Ein mit Polizeiband abgesperrter Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde

Missbrauchsfälle in NRW Ermittler sehen Hinweise auf Zusammenhang

Stand: 15.01.2020 17:14 Uhr

Nach WDR-Informationen hängen die Missbrauchsfälle von Lügde und Bergisch Gladbach offenbar zusammen. Der Campingplatz rückt wieder in den Fokus der Ermittlungen.

Von Boris Baumholt

Es waren Zeugenaussagen, die die Ermittler kurz vor Weihnachten auf die neue Spur brachten. Offenbar gibt es zwischen den Missbrauchsfällen von Lügde und Bergisch Gladbach Zusammenhänge. Dies erfuhr der WDR aus Ermittlerkreisen.

Demnach könnte sich der Missbrauchsfall zu einer ganz neuen Dimension auswachsen. Zeugenaussagen weisen auf Zusammenhänge hin zwischen dem Fall in Bergisch Gladbach und den Tätern auf dem Campingplatz in Lügde. Familienangehörige des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach sollen über Jahre auch einen Stellplatz auf dem Campingplatz in Lügde gehabt haben und teils heute noch dort aufhalten.

Kontakte zum Haupttäter von Lügde?

Nach WDR-Informationen hatte der Großvater des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach von Mitte der 80er Jahre bis Mitte der 90er-Jahre einen Stellplatz im ostwestfälischen Lügde gepachtet. Der Großvater soll zudem früher selbst wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden sein, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Auch ein Cousin des Beschuldigten hat zwischen 2005 und 2009 in Lügde einen Campingwagen genutzt. Diesen Wagen hat er, so die Ermittler, ausgerechnet an Andreas V. verkauft – den mittlerweile wegen vielfachen Kindesmissbrauchs verurteilten Haupttäter von Lügde. Laut Ermittlern liegen gegen den Cousin aber keine Verdachtsmomente vor.

Gegenüber dem WDR bestritt der Cousin diesen Verkauf an Andreas V., räumte aber den Verkauf an einen anderen Camper ein, der in den Ermittlungen als Beschuldigter geführt, aber bisher nicht verurteilt wurde. Der später verurteilte Mittäter Mario S. habe aber zeitweilig in dem verkauften Wohnwagen gelebt.

Ermittlungen decken Netzwerk auf

Seit Monaten decken mehrere hundert Ermittler ein ganzes Missbrauchsnetzwerk auf. Es ist eine der größten Ermittlungen, die es in NRW je gegeben hat. Ausgangspunkt war ein Fall in Bergisch Gladbach. Ein Mann soll sein zweijähriges Kind über einen längeren Zeitraum schwer missbraucht und auch Aufnahmen von seinen Taten gemacht haben.

Die Ermittler stellten seit Herbst 2019 große Datenmengen sicher. Bilder und Videos wurden offenbar hundertfach in Chats über Landesgrenzen hinweg ausgetauscht, Missbräuche live gefilmt und sogar Kinder für Taten getauscht. Bislang haben die Fahnder insgesamt mehr als 40 mutmaßliche Täter identifiziert. Allein in Nordrhein-Westfalen sitzen bereits acht Beschuldigte in Untersuchungshaft.

Datenmaterial aus Lügde in Bergisch Gladbach?

Bei dem Beschuldigten aus Bergisch Gladbach haben die Ermittler offenbar kinderpornografisches Material sichergestellt, das in Lügde entstanden sein soll. Darauf deuten zumindest die bisher ausgewerteten Geodaten der Dateien hin. Aus Sicherheitskreisen heißt es gegenüber dem WDR: Man glaube inzwischen nicht mehr an Zufälle.

Über dieses Thema berichtete der WDR in der "Aktuellen Stunde" am 14. Januar 2020 um 18:45 Uhr.

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