so aufrichtig aufgearbeitet, um Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen." Er sei stolz, dass Frankreich bei dieser Wiederauferstehung eine Rolle gespielt habe.

Für seine Rede erhielt Macron lang anhaltenden Applaus. Davor hatten er und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit Jugendlichen gesprochen. Es gehe darum, "über unsere gemeinsame Geschichte" nachzudenken und daran zu arbeiten. Die Jugend könne nicht die Zukunft aufbauen, "wenn sie nicht weiß, woher sie kommt", sagte Macron bei dem Treffen in Berlin.

Macron hält Gedenkrede am Volkstrauertag
tagesschau 17:15 Uhr, Martin Polansky, ARD Berlin

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. November 2018 um 15:00 Uhr.

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