Transportmaschinen auf dem Flughafen Tempelhof beim Löschen der Fracht | Bildquelle: picture alliance / akg-images

70 Jahre Berliner Luftbrücke Als die Rosinenbomber kamen

Stand: 26.06.2018 07:17 Uhr

Als West-Berlin 1948 von der Außenwelt abgeschnitten wurde, startete unter US-Führung eine beispiellose Rettungsaktion. Für die Siegermächte war die Luftbrücke eine Investition in eine bessere Zukunft.

Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Der Westen Berlins war vor 70 Jahren eine Insel der Freiheit in existentieller Gefahr. Am 24. Juni 1948 ließ der sowjetische Staatschef Josef Stalin alle Straßen, Bahnlinien und Wasserwege nach West-Berlin sperren. Als Antwort auf die Einführung der D-Mark in den westlichen Besatzungszonen wollte Stalin West-Berlin abschneiden und aushungern.

70 Jahre Luftbrücke
tagesschau 17:00 Uhr, 26.06.2018, Jakob Schaumann, HR

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Appell an die "Völker der Welt"

Der damalige West-Berliner Oberbürgermeister Ernst Reuter richtete drei Monate nach Beginn der Blockade einen verzweifelten Appell an die Weltgemeinschaft: "Schaut auf diese Stadt und erkennt, dass Ihr diese Stadt und dieses Volk nicht preisgeben dürft!"

Ernst Reuter fordert Beistand für das blockierte Berlin | Bildquelle: picture-alliance / akg-images
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Ernst Reuter forderte Beistand für das blockierte Berlin.

Die USA und Großbritannien, später auch Frankreich und Kanada, ließen West-Berlin nicht im Stich und antworteten mit der größten Rettungsaktion, die es je gab: Fast ein Jahr lang wurde der Westen Berlins vom 26. Juni an aus der Luft versorgt. Schon wenige Tage nach Beginn der Luftbrücke berichtete ein Rias-Reporter: "Alle acht Minuten landet eine Maschine auf dem Flugfeld in Berlin-Tempelhof."

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70 Jahre Berliner Luftbrücke

West-Berliner Jungen, die auf einem Trümmerberg stehen, begrüßen winkend ein US-amerikanisches Transportflugzeug

West-Berliner Jungen, die auf einem Trümmerberg stehen, begrüßen winkend ein US-amerikanisches Transportflugzeug, das Versorgungsgüter in die Stadt bringt. Von Juni 1948 bis Mai 1949 wurde die Bevölkerung dort während der Blockade durch die Sowjetunion von den Westalliierten aus der Luft versorgt. | Bildquelle: picture-alliance/ dpa

Rund 280.000 Flüge in fast einem Jahr

In den nächsten 322 Tagen flogen die Amerikaner von Frankfurt und Wiesbaden und die Briten von Hamburg und Schleswig-Holstein nach Tempelhof, Gatow und Tegel: insgesamt knapp 280.000 Flüge, überwiegend mit Kohle, Mehl, Ei- und Milchpulver sowie anderen Lebensmitteln. Weil die ersten Bomber Trockenfrüchte lieferten, hießen die Militärmaschinen, die noch wenige Jahre zuvor Bomben abgeworfen hatten, im Volksmund schnell "Rosinenbomber".

Gail Halvorsen | Bildquelle: picture-alliance / dpa
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US-Leutnant Gail Halvorsen warf während der Berlin-Blockade Schokolade und Kaugummis an selbstgebastelten kleinen Fallschirmen aus einem "Rosinenbomber" über Berlin ab.

Kaugummis an Fallschirmen hängend

Doch die Luftbrücke war nicht nur eine logistische Meisterleistung. Der damalige US-Pilot Gail Halvorsen hatte eine geniale Idee. Winkenden Kindern am Flughafen Tempelhof schenkte er Kaugummi. Ihre große Dankbarkeit beeindruckte ihn. Und so fragte Halvorsen auch andere US-Piloten, ob sie bereit wären, ihm ihre Schokoladen- und Süßigkeiten-Ration abzutreten:

"Als ich sagte, 'gebt mir Eure Ration', fragten sie mich: 'Willst Du damit etwa eine Kamera auf dem Schwarzmarkt kaufen?' Erst als ich sagte, ich hätte es den Kindern versprochen, gaben sie mir Ihre Ration."

Mit selbst gebastelten Taschentuch-Fallschirmen ließ Halvorsen Schokolade, Süßigkeiten und Kaugummi-Pakete für die West-Berliner Kinder vom Himmel fliegen. Seine Vorgesetzten waren anfangs skeptisch, bis sie erkannten, wie sehr Gail Halverson mit dieser Aktion die Herzen der West-Berliner eroberte. Bald wurde die Schokolade von Firmen gesponsert. Und überall in den USA bastelten Amerikaner Fallschirme aus Taschentüchern.

Ein Rosinenbomber | Bildquelle: picture alliance / Keystone
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Die Transportflugzeuge hatten den Spitznamen "Rosinenbomber".

"Große Dankbarkeit zurückbekommen"

Heute ist Halverson 97 Jahre alt, und auch in den vergangenen Jahren ist er mehrfach nach Deutschland zurückgekehrt. Er gehört zu jener Weltkriegs-Generation, die in den USA "the greatest generation" genannt wird - "die großartigste Generation". Es waren jene US-Soldaten, die die Freiheit gegen Hitler verteidigten und die bereit waren, den Deutschen die Chance auf einen Neuanfang zu geben. Es waren Amerikaner wie der damalige Oberbefehlshaber Lucius Clay oder der damalige Außenminister George Marshall, die nach der Katastrophe des Zweiten Weltkriegs weitsichtig und mit hohem finanziellen Einsatz jene Weltordnung schufen, die ein Wiederaufleben von Nationalismus und Abschottung verhindern sollte.

Für den gläubigen Christen Halverson war es vor allem praktizierte Nächstenliebe, sagte er vor drei Jahren in einem NBC-Interview. "Es war das Zusammenspiel von selbstlosem Dienst und der großen Dankbarkeit, die wir zurück bekamen. Das hat alle Mauern niedergerissen."

Ein visionärer Ansatz

Die Regierung von US-Präsident Harry S. Truman ließ sich die Berliner Luftbrücke die damals unvorstellbare Summe von 200 Millionen Dollar kosten. Sie sah es als Investition in eine bessere Zukunft an der Seite eines starken und friedlichen Europas - ein visionärer Ansatz, den der jetzige US-Präsident vermutlich als zu teuer abgelehnt hätte.

Zeitzeugen wie Galverson werden immer weniger. Anders als vor zehn Jahren wurde in den USA kaum an den Jahrestag der Berliner Luftbrücke erinnert. Trumps "America First!" und "Make America Great Again" übertönen die Lebenserfahrung der "greatest generation".

Als Sieger Freunde wurden - 70 Jahre Berliner Luftbrücke
Martin Ganslmeier, ARD Washington
26.06.2018 07:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juni 2018 um 12:54 Uhr und die Tagesschau um 12:00 Uhr.

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