Der Bundesaußenminister Heiko Maas | Bildquelle: dpa

Chinas "Neue Seidenstraße" Maas warnt vor "bitterem Beigeschmack"

Stand: 24.03.2019 11:44 Uhr

Bundesaußenminister Maas hat Italiens Alleingang bei der Beteiligung am chinesischen Großprojekt "Neue Seidenstraße" scharf kritisiert: China agiere als Wirtschaftsmacht "global beinhart", warnte er.

Es sind scharfe Töne, die Bundesaußenminister Heiko Maas einen Tag nach dem Einstieg Italiens in das chinesische Großprojekt "Neue Seidenstraße" anschlägt. Im Interview mit der "Welt am Sonntag" warnte der SPD-Politiker:

"Sollten einige Länder glauben, man kann mit den Chinesen clevere Geschäfte machen, werden sie sich wundern und irgendwann in Abhängigkeiten aufwachen."

Nicht nur Partner, auch starker Konkurrent

Kurzfristig lukrative Geschäfte könnten "schneller als gedacht einen bitteren Beigeschmack" bekommen, warnte Maas weiter. Denn China verfolge die eigenen wirtschaftlichen Interessen "global beinhart".

Mit dem Aufstieg der Volksrepublik zu mittlerweile einer der größten Wirtschaftsmächte weltweit wuchsen vor allem im Westen auch die Ängste - denn China wurde nicht nur Handelspartner, sondern vor allem auch immer mehr zum Konkurrenten.

Innovation, um Bürger zu kontrollieren

Inzwischen wird vor einer Übermacht Chinas gewarnt, gerade im Bereich Technologie, und davor, dass sich die chinesischen Firmen die Kenntnisse für ihre Innovationen aus dem Ausland holen. Maas warnte auf Twitter, China würde seine Zukunftstechnologien auch dazu nutzen, die Bürger im eigenen Land zu kontrollieren.

Italien will als erster G7-Staat mitmachen

Die "Neue Seidenstraße", namentlich angelehnt an die historischen Handelsrouten durch Ostasien und den Mittelmeerraum, ist für China ein Weg, den Status als internationale Wirtschaftsgröße zu festigen und auszubauen. Der Handel mit Asien, Afrika und Europa soll ausgebaut werden, dafür sollen neue Verkehrswege - Straßen, Schienen, Seeverbindungen - errichtet werden.

Von Anfang an war das Projekt in Europa umstritten: ein Risiko für die einen, eine Chance für engere Partnerschaft für die anderen. Auch innerhalb der italienischen Regierung standen sich Befürworter und Kritiker gegenüber. Doch am Samstag besiegelte Italien als erster der G7-Staaten seine Teilnahme an der "Neuen Seidenstraße - zunächst aber nur per Absichtserklärung, also rechtlich nicht bindend.

Aus Sicht von Außenminister Maas schlägt Italien mit diesem Alleingang die falsche Richtung ein, denn gegenüber den "Riesen" wie China, Russland oder den USA könnten die europäischen Staaten "nur bestehen, wenn wir als EU geeint sind".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. März 2019 um 10:00 Uhr.

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