Durchsuchungen auf einer neuen Parzelle auf dem Campingplatz in Lügde durch Polizeibeamte  | Bildquelle: dpa

Missbrauch auf Campingplatz Neuer Beschuldigter im Fall Lügde

Stand: 04.07.2019 11:34 Uhr

Im Fall des hundertfachen Kindesmissbrauchs auf einem Campingplatz in Lügde gibt es einen weiteren Beschuldigten. Der Vorwurf gegen den 57-Jährigen wiegt schwer. Ermittler durchsuchen aktuell die Parzelle des Mannes.

Im Missbrauchsfall von Lügde gibt es einen neuen Beschuldigten. Der 57 Jahre alte Mann aus Steinheim bei Höxter sei durch die Befragung eines minderjährigen Betroffenen in den Fokus der Ermittlungskommission "Eichwald" geraten, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit.

Polizei ermittelt weiteren Verdächtigen im Missbrauchsfall Lügde
tagesschau 17:00 Uhr, 04.07.2019, Jan Koch, WDR

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Gegen den Mann sei aufgrund der Zeugenaussage ein Verfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs eingeleitet worden. Die Ermittler hatten am Mittwochabend damit begonnen, die Parzelle des Beschuldigten auf dem Campingplatz in Lügde zu durchsuchen. Die Durchsuchung wird den Angaben zufolge fortgesetzt. Festgenommen wurde der Mann nach Polizeiangaben nicht.

Prozess geht heute weiter

Der Strafprozess um den hundertfachen sexuellen Missbrauch von Kindern auf dem Campingplatz geht unterdessen heute vor dem Landgericht Detmold weiter. Dabei sollen weitere Betroffene und Angehörige gehört werden. Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 von Missbrauch Betroffene identifiziert worden. Gegenstand des laufenden Verfahren sind die Gewalttaten gegen 34 Minderjährige. Die jüngsten sollen erst vier Jahre alt gewesen sein.

Zum Auftakt in der vergangenen Woche hatten alle Angeklagten Geständnisse abgelegt. Vor Gericht in Detmold stehen zwei Angeklagte: der 56-jährige Andreas V. aus Lügde und der 34-jährige Mario S. aus Steinheim. Das Verfahren gegen einen dritten Angeklagten, einen 49-Jährigen aus dem niedersächsischen Stade, war am zweiten Verhandlungstag abgetrennt worden.

Mario S. sitzt zum Prozessauftakt um den Missbrauch auf einem Campingplatz in Lügde im Gerichtssaal, neben ihm der ebenfalls angeklagte Andreas V., der sein Gesicht mit einem Aktenordner verdeckt. | Bildquelle: AFP
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Die beiden Angeklagten Mario S. und Andreas V. haben im Prozess um den hundertfachen Missbrauch an Kindern auf einem Campingplatz in Lügde Geständnisse abgelegt.

Mehrfache Vergewaltigung

Die Angeklagten sollen die Minderjährigen auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen wiederholt vergewaltigt haben. Der 49-Jährige aus Stade soll an Webcam-Übertragungen teilgenommen haben und teilweise zu den Gewalttaten angestiftet haben.

Der Fall Lügde gilt als einer der größten Missbrauchsskandale der vergangen Jahrzehnte. Der jahrelange Kindesmissbrauch auf dem Campingplatz im Kreis Lippe war Ende Januar bekannt geworden. In der Folgezeit wurden eine ganze Reihe von Ermittlungspannen und Behördenfehler in dem Fall offenkundig. Unter anderem verschwand bei der Polizei Lippe Beweismaterial. Auch das Verhalten von Jugendämtern im Tatzeitraum wurde scharf kritisiert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 04. Juli 2019 um 12:00 Uhr.

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