Das 1988 nach Anschlägen über Lockerbie abgestürzte US-Flugzeug.

Lockerbie-Attentat Schottland lässt Stasi-Mitarbeiter befragen

Stand: 21.03.2019 12:46 Uhr

Über 30 Jahre nach dem Attentat von Lockerbie vernehmen deutsche Behörden Ex-Stasi-Mitarbeiter als Zeugen. Sie folgen dem Ersuchen schottischer Ermittler. Die erhoffen sich Aufklärung über die Hintergründe.

270 Menschen starben, als am 21. Dezember 1988 ein Jumbo-Jet der US-Fluggesellschaft Pan Am über dem schottischen Dorf Lockerbie abstürzte.

Ermittler gingen erst von einem technischen Defekt aus, bis im Gepäckcontainer des zerstörten Flugzeuges Spuren von Sprengstoff gefunden wurden. Weitere Ermittlungen ließen den Schluss eines Terrorakts zu.

Ermittler mit Suchhunden nach dem Absturz der Boing 747 im schottischen Lockerbie im Jahr 1988 | Bildquelle: dpa
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Ermittler mit Suchhunden nach dem Absturz der Boing 747 im schottischen Lockerbie im Jahr 1988.

Vernehmung als Zeugen, nicht als Verdächtige

Jetzt werden ehemalige Mitarbeiter des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit zu dem Attentat befragt. Die Berliner Generalstaatsanwaltschaft teilte mit, dass es entsprechende Rechtshilfeersuchen aus Schottland zur Aufklärung der Hintergründe gibt. Weitere Einzelheiten könnten derzeit aber nicht mitgeteilt werden.

Die Staatsanwaltschaft in Frankfurt (Oder) hatte fünf "europäische Ermittlungsanordnungen" erhalten. Ehemalige Mitarbeiter der Staatssicherheit der DDR seien aber nicht als Verdächtige verhört worden. Es handele sich ausschließlich um Zeugenvernehmungen, hatte eine Sprecherin betont.

Libyscher Geheimdienstmitarbeiter hatte Tat bestritten

Eigentlich hätte der Fall juristisch schon zu den Akten gelegt werden können. Ein schottisches Gericht hatte 2001 den libyschen Geheimagenten Abdel Baset Ali al-Megrahi zu lebenslanger Haft verurteilt.

Bis zu seinem Tod im Jahr 2012 hatte er bestritten, für das Attentat verantwortlich zu sein. Doch die schottischen Behörden gaben auch 30 Jahre später die Ermittlungen nicht auf.

Abdelbaset al Megrahi (li.) - hier mit Saif al Islam Gaddafi - wurde nach seiner Begnadigung 2009 wie ein Held in Tripolis begrüßt.
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Abdelbaset al Megrahi (li.) - hier mit Saif al Islam Gaddafi - wurde nach seiner Begnadigung 2009 wie ein Held in Tripolis begrüßt.

Die "Terrorabwehr" der Stasi

Berichten der "Bild"-Zeitung zufolge solle es sich bei den nun vernommenen ehemaligen Stasi-Mitarbeitern um frühere Mitglieder der "Hauptabteilung XXII" handeln.

Die Abteilung sollte die terroristische Szene in Westeuropa und im Nahen Osten beobachten. Im Jahr 1988 hatte sie 248 Mitarbeiter, die sich vor allem mit linksterroristischen Organisationen beschäftigten.

Dem Ministerium für Staatssicherheit in der DDR (MfS; kurz Stasi) wird u.a. vorgeworfen, Aufenthalte unter anderem von RAF-Mitgliedern und der "Carlos-Gruppe" in der DDR geduldet zu haben.

Über dieses Thema berichteten am 21. März 2019 Deutschlandfunk um 12:00 Uhr und NDR Info um 12:15 Uhr jeweils in den Nachrichten.

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