Heiko Maas | OLIVIER HOSLET/POOL/EPA-EFE/Shut

Gasstreit im Mittelmeer Maas warnt Türkei vor "Provokation"

Stand: 13.10.2020 08:37 Uhr

Außenminister Maas will heute mit Griechenland und Zypern über den Erdgasstreit der beiden EU-Staaten mit der Türkei sprechen. Er warnte Ankara mit deutlichen Worten vor einer Eskalation in dem Streit.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich auf den Weg nach Zypern und Griechenland gemacht, um über den Erdgasstreit der beiden EU-Staaten mit der Türkei zu sprechen.

Vor seinem Abflug warnte Maas die Türkei vor einer Eskalation in dem Streit: "Ankara muss das Wechselspiel zwischen Entspannung und Provokation beenden, wenn die Regierung an Gesprächen interessiert ist - wie sie es ja wiederholt beteuert hat", sagte er mit Hinweis auf die Entsendung eines türkischen Explorationsschiffes.

"Volle Solidarität" mit Zypern und Griechenland

Die EU-Partner Zypern und Griechenland hätten die "volle Solidarität, auch in unserer aktuellen Rolle als EU-Ratspräsidentschaft", betonte der SPD-Politiker. Es sei klar, dass alle Seiten an einem vernünftigen Nachbarschaftsverhältnis arbeiten müssten. "Wir appellieren daher an die Türkei, dass das gerade geöffnete Dialogfenster mit Griechenland durch einseitige Maßnahmen nicht wieder zugestoßen wird."

Maas forderte die Türkei auf, die Gasexplorationen in den umstritteneren Seegebieten nicht wieder aufzunehmen. Dies wäre "ein herber Rückschlag" für die Bemühungen um eine Deeskalation und die Fortentwicklung der EU-Türkei-Beziehungen.

Keine Weiterreise in die Türkei

In Zypern sind zunächst Treffen mit Präsident Nikos Anastasiadis sowie Außenminister Nikos Christodoulidis geplant. Im Anschluss fliegt Maas weiter nach Athen, um Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis sowie seinen Kollegen Nikos Dendias zu treffen. Zu einem anschließenden Türkei-Besuch, über den türkische und griechische Medien bereits berichtet hatten, kommt es dagegen nicht.

Nach einem Monat Pause hatte die Türkei das Explorationsschiff "Oruc Reis" wieder in die Region südlich der griechischen Insel Kastellorizo entsandt, um weitere seismische Messungen vorzunehmen. Es soll dort bis zum 20. Oktober bleiben. Das griechische Außenministerium hatte den Schritt als "direkte Bedrohung des Friedens und der Sicherheit in der Region" bezeichnet.

Das Schiff war erst im vergangenen Monat im Vorfeld eines EU-Gipfels aus umstrittenen Gewässern abgezogen worden. Die Türkei hatte dies als Signal der Diplomatie bezeichnet.

Seit der Entdeckung reicher Gasvorkommen in der Region gibt es heftigen Streit um deren Ausbeutung. Sowohl die EU-Mitglieder Griechenland und Zypern als auch die Türkei erheben Anspruch auf die betreffenden Seegebiete.

Gasstreit auch Thema bei EU-Gipfel?

Am Donnerstag und Freitag könnte der Gasstreit auch Thema beim EU-Gipfel werden. Die EU hatte Anfang Oktober auf von Zypern und Griechenland geforderte Sanktionen gegen die Türkei verzichtet, aber für den Fall neuer türkischer Maßnahmen im Erdgaskonflikt eine Reaktion angedroht.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 13. Oktober 2020 um 08:08 Uhr.